Hamburg - Am inzwischen 60. (!) Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) soll der Israeli K. per Video als Zeuge vernommen werden. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.
11.13 Uhr: Es geht weiter
Nach der Pause fragt die Richterin nach der Dauer des Aufenthalts. Nach Angaben des Zeugen war die Zeit in Deutschland auf vier bis zwei Wochen festgelegt. Warum so eine breite Spanne?, will die Vorsitzende wissen.
"Man hat uns nicht alles gesagt. Ich habe keine Nachfragen gestellt", so der Zeuge.
"Sollten Sie keine Nachfragen stellen oder hielten Sie es nicht für notwendig?", fragt die Richterin.
"Wir haben keine gestellt. Ich verstehe die Frage nicht ganz", so K. erneut.
10.57 Uhr: Zeuge bittet um eine Toiletten-Pause
K. bittet um eine kurze Unterbrechung, um auf die Toilette gehen zu können. Es folgt eine zehnminütige Pause.
10.45 Uhr: Warum gab es so eine Eile?
Die Vorsitzende Richterin hakt nach, warum von David B. eine solche Eile ausgegangen sei. "Uns wurde gesagt, dass die Kinder wirklich leiden", so der Zeuge knapp.
10.40 Uhr: "Minimum 10.000 Euro" sollte jeder der Entführer bekommen
Wurde ihm eine Entlohnung angeboten? "Ja, natürlich. Jeder von uns sollte 10.000 Euro bekommen, im Erfolgsfall auch mehr", so der Zeuge.
Auf die Frage, ob jemand die Bezahlung abgelehnt habe – Tal S. hatte etwa ausgesagt, er sei nicht bezahlt worden und habe auch kein Geld annehmen wollen –, entgegnet K.: "Nein, wir sollten alle mindestens 10.000 Euro bekommen."
Am Ende habe er jedoch nur 6.000 Euro von Keren T. erhalten. "Vor dem Hintergrund, dass die Kinder doch wieder zurück nach Dänemark gebracht werden sollten, wurde uns gesagt, das Geld stecke irgendwo, und wir müssten noch warten", so der Zeuge. Das habe ihm David B. mitgeteilt.
10.32 Uhr: Mutmaßlicher Entführer - "Wir waren eigentlich alle nicht geeignet!"
Der Zeuge ist mit seinen Schilderungen zu Ende. Die Vorsitzende Richterin fragt, warum er überhaupt im Auftrag von David B. in Israel eine Gruppe zusammenstellen sollte und dieser das nicht selbst übernommen habe. "Darauf habe ich keine Antwort", so der Zeuge.
Und warum ausgerechnet er? "Das passiert alles um den 7. Oktober 2023 herum, und Davids Leute waren deswegen schon alle rekrutiert", so der Zeuge mit Verweis auf den Hamas-Angriff auf Israel 2023. "Wir waren eigentlich alle nicht geeignet!"
Nach welchen Kriterien er die Gruppe zusammengestellt habe, fragt die Richterin. Der Zeuge verweist auf eine fünfjährige Bekanntschaft und darauf, dass er den Personen vertraut habe.
Das habe jedoch nicht auf Jonathan C. zugetroffen. Dessen Nummer habe er von einem Bekannten erhalten, der gesagt habe, dieser kenne sich in Deutschland gut aus.
"Ging es auch darum, dass die Menschen besondere Fähigkeiten mitbringen sollten?", fragt die Richterin. – "Nein", so K.
10.15 Uhr: "Das kam mir schon komisch vor – warum sollten die Kinder durch einen Wald gehen?"
Der Zeuge bestätigt, dass er eines der Fluchtautos in der Silvesternacht gefahren hat. Zunächst habe er allein im Auto gewartet, bis Keren T. plötzlich gegen das Fahrzeug geschlagen und damit das Zeichen gegeben habe, das Auto "mit dem Gesicht in Richtung Ausgang" zu drehen. Irgendwann sei dann David B. mit den Kindern in sein Auto gestiegen, und sie seien in Richtung eines Waldes gefahren.
"Das kam mir schon komisch vor – warum sollten die Kinder durch einen Wald gehen?", so der Zeuge. Wenige Minuten später habe er bereits Polizeisirenen gehört. David B. habe jedoch gesagt, alles sei in Ordnung, und er sowie Said B., der andere Fahrer, sollten zurück nach Hamburg fahren.
Dort seien sie am nächsten Tag von einem der "Saudis" darüber informiert worden, dass die Kinder in Sicherheit seien und sie nach Stuttgart fahren sollten.
Auf dem Hof in Süddeutschland sei dann kurz nach ihnen auch Christina Block angekommen und habe sich noch bei ihnen bedankt. Später sei man gemeinsam mit "einem deutschen Kerl"zum Flughafen aufgebrochen und zurück nach Israel geflogen. Zuvor habe man noch mit einer Flasche Wein auf die "erfolgreiche Rettung der Kinder" angestoßen.
Erst rund ein Jahr später, nach der Verhaftung von Tal S. im November 2024, habe man gewusst, dass etwas "wirklich schiefgelaufen" sei. "Wir wollten die Details wissen, aber man hat uns gesagt, wir dürften nicht darüber reden", so der Zeuge.
10.05 Uhr: Christina Block soll den Entführern unter Tränen gedankt haben
Daraufhin seien noch drei weitere Treffen gefolgt. Bei einem davon am 30. Dezember 2023 habe David B. ihnen Christina Block vorgestellt. "Sie wirkte sehr bewegt, auch sehr traurig, und hat uns ihre Geschichte aus ihrer Perspektive geschildert", so K.
"Sie hat uns 'Viel Erfolg' mit Tränen in den Augen gewünscht", so der Zeuge weiter. Zudem habe die Unternehmerin ihnen bei dem Treffen und ihnen Kleidung übergeben. "Vielleicht um die Erinnerung an die Mutter wieder so wecken", so der Israeli.
Kurz darauf sei die Nachricht "vom Haus" gekommen, dass die jüngsten Block-Kinder mit ihrem Vater Stephan Hensel das Feuerwerk im Hafen von Gråsten anschauen würden. "Mit dem ganzen Lärm schien das perfekt", so der Zeuge.
9.56 Uhr: Zeuge berichtet vom ersten Treffen
K. beginnt mit der Schilderung eines Ablaufs, der inzwischen von vielen bereits so beschrieben wurde. Auf die Bitte von David B. habe der Zeuge ein Team zusammengestellt, um der Familie Block zu helfen. In dem Zusammenhang soll B. ihm auch von einem "grausamen Vater" berichtet und ihm ein "Dokument" gezeigt haben, dass "alles mit rechten Dinge" zugehe.
Wenige Tage vor der Silvesternacht 2023/24 seien sie dann nach München geflogen – andere, darunter der Angeklagte Tal S., hatten ausgesagt, sie seien nach Frankfurt geflogen – und von dort mit dem Zug nach Hamburg weitergereist.
Dort seien sie von Keren T. in Empfang genommen worden, die ihnen dann auch Zimmer "gegeben" habe. Er habe sich eines mit dem Zeugen Said B. geteilt.
Noch am selben Abend habe ein Treffen stattgefunden, bei dem der mutmaßliche Chef-Entführer David B. die "Pläne" vorgestellt und Fotos gezeigt habe. Außerdem habe er gesagt, man müsse zuvor noch nach Dänemark fahren, um sich vor Ort ein Bild zu machen.
9.42 Uhr: Verteidiger will Identität des Zeugen bestätigt wissen
Der Zeuge gibt an, 42 Jahre alt zu sein, in Jerusalem zu wohnen und im Projektmanagement tätig zu sein.
Der Anwalt des angeklagten Familienanwalts der Blocks, Dr. Marko Voß, erkundigt sich, ob überprüft worden sei, dass es sich bei dem zugeschalteten Mann tatsächlich um Herrn K. handele und wo genau dieser sich befinde. Daraufhin hält der Zeuge seinen Personalausweis in die Kamera. Anschließend schwenkt sein Anwalt die Kamera – allerdings eher schlecht als recht – durch sein Büro, wo augenscheinlich niemand anders anwesend ist.
"Sind Sie damit zufrieden, Herr Voß?", fragt die Vorsitzende Richterin.
"Ich denke, wir haben alle ein Interesse daran. Aber ja – ob sich da jetzt jemand geduckt hat, wissen wir ohnehin nicht", entgegnet Voß.
9.36 Uhr: 60. Verhandlungstag beginnt
Der Prozess beginnt. Nun ist auf dem an die Wand projizierten Skype-Bild auch der Zeuge zu sehen.
Zunächst wird geklärt, wie lange der Zeuge heute zur Verfügung steht. Nach eigenen Angaben hat er nur bis 14 Uhr deutscher Zeit Zeit. Der Dolmetscher, der sonst für den in U-Haft sitzenden Tal S. zwischen Hebräisch und Deutsch dolmetscht, übernimmt heute die Übersetzung der Zeugenaussage.
9.21 Uhr: Videoübertragung läuft schon
Wie zuletzt so oft ist der Zuschauersaal nur wenig gefüllt. Noch sind nicht einmal alle Angeklagten anwesend, doch im Saal 237 ist bereits alles für die Videozeugenvernehmung vorbereitet.
Die Übertragung läuft schon, auf dem Bildschirm wartet schon der Anwalt des Zeugen auf den Prozessbeginn.
9 Uhr: So geht es am Montag weiter
Wie das Gericht am Freitag mitteilte, ist für Montag die Aussage des Israelis K. geplant.
Der mutmaßlich ebenfalls an der Entführung beteiligte Zeuge soll per Bild- und Tonübertragung aus den Kanzleiräumen seines Rechtsanwalts in Israel in den Sitzungssaal 237 zugeschaltet werden. K. soll in der Silvesternacht 2023/24 einer der beiden Fahrer der Fluchtautos gewesen sein.
Der weitere Zeuge, der 35-jährige Said B., hatte bereits im April ausgesagt und eingeräumt, eines der Fluchtfahrzeuge gefahren zu haben.
Diese Form der Vernehmung hatte die Kammer vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts angeboten.
Update, 8.50 Uhr: Recap von Donnerstag
Der 59. Verhandlungstag war geprägt von Diskussionen, Wortgefechten und längeren Unterbrechungen. Als Zeugin war erneut Hauptermittlungsführerin Merle B. (44) geladen. Die Beamtin musste allerdings fast anderthalb Stunden warten, bis sie überhaupt aufgerufen wurde.
Der Grund: Die Verteidigung versuchte im Verlauf des Tages immer wieder, die begrenzte Aussagegenehmigung der 44-Jährigen durch Anträge erweitern zu lassen.
Die Kammer um die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt zog sich mehrfach für längere Zeit zurück, um über die Anträge zu beraten - lehnte diese jedoch allesamt ab.
Das sorgte bei der Verteidigung für Frust. Anwältin Gül Pinar wurde nach einem emotionalen Einwand von der Richterin zurechtgewiesen: "Es gibt keinen Grund, derart aufbrausend und aggressiv zu werden", mahnte Hildebrandt.
Einige Fragen durfte die Ermittlerin immerhin beantworten - wirklich viel Neues kam dabei allerdings nicht herum. Da die Verteidigung auch am vierten Tag ihre Befragung nicht abschloss, muss B. im August erneut mehrere Tage als Zeugin erscheinen.