Block-Prozess: Mutmaßlicher Chef-Entführer sagt weiter aus

Hamburg - Nachdem der letzte Termin am vergangenen Donnerstag krankheitsbedingt kurzfristig abgesagt werden musste, wird der Prozess wegen Kindesentführung gegen die Unternehmerin Christina Block (52) am Montag fortgesetzt. Am 30. Verhandlungstag soll der mutmaßliche Chef-Entführer David B. (69) erneut aussagen. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog.

Christina Block (52) kommt am 30. Verhandlungstag zusammen mit ihrem Partner Gerhard Delling (66) beim Hamburger Landgericht an. Der Ex-Sportmoderator ist wegen Beihilfe ebenfalls angeklagt.
Christina Block (52) kommt am 30. Verhandlungstag zusammen mit ihrem Partner Gerhard Delling (66) beim Hamburger Landgericht an. Der Ex-Sportmoderator ist wegen Beihilfe ebenfalls angeklagt.  © Christian Charisius/dpa

Update, 13.09 Uhr: Christina Block erhält Brief von "Demonstrierenden"

Christina Block erhielt noch vor Prozessbeginn einen Brief von Demonstrierenden vor dem Gerichtsgebäude. Dabei handelt es sich um Mitglieder des Vereins "Familienschutz Leana für Gerechtigkeit und gegen Willkür", die heute einen Infostand vor dem Hamburger Landgericht aufgebaut hatten, bis die Polizei ihn auflöste.

Zuvor sollen die Mitglieder auch von der vorsitzenden Richterin Isabel Hildebrandt scharf kritisiert worden sein, wie TAG24 vor Ort erfuhr. Immer wieder halten Bürgerinnen und Bürger Plakate vor dem Gerichtsgebäude hoch, um Christina Block ihre Unterstützung zu zeigen und auf Themen wie die Entfremdung von Kindern aufmerksam zu machen.

Allerdings sind solche nicht angemeldeten Aktionen vor dem Gericht strafbar und werden in der Regel schnell von der Polizei beendet.

Christina Block mit dem ihr überreichten Brief am Montagmorgen vor dem Hamburger Landgericht.
Christina Block mit dem ihr überreichten Brief am Montagmorgen vor dem Hamburger Landgericht.  © Citynewstv

Update. 12.18 Uhr: "Die Polizei hat nicht für Recht und Ordnung gesorgt"

Rechtsanwältin Gül Pinar sprach von einem "ganz besonderen Tag für ihren Mandanten": "Ich glaube, alle konnten mitbekommen, dass die Polizei vor Ort nicht für Recht und Ordnung gesorgt hat, sondern stattdessen nur externe Dienstleister."

Die Mitarbeiterin seines Mandanten habe im Falle von zum Beispiel aufdringlichen Pressevertreter die Polizei rufen müssen. Gleichzeitig betonte Pinar, dass nichts Verbotenes geschehen sei und nichts vor der Polizei verheimlicht worden sei.

Auch der Verteidiger von Gerhard Delling, Dr. David Rieks, betonte, dass die Aussage der Zeugin heute endgültig bestätigt habe, dass dieser nicht dazu beigetragen habe, die Kinder einzusperren. Die Sicherheitsmaßnahmen dienten demnach nicht der Einsperrung der Kinder, sondern ihrem Schutz vor dem Andrang der Presse.

Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.50 Uhr.

Update, 11.55 Uhr: "Mythen in diesem Verfahren zu entzaubern"

Die Zeugenbefragung ist beendet. Es folgen Stellungnahmen der Verteidiger.

Der Nebenklagevertreter erklärte, die Aussage der Zeugin habe zentrale Widersprüche in der Darstellung von Herrn P. aufgezeigt. So sei etwa eine mögliche Fluchtgefahr der Kinder über die Fenster im Keller für die Zeugin kein Thema gewesen, und P. habe behauptet, erst nach 16 Uhr am 2. Januar von der Rückführung der Kinder erfahren zu haben.

Die Zeugin hingegen habe ausgesagt, dass bereits bei der Beauftragung klar gewesen sei, dass die Kinder zu einem bestimmten Zeitpunkt nach Hamburg zurückkehren würden.

Laut Block-Anwalt Ingo Bott diene die Aussage von W. dazu, "Mythen in diesem Verfahren zu entzaubern", insbesondere den Vorwurf, es sei darum gegangen, die Kinder im Haus von Frau Block festzuhalten.

Update, 11.08 Uhr: Zeugin ist noch nicht bezahlt worden

Die Zeugin berichtet weiter von einem weiteren "wieder sehr spontanen" Auftrag von Eugen Block, übermittelt durch Herr P.; kurz vor Weihnachten 2023 sollte sie ein Geschenk des Chefs der Block-Gruppe an seine Enkelkinder in Dänemark überbringen.

Vor Ort habe sie geklingelt und geklopft und auch Augenkontakt mit zwei weiblichen Bewohnern gehabt. Man habe ihr jedoch nicht die Tür geöffnet. Sie habe das Geschenk abgestellt, ein Foto davon gemacht und sich anschließend auf den Rückweg nach Deutschland gemacht.

