Block-Prozess: Zeuge fühlt sich von Chef-Entführer "ausgenutzt" und "verarscht"

Hamburg - Am 61. Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53) wurde die Zeugenbefragung des Israelis K. beendet, der nach eigenen Angaben Fahrer eines der Fluchtfahrzeuge in der Silvesternacht 2023/24 war. TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.

Christina Block (53) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43, l.). Der Steakhouse-Erbin wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben.  © Markus Scholz/dpa

Am zweiten Tag seiner Vernehmung erklärte der 42-Jährige, er fühle sich rückblickend vom mutmaßlichen Chef-Entführer David B. (68) "ausgenutzt" und "verarscht".

Dieser habe ihn bewusst ausgewählt, weil er und die anderen Mitglieder des Teams "leicht zu verführen" gewesen seien.

"Er ist ein Mensch, der andere Menschen lesen kann. Mich hat er auch gelesen und er ein Bingo getroffen", so K. über David B.

Feuerwehreinsätze Vollsperrung wegen Feuerwehreinsatz: Brand auf Dreiseitenhof

Bereits am Vortag hatte K. ausgesagt, er sei zuletzt davon ausgegangen, das Richtige zu tun, auch wenn ihm zwischenzeitlich immer wieder Zweifel gekommen seien.

"Aber es war wie bei einer Mossad-Operation, ich stand unter Stress und habe gemacht, was mir gesagt wurde." Die Ereignisse hätten ihn so belastet, dass er sich laut Übersetzung "in Behandlung" befunden habe.

Anzeige

15.36 Uhr: Der 61. Verhandlungstag ist zu Ende

Danach folgen keine weiteren Stellungnahmen zur Zeugenaussage mehr. Die Hauptverhandlung wird unterbrochen und soll am Mittwoch, 8. Juli, um 9.30 Uhr fortgesetzt werden.

Anzeige

15.24 Uhr: Delling "mit keinem Wort erwähnt"

Rieks schließt an und erklärt, der Zeuge habe seinen Mandanten Gerhard Delling "mit keinem Wort erwähnt". Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft laute unter anderem, sein Mandant habe von einer monatelangen Planung der Entführung gewusst.

Durch die Aussage von K. sei jedoch noch einmal belegt worden, dass es eine solche langfristige Planung überhaupt nicht gegeben habe, sondern man könne eher von "kurzfristigen Aktionen" reden. Von denen sein Mandant sicher nichts gewusst habe.

15.11 Uhr: Anwalt bezeichnet Keren T. und David B. als "Lügner"

Dr. Marko Voß erklärte, er könne sich eine Stellungnahme eigentlich sparen, da der Zeuge "gar nichts" über seinen Mandanten gesagt habe.

Dennoch sei es ihm ein Anliegen, nochmal zu betonen, dass die Aussage von K. "noch einmal und umso deutlicher" zeige, dass auf die "belastenden Aussagen von Keren T. und David B. nichts gegeben werden kann". Nicht nur seien diese beiden untereinander widersprüchlich, sondern auch im Verhältnis zu weiteren Zeugenaussage wie von K. nicht belastbar.

Es sei klar, dass Keren T. und David B. "Lügner" seien und bereits in der Silvesternacht 2023/24 "alles schiefgelaufen" sei, so Voß. Dies sei jedoch nicht auf eine etwaige falsche Rechtsberatung durch seinen Mandanten zurückzuführen, wie zuletzt von T. und B. behauptet wurde, sondern auf die "übermäßige Anwendung von Gewalt".

In einer Kurzschlusshandlung habe B. dann entschieden, nach Süddeutschland zu fahren und nicht zurück nach Hamburg zu kehren, meint Voß.

15.18 Uhr: Es geht weiter

Nach der Pause erhalten die Verteidiger Gelegenheit, zur Aussage von K. Stellung zu nehmen.

Der Nebenklagevertreter von Stephan Hensel stuft die Aussage des 42-Jährigen in einem kurzen Statement als "glaubhaft" ein. Er hebt zudem hervor, K. sei der "einzige Tatbeteiligte", der eingeräumt habe, gewusst zu haben, sich mit seinem Handeln zumindest juristisch in einem "grauen Bereich" zu bewegen.

Anschließend bewertet Bott die Aussage des Zeugen als einen "bemerkenswerten Einblick in das von David B. verursachte Chaos der Silvesternacht".

Zugleich sei sie ein Beispiel dafür, wie David B. andere manipuliert und belogen habe. Mit Frau Block habe "das alles gar nichts zu tun".

Und weiter: "Niemals hätte eine Mutter, Frau Block, einer Reise quer durch Deutschland zugestimmt. Lebensnah ist hingegen, wie der Zeuge K. es ausgedrückt hat: Es sei alles nicht geplant gewesen."

14.25 Uhr: Pause

Nach zwei Verhandlungstagen ist die Befragung des Zeugen K. beendet. Während die Videoübertragung beendet wird, ist kurz Pause.

14.07 Uhr: "Wow, wir haben Kinder gerettet!"

Im Anschluss reagiert der Zeuge erkennbar aufgebracht und bezeichnet die Fragestellung als "irreführend". Bott hatte ihn nach der simultanen Übersetzung gefragt, ob er sich nun erinnere, dies so gesagt zu haben.

Dem Block-Verteidiger geht es wohl vor allem um eine Passage, in der K. im Interview gesagt haben soll, er sei nach der Entführung ins Hotel gefahren und habe dort Christina Block gesagt, sie sehe aus wie eine Prinzessin.

Übersetzt wurden in der Tat die Sätze: "Wir fuhren wieder ins Hotel", "Wow, wir haben Kinder gerettet!", "Wir hatten Champagner, Frau Block saß uns gegenüber" und "Ich habe gesagt, sie sieht aus wie Prinzessin Diana. Was soll das?"

Allerdings war ebenfalls zu hören, dass es sich bei der Aufnahme mutmaßlich um Zusammenschnitte des Interviews handelt und nicht um das fortlaufende Originalinterview. Die Aussagen müssen daher nicht zwingend im direkten Zusammenhang stehen. Darauf weist auch der deutsche Zeugenbeistand hin. Diesen Eindruck hat auch die Richterin.

13.59 Uhr: Interview des Zeugen wird abgespielt

Bott hat doch noch eine Frage und bittet darum, das hebräische Transkript des bereits angesprochene Interviews von "Channel 12" in Israel aus dem September 2025 vorzuspielen. Der anwesende Dolmetscher soll es anschließend bitte übersetzen.

Zuvor hatte die Richterin Bott darauf hingewiesen, dass ein Vorhalt aus diesem Interview ohne beglaubigte Übersetzung nicht verwendet werden kann.

Das Interview wird zunächst einmal abgespielt, damit der Zeuge seine Stimme verifizieren kann. Anschließend wird es erneut vorgespielt, während der Dolmetscher es simultan übersetzt.

Demnach hat der Zeuge nicht gesagt, dass Frau Block "wunderschön wie eine Prinzessin" sei, sondern aussehe wie Prinzessin Diana († 36).

13.50 Uhr: Gab es Absprachen zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Zeugen?

Nachdem Rieks nach möglichen Zusagen oder Versprechen der Staatsanwaltschaft gefragt hatte, erklärte K., ihm sei lediglich gesagt worden, hier solle die "Wahrheit entdeckt" werden und dass er "ohne verhaftet zu werden nach Deutschland kommen kann". Weitere Details zu etwaigen Absprachen seien ihm nicht bekannt.

Im Anschluss hat der Delling-Anwalt keine weiteren Fragen mehr.

Da alle anderen keine Fragen mehr haben, ergreift nun der Verteidiger von Tal S. das Wort und beginnt seine Befragung.

13.35 Uhr: Rieks fragt nach Rolle von Ex-GNTM-Model Jonathan C. in der Gruppe

Im weiteren Verlauf hinterfragt Dr. David Rieks genauer, wie das frühere GNTM-Model Jonathan C. Teil der Gruppe wurde.

K. hatte zuvor ausgesagt, ein Team aus Personen, die er seit mindestens fünf Jahren kenne und denen er vertraue, im Auftrag von David B. zusammengestellt zu haben. Dies habe jedoch nicht auf C. zugetroffen. Dessen Telefonnummer habe er von einem Nachbarn erhalten, nachdem er im Umfeld herumgefragt habe, ob jemand noch weitere Personen kenne, die teilnehmen wollten.

Die Entscheidung für Jonathan C. sei gefallen, weil dieser "in Europa war und aktuell keinen Job hatte".

Auf Nachfrage von Rieks, ob er den Namen der Person nennen könne, die die Nummer weitergegeben habe, erklärt K., er könne sich nicht erinnern. Es sei zu lange her, und er habe damals mit zu vielen Leuten gesprochen. Die betreffende Person habe aber nichts mit der eigentlichen Operation zu tun.

13.09 Uhr: Es geht weiter

Nach der Pause teilte Dr. Marko Voß, Verteidiger des angeklagten Familienanwalts, mit, dass die Fragen seines Mandanten sowie seine eigenen bereits "alle beantwortet" seien.

Im Anschluss übernimmt Dr. David Rieks, Anwalt von Gerhard Delling (67), das Wort und setzt die Befragung fort. Auch er verharrt längere Zeit bei einer Übersetzungsfrage. Der Zeuge hatte im Zusammenhang mit der Frage, wie es im Wald gewesen sei, erklärt, das könne er nicht beantworten, da er nicht dabei gewesen sei und dann sagte er "Das müssen Sie ihn fragen" und machte dabei eine Handbewegung in Richtung Gerichtssaal.

Rieks hakt nach: "Wen meinten Sie damit?" Der Zeuge antwortet: "Ich meinte niemanden im Saal."

Ein Anlass für Rieks zu fragen, ob der Zeuge am Morgen jemanden in dem Raum meinte, in dem er sich derzeit in Israel befindet.

"Nein, ich meinte niemanden hier bei uns im Raum oder im Saal."

"Wen meinten Sie dann?"

"Ich verstehe die Frage nicht."

Dr. David Rieks vertritt vor dem Hamburger Landgericht Gerhard Delling (67), ehemaliger Sportmoderator und Partner von Christina Block.  © Markus Scholz/dpa-Pool/dpa

12 Uhr: Mittagspause

Ingo Bott hat keine Fragen mehr. Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.05 Uhr.

Mehr zum Thema Block-Prozess: