Block-Prozess: Zeugin spricht von "aktiver Entfremdung der Kinder"

Hamburg - Nach einem Kurztermin wenige Tage vor Weihnachten wurde am Donnerstag der Prozess wegen Kindesentführung gegen Unternehmerin Christina Block (52) fortgesetzt. Am 28. Verhandlungstag sagten zwei ehemalige Mitarbeiterinnen des Jugendamtes aus. TAG24 war vor Ort und berichtete in einem Liveblog.

Christina Block (52) wird vorgeworfen, die Entführung ihrer Kinder Theo und Klara in Auftrag gegeben zu haben. Diesen Vorwurf wies sie jüngst am heutigen Donnerstag erneut zurück.
Christina Block (52) wird vorgeworfen, die Entführung ihrer Kinder Theo und Klara in Auftrag gegeben zu haben. Diesen Vorwurf wies sie jüngst am heutigen Donnerstag erneut zurück.  © Georg Wendt/dpa

Am 28. Verhandlungstag wurde durch die Zeugin W. erstmals bestätigt, was zuvor lediglich als Behauptung der Verteidigung im Raum gestanden hatte.

Nach der Einschätzung einer ehemaligen Mitarbeiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) bestand zum Zeitpunkt der Kindesentziehung durch Stephan Hensel (51) im Sommer 2021 eine "akute Kindeswohlgefährdung" für Klara und Theo.

Zudem sei man im weiteren Verlauf von einer "aktiven Entfremdung der Kinder" durch den Vater ausgegangen.

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Eine weitere Zeugin, die Theo und Klara am 3. und 4. Januar 2024 im Haus ihrer Mutter besucht hatte, schilderte, sie sei überrascht gewesen, wie "normal" die Kinder angesichts der im Raum stehenden Entführung auf sie gewirkt hätten.

Gespräche mit den Kindern habe die Zeugin jedoch nicht geführt, ebenso wenig habe sie mit Christina Block über die Entführung gesprochen. Dafür sei aus ihrer Sicht das Landeskriminalamt zuständig gewesen.

Christina Block betonte in ihrer heutigen Stellungnahme erneut, sie hätte "so etwas Überstürztes wie in der Silvesternacht" niemals in Auftrag gegeben.

Update, 15.59 Uhr: Anwalt von Frau Blocks Cousine stellt Antrag

Die Befragung von Frau B. ist beendet. Anschließend gibt Rechtsanwalt Daum, Verteidiger der angeklagten Cousine von Christina Block, eine Stellungnahme ab.

Er beantragt für seine Mandantin, im Sinne eines fairen und transparenten Verfahrens, umfassend darüber informiert zu werden, was ihr von der Staatsanwaltschaft in allen Einzelheiten konkret vorgeworfen wird. Bis zum heutigen Tag sei dies in nicht geschehen.

Der Prozess wird am Dienstag, 13. Januar, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Update, 15 Uhr: "Die Kinder waren gerade im Ankommen"

Die Staatsanwältin hakte nochmal nach, ob die Entführung selbst Thema gewesen sei. Zeugin B. erklärte, dass aus ihrer Sicht für die Aufklärung der Entführung das LKA zuständig ist.

Christina Block habe sich dazu nicht geäußert, sondern lediglich davon gesprochen, "dass die Kinder gerade im Ankommen sind". Die Frage einer möglichen Entführung habe sie mit der Unternehmerin "nicht weiter konkretisiert".

Daraufhin hakte die Staatsanwältin weiter nach und wollte wissen, ob die Frage, ob Christina Block die Entführung der Kinder veranlasst habe oder nicht, nicht auch für den ASD entscheidend sei, um eine mögliche Kindeswohlgefährdung durch die Mutter einschätzen zu können. Darauf folgte eine Diskussion über die Zulässigkeit der Frage.

Die Vorsitzende Richterin erklärte die Frage schließlich für zulässig. Die Zeugin antwortete jedoch erneut ausweichend und erklärte, sie habe zu diesem Zeitpunkt "gar keine Einschätzung" treffen können. Wiederholt betonte sie, dass sie das LKA für die zuständige Stelle gehalten habe.

Sie sei jedoch überrascht gewesen, wie "normal" die Kinder sich in Tatsache der im Raum stehenden Entführung in ihren Augen verhalten hätten.

Es folgt eine kurze Pause.

Update, 14.33 Uhr: Die Entführung sei kein Thema gewesen

Am folgenden Tag besuchten die Sozialpädagoginnen erneut das Haus von Christina Block. Die Kinder hielten sich in der Küche auf und bereiteten gemeinsam einen Nachmittagssnack zu.

Die Situation habe ruhig und alltäglich gewirkt, schilderte die Zeugin Sabine B. Während ihre Kollegin mit den Kindern sprach, führte B. das Elterngespräch mit Christina Block. Kurz darauf sei auch ein Kinderpsychologe hinzugekommen, der für die Unternehmerin bereits ein Gutachten zum Thema Entfremdung erstellt hatte.

Block habe ihr berichtet, sie habe den Kindern erlaubt, in den Garten zu gehen, ohne dass denen bewusst gewesen sei, dass das Haus von einer Sicherheitsfirma bewacht wurde.

Theo habe während des Gesprächs mehrfach den Kontakt zu seiner Mutter gesucht, auf den diese "freundlich und zugewandt" reagiert habe. Zudem habe Christina Block erklärt, die Unterstützung des Jugendamtes annehmen zu wollen.

Auf die Frage der Richterin, ob die im Raum stehende Entführung thematisiert worden sei, antwortete B., sie habe sich vor allem einen Eindruck davon verschaffen wollen, wie es den Kindern aktuell gehe.

Update, 14.20 Uhr: Die nächste Zeugin sagt aus

Als nächste Zeugin sagt Frau B. (46), Sozialpädagogin und ehemalige Mitarbeiterin der Wiedereingliederungshilfe des Hamburger Jugendamtes, aus. Sie und eine Kollegin hatten Theo und Klara drei Tage nach der Silvesternacht bei Frau Block Zuhause besucht, nachdem Herr Hensel das Jugendamt "aufgeregt" angerufen und über die Entführung informiert hatte.

Die Kinder hätten ruhig und unauffällig im Untergeschoss gesessen und gemeinsam mit ihrer Schwester Greta ein Videospiel gespielt. Frau Block sei zunächst zögerlich gewesen und habe erklärt, die Kinder bräuchten Ruhe. Weswegen ein weiterer Besuch sei für den nächsten Tag vereinbart worden sei.

Update, 14.10 Uhr: Frau Block bestreitet erneut, die Entführung in Auftrag gegeben zu haben

Jetzt äußert sich auch Frau Block selbst zur Zeugenaussage von Frau W. Sie betont, dass das Gespräch mit Johanna im August 2021 für sie besonders emotional war. Für sie waren die Probleme mit ihrer ältesten Tochter "Teenager Diskrepanzen": "Sie wollte länger ausgehen, Alkohol trinken und die Pille nehmen."

"Für mich war der vorübergehende Wegzug von Johannes zunächst nur eine kurze Pause, nichts Dauerhaftes. Erst danach habe ich realisiert, wie sehr Stephan sich darüber triumphierend gefreut hat", so die Unternehmerin.

Danach sei sie wie kurz darauf auch Klara und Theo "wie weggesperrt" gewesen. "Sie sind weggesperrt", so Block. Für sie haben ihre Kinder durch ihren Vater eine schwere psychische Belastung erlebt. "Ich war mir der Gefahr bewusst und habe mich deshalb stets bemüht, herauszufinden, wie ich meine Kinder in Sicherheit bringen kann [...] Auch David B. sollte genau das tun: Informationen beschaffen, vermitteln, verhandeln. Ich habe immer den Rechtsstaat um Hilfe gebeten."

Frau Block unterstreicht, dass sie alles darangesetzt habe, die Kinder mit größtmöglichem Schutz zurück nach Hause zu holen: "So etwas Überstürztes wie in der Silvesternacht hätte ich aber nie in Auftrag gegeben, zum Schutz meiner Kinder wäre ich immer dabei gewesen."

Update, 13.55 Uhr: Dr. Voß wendet sich an Sachverständige

Der Anwalt des mitangeklagten Familienanwalts Dr. Andreas C., Dr. Voß, betonte in seiner Stellungnahme, dass die vom Gericht beauftragte Sachverständige in ihrem Gutachten natürlich die seelischen Folgen der Entführung für Theo und Klara beurteilen soll, dabei jedoch auch den psychischen Zustand der Kinder berücksichtigen müsse, in dem sie sich vor der Entführung in der Silvesternacht 23/24 befanden.

Rechtsanwältin Gül Pinar, Verteidigerin des angeklagten Sicherheitschefs, betonte, dass mit der Aussage von W. endgültig klar sei, wer "die Ursache für diese menschliche Tragödie" ist.

Update, 13.38 Uhr: "Selbstjustiz ist hier die Überschrift dieses Verfahrens"

Mit ein paar Minuten Verspätung wird der Prozess fortgesetzt. Es folgen Stellungnahmen der Verteidiger zu der Zeugenbefragung der Frau W.

Ingo Bott bezeichnete die Aussage der ehemaligen ASD-Mitarbeiterin als "lehrreich für den Gegenstand dieses Verfahren". Besonders hebt der Block-Anwalt hervor, dass die im Prozess aufgebrachten Vorwürfe Stephan Hensels "völlig distanzlos" seien. Gewalt- oder Verwahrlosungsvorwürfe gegen Christina Block seien beim ASD vor dem Sommer 2021 nie Thema gewesen. Ansonsten wäre es ihre Pflicht gewesen, diesen Vorwürfen sofort nachzugehen, wiederholt Bott Ws. Aussage.

Darüber hinaus betonte Bott, dass die Kinder bis heute "wie in einer Black Box verschwunden" seien: "Das Geschehen im August 2021 kam völlig unerwartet. Das ha Frau W. heute bestätigt."

Den Konflikt zwischen Johanna und ihrer Mutter beschrieb Bott als typische "Teenager-Probleme", die vom Vater unnötig aufgebauscht worden seien: "Selbstjustiz ist hier die Überschrift dieses Verfahrens", so der Verteidiger.

Update, 12.05 Uhr: Mittagspause

Herr Hensel habe Frau W. gegenüber nie dargelegt, dass er oder die Kinder eine Rückführung unter Zwang durch die Mutter oder Dritte befürchten, so die Zeugin auf Nachfrage des Anwalts des Angeklagten Tal S. (35).

Stattdessen habe Herr Hensel durchgehend eine ablehnende Haltung gezeigt und jeden Kontakt des Hamburger Helfersystems zu den Kindern verhindert. Nach der Einschätzung eines für die Interessen der Kinder eingesetzten Umgangshelfers habe er dabei die Bedürfnisse der Kinder vollständig aus dem Blick verloren und ausschließlich auf der Beziehungsebene gehandelt.

Die Befragung der Zeugin ist beendet. Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.30 Uhr.

Update, 11.45 Uhr: Es geht erneut um die Gewaltvorwürfe gegen Christina Block

Auf Nachfrage von Dr. Voß, dem Anwalt des mitangeklagten Familienanwalts Andreas C., erinnerte sich W. an eine ihrer früheren Einschätzungen, die sie auch vor dem Familiengericht geäußert hatte. Dabei ging es erneut um die Gewaltvorwürfe gegen Christina Block.

W. bezeichnete die Vorwürfe als "konstruiert", die Geschehnisse würden vom Vater übertrieben und nicht korrekt wiedergegeben, beispielsweise der Vorwurf, dass Sohn Theo nachts allein auf dem Friedhof Ohlsdorf ausgesetzt worden sei.

Nicht die Mutter, sondern der Vater gefährde das Kindeswohl, schrieb die Familientherapeutin im Januar 2022 an das Gericht: "Die bewusste Entfremdung und Abschottung der Kinder stellt eine Gefährdung dar", so die Zeugin.

Es folgt aufgrund von technischer Probleme erneut eine Pause.

Christina Block am Donnerstag vor dem Hamburger Landgericht.
Christina Block am Donnerstag vor dem Hamburger Landgericht.  © Marcus Brandt/dpa

Update, 11.15 Uhr: Block hatte Sorge vor einem "erweiterten Suizid"

Zudem soll im Zusammenhang mit Hensel der Begriff "dämonisiert" gefallen sein. Ab einem bestimmten Zeitpunkt habe er sich geweigert, die Kinder nach Hamburg zu bringen. Zur Begründung habe er angegeben, dass dann die Entscheidung des Oberlandgerichts, die Kinder sollen zurück zur Mutter, vollzogen hätte werden können.

Zwar hatten die dänischen Behörden das Urteil des Hamburger Oberlandesgerichts anerkannt – "Sie wollten es jedoch nicht vollstrecken", so W., die sich auf Nachfrage von Bott auch an die Sorge Christina Blocks vor einem "erweiterten Suizid" erinnerte. "Meine Einschätzung war damals, dass diese Sorge unbegründet war", so die Zeugin.

Es folgt eine zehnminütige Pause.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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