Während einer Pause bei einer Tankstelle sei ihr von Herr P. per Anruf deutlich gemacht worden, dass sie den Auftrag nicht korrekt ausgeführt habe und "der Kunde [Eugen Block]" überhaupt nicht zufrieden sei und sie zurückfahren müsse, um das Geschenk erneut zuzustellen.

Sie sei also noch einmal zum Gebäude gefahren, habe wieder geklopft und geklingelt und sei schließlich von der dänischen Polizei dem Gelände verwiesen und befragt worden. Die Beamten hatten das Geschenk in der Zwischenzeit bereits mit auf die Wache genommen und geöffnet. Woraufhin die Zeugin das Geschenk wieder mit nach Deutschland genommen hat.

Der Auftrag sei bislang noch nicht bezahlt worden, da "noch keine Endabrechnung erfolgen konnte", so die Zeugin.

Christina Block im Gespräch mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42).
Christina Block im Gespräch mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42).  © Marcus Brandt/dpa

Update, 10.50 Uhr: "Damit die Kids nicht abhauen können"

Der Nebenklagevertreter hielt der Zeugin eine mutmaßliche Nachricht vor, die sie an Herrn P. geschrieben haben soll. Darin habe sie von Schlössern an den Fenstern, auch im Keller, berichtet – "damit die Kids nicht abhauen können".

An eine solche Nachricht könne sie sich jedoch nicht erinnern: "Das kann ich ja von außen gar nicht sehen, ob die Schlösser zu sind", erklärte die Zeugin.

Update, 10.35 Uhr: "Das habe ich zu 100 Prozent nicht gesagt"

Die Staatsanwaltschaft hakt nochmal nach und hält der Zeugin eine Aussage des ehemaligen LKA-Chefs vor, der behauptet haben soll, dass W. während des Einsatzes bei Frau Block eine verdeckte Waffe getragen habe.

Die Zeugin ist baff: "Das habe ich zu 100 Prozent nicht gesagt, weil ich auch gar keine Waffe getragen habe!"

Update, 10.20 Uhr: Trug die Zeugin eine Waffe?

Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft erklärte die Zeugin, dass es im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit gelegentlich vorkomme, dass sie eine Schusswaffe trage. Bei der Beauftragung im Zusammenhang mit der Familie Block sei dies jedoch nicht notwendig gewesen.

Es folgt eine kurze Pause bis 10.30 Uhr.

Update, 10.08 Uhr: Rechtsanwalt Kury wollte mit den Kindern wegfahren

Ihr Auftrag von P. sei es gewesen, im Haus abzuwarten, bis die Polizei eintreffe, und dafür zu sorgen, dass die Übergabe entsprechend ablaufe. Rechtsanwalt Kury habe sich jedoch nicht daran gehalten, sondern habe das Haus mit Theo und Klara verlassen und sei mit ihnen in seinem Auto davongefahren.

"Er ist etwa zehn bis 15 Meter gefahren und wurde dann von der Polizei abgefangen", so die Zeugin.

Update, 9.57 Uhr: Woher wusste die Zeugin, wann die Kinder kommen

Die Vorsitzende Richterin will wissen, woher die Information stammte, wann genau die Kinder am 2. Januar zurückkehren würden. Die Zeugin erklärte, sie habe erst zehn Minuten zuvor vom Angeklagten P. davon erfahren.

Dieser habe in Kontakt mit Eugen Block gestanden. Woher die Information ursprünglich gekommen sei, wisse sie jedoch nicht. Theo und Klara seien schließlich in einem grünen Viersitzer angekommen, der unmittelbar in die Garage gefahren sei. Später habe sie "eine von Frau Blocks Töchtern" noch einmal im Garten gesehen. Wie viele Kinder sich insgesamt im Haus aufgehalten haben, könne sie jedoch nicht genau sagen.

Der Auftrag habe am 5. Januar 2024 "relativ hektisch" geendet. Sie habe einen Anruf des ehemaligen LKA-Chefs erhalten, der sie darüber informiert habe, dass die Polizei kommen werde, um die Kinder abzuholen.

Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt am 30. Verhandlungstag.
Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt am 30. Verhandlungstag.  © Marcus Brandt/dpa

Update, 9.49 Uhr: "Welcher Innenminister?"

Herr P. habe im Rahmen der Beauftragung zugesichert, dass das Hauptziel darin bestand, die Presse fernzuhalten. "Und man fragt sich natürlich, warum so viel Presse erwartet wird", so die Zeugin. P. habe daraufhin erklärt, man sei davon ausgegangen, dass die Kinder von Frau Block nach Hause zurückkehren würden: "So hieß es damals", so die Zeugin.

Zudem hätten Rechtsanwalt Kury sowie der Innenminister bestätigt, dass das Aufenthaltsbestimmungsrecht bei Frau Block liege. Die Vorsitzende Richterin hakte nach: "Das verstehe ich nicht – welcher Innenminister?"

Die Zeugin: "Mir wurde gesagt, dass der Innenminister Kenntnis darüber habe, dass die Kinder zurückkommen. Verstanden habe ich das damals auch nicht", so die Zeugin.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

Mehr zum Thema Block-Prozess: