Block-Prozess: Gerhard Delling wechselte "vom Zeugen zum Beschuldigten"
Hamburg - Nachdem der letzte Prozesstag streikbedingt ausfallen musste, wird der Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block (52) am Montag fortgesetzt. Am 44. Verhandlungstag steht erneut die Befragung einer Kriminalbeamtin im Mittelpunkt. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveticker.
11.40 Uhr: Landkarten werden an die Wand geworfen
Die Richterin nimmt gemeinsam mit der Zeugin mehrere Landkarten in Augenschein. Im Fokus stehen dabei die Daten des Navigationssystems eines der Fluchtautos (ein Citroën), das sich demnach bereits am 29. Dezember 2023 in der Nähe des Tatorts sowie des Wohnorts der Familie Hensel im dänischen Gråsten aufgehalten haben soll.
Das Fahrzeug hatte Tal S. unter seinem echten Namen bei einer deutschen Autovermietung angemietet.
11.30 Uhr: Es geht weiter
Nun geht es um Orte, die die Ermittler unter anderem im Handy von Tal S. fanden und im Zusammenhang mit der Entführung überprüften und mit weiteren Erkenntnissen abglichen.
Dazu zählen mehrere Waldstücke sowie der Bereich, in dem die Entführer mit den Kindern mutmaßlich die deutsch-dänische Grenze überquert haben sollen.
Dabei spielten auch die Daten von Theos Notfallknopf eine Rolle, der bereits zum ersten Mal im Fluchtauto des einzigen Sohnes von Block und Hensel ausgelöst worden sein soll.
11.17 Uhr: Pause aufgrund von technischen Problemen
Im November 2024 kam es schließlich zur Auslieferung von Tal S. (36), der bei der Einreise in Zypern gestoppt worden war.
Tal S. habe sich dabei nach Angaben der Zeugin bereits während der Auslieferung als "sehr freundlich und kooperativ "gezeigt und unter anderem sofort die Codes seiner beiden Handys zur Verfügung gestellt. Noch im Flugzeug habe er ihr gegenüber erklärt, er habe