Hamburg - Nach dem äußerst kurzen 81. Verhandlungstag und dem Ausfall am Montag wird der Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) am Dienstag fortgesetzt. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.
10.55 Uhr: Lange Mittagspause
Die stellvertretende Anwältin des angeklagten Sicherheitsunternehmers kündigt eine weitere Stellungnahme an, benötigt dafür jedoch noch Zeit.
Dabei gehe es auch um die heute bekannt gegebenen Beschlüsse der Kammer. Da die eigentliche Verteidigerin des Unternehmers, Gül Pınar, heute nicht anwesend ist, müsse man sich zunächst abstimmen.
Die Richterin stimmt dem zu und setzt eine längere Mittagspause bis 13.30 Uhr an.
10.50 Uhr: Klara Hensel "tief erschüttert"
Anschließend fragt Nebenklagevertreter Philip von der Meden nach dem aktuellen Stand zu den am Vortag beschlagnahmten Tonaufnahmen der ZEIT. Diese seien bislang lediglich "vorläufig sichergestellt", erklärt die Richterin.
Inzwischen seien zudem zwei Beschwerden sowie ein Antrag der Staatsanwaltschaft eingegangen, die nun zunächst gesichtet werden müssten. Anschließend würden alle Prozessbeteiligten über den aktuellen Stand informiert.
Danach meldete sich auch die Anwältin der jüngsten Block-Kinder zu Wort. Klara Hensel habe sie gebeten auszurichten, dass sie über die Beschlagnahmung "tief erschüttert" sei. Sie habe den ZEIT-Journalisten auch Dinge "im Vertrauen" erzählt. "Sie ist sehr mitgenommen und fühlt sich schlecht", so die Anwältin weiter.
10.44 Uhr: Astrid Have wird erneut ausgerufen
Die Kammer ist mit ihrem Marathon an Antragsablehnungen durch. Anschließend lässt die Richterin erneut Astrid Have aufrufen, die wie erwartet, nicht erschienen ist. Es wird in Protokoll aufgenommen, "dass Have trotz ordnungsgemäßer Ladung nicht gekommen ist".
Wie die Richterin danach erklärte, habe Have allerdings bereits im Vorfeld angekündigt, nicht zu erscheinen.
Der Verteidiger des angeklagten Familienanwalts, Dr. Marko Voß., fragt daraufhin, wie mit der Zeugin weiter umgegangen wird. Die Richterin erklärt: "Ein Ordnungsgeld kann nicht erhoben werden, da es sich um eine Auslandszeugin handelt!"
10.25 Uhr: Delling-Antrag wird abgelehnt
Auch der Antrag von Gerhard Delling (67), ein von Klara Hensel gemaltes Bild sowie ein Video aus dem August 2021 als Beweismittel einzuführen, lehnt die Richterin ab.
Insbesondere sei für die Kammer nicht ersichtlich, welche Bedeutung es habe, dass die jüngste Tochter von Block und Hensel Gerhard Delling "Gernhard" genannt, ihm zugewinkt und zugelächelt habe.
Auch lasse sich für die Kammer nicht erkennen, inwiefern die Aufnahmen dazu beitragen könnten, Klaras frühere Aussage über die "Duldung von Gewalt" zu relativieren.
10.15 Uhr: Kammer lehnt mehrere Anträge ab
Die Richterin fährt fort und lehnt wie schon zuletzt mehrere Anträge der Verteidiger ab. Dabei geht es unter anderem darum, weitere Zeugen, darunter Rechtsanwälte, zu laden. Einen Beweisantrag von Ingo Bott, eine weitere E-Mail zu verlesen, lehnt die Kammer ebenfalls ab.
Es sei nicht Aufgabe der Kammer, "eine umfangreiche Aufarbeitung der familiengerichtlichen Verfahrensgeschichte zu gewährleisten", betont die Richterin in einer ihrer Begründungen.
10.06 Uhr: Ingo Bott wollte die E-Mail vorlesen lassen
Block-Anwalt Ingo Bott bezieht nach der Verlesung noch kurz Stellung. Es sei ihm wichtig gewesen, die Mail vorlesen zu lassen, um bestimmte Formulierungen hervorzuheben.
So heißt es darin: "Die Mutter stammt aus einer einflussreichen, sehr wohlhabenden Hamburger Familie, die keine Scheu hat, alle Mittel zu nutzen, um ihre Interessen durchzusetzen."
Ein Narrativ, das die Familie Hensel immer wieder bediene, so Bott. Ähnlich sei es auch im neu erschienenen ZEIT-Podcast, in dem von einer "Kommandozentrale" die Rede ist.
"Was macht das mit der Mutter dieser Kinder? Mit der Mutter von Kindern, die in einer Welt verschwinden, die auf solchen Lügen aufbaut?", wirft Bott in den Raum und direkt an die Richterin: "Wie würden wir uns fühlen, wenn wir die Mutter dieser Kinder wären?"
Nebenklagevertreter Philip von der Meden erwidert: "Möglicherweise hat Herr Hensel auch ein feines Gespür dafür gehabt, wozu diese Familie imstande ist!"
10 Uhr: E-Mail wird verlesen
Der beisitzende Richter liest eine E-Mail vom 1. September 2021 von dem Mail-Account von Stephan Hensel vor. Verfasst wurde diese allerdings von Astrid Have, die ihren Mann darin vertritt. Der Betreff lautet: "Info über drei Kinder, die nicht zu ihrer Mutter nach Deutschland wollen".
"Die Kinder werden psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt und haben Angst vor der Mutter", heißt es darin. Die beiden jüngsten Kinder, damals sieben und zehn Jahre alt, wollten in Dänemark bei ihrem Vater wohnen und ihre Situation gegenüber den Behörden erklären.
Stephan Hensel wolle zudem das alleinige elterliche Sorgerecht beantragen.
9.50 Uhr: Es geht los: Astrid Have wird ausgerufen
Mit rund 20 Minuten Verspätung beginnt der 82. Verhandlungstag.
Die Richterin beginnt damit, Astrid Have aufrufen zu lassen, obwohl sie davon ausgeht, dass diese nicht erschienen ist. Was sich zunächst bestätigte. Anscheinend war die Ehefrau von Stephan Hensel (52) doch für den heutigen Dienstag als Zeugin geladen.
9.36 Uhr: Beginn verzögert sich
Wie gerade bekannt wurde, wird sich der Beginn noch ein paar Minuten verzögern.
Ein Grund wurde nicht genannt.
9.19 Uhr: Wenig los
Noch ist nicht viel los im und vor Saal 237. Lediglich auf der Baustelle im Innenhof des Strafjustizgebäudes scheint der Lautstärke nach viel los zu sein.
9 Uhr: So geht es am Dienstag weiter
Am 82. Verhandlungstag bleibt der Zeugenstuhl zunächst leer: Ob Astrid Have noch, wie zunächst geplant, im Laufe dieser Woche aussagen wird, ist bislang unklar. Ihre Ladung musste offenbar über die Polizei erfolgen. Hintergrund sollen Unstimmigkeiten rund um ihre anwaltliche Vertretung sein.
Statt einer Zeugenvernehmung sollen die Verfahrensbeteiligten nach Angaben des Gerichts die Gelegenheit bekommen, weitere Anträge schriftlich einzureichen. Zudem könnte die Kammer Entscheidungen über bereits gestellte Anträge verkünden.
Zudem teilte das Gericht am Montag mit, dass die dem Podcast "House of Block" zugrunde liegenden Tonaufnahmen beschlagnahmt wurden. Die Staatsanwaltschaft hält es für möglich, dass in den Gesprächen bislang unbekannte Umstände zur Sprache kamen, die für die Schuldfrage und mögliche Rechtsfolgen relevant sein könnten. Außerdem könnten die Aufzeichnungen dazu beitragen, die Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen zu überprüfen.
Update, 8.50 Uhr: Recap vom 81. Verhandlungstag
Der 81. Verhandlungstag war bereits nach einer halben Stunde beendet. Unter anderem wurden Anträge von Block-Anwalt Ingo Bott (43) abgelehnt.
Zuvor hatte vor allem ein neuer Podcast von "Zeit Verbrechen" für Aufregung im Gerichtssaal gesorgt. In "House of Block" schildert unter anderem Klara Hensel ihre Sicht auf die Silvesternacht 2023/24. Nachdem Stephan Hensel von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hatte, kündigte die Richterin an, stattdessen seine Frau Astrid Have erneut als Zeugin zu vernehmen.
Im Mittelpunkt soll dabei insbesondere die Frage stehen, ob und in welchem Umfang mit der medialen Aufarbeitung des Familiendramas Geld verdient wurde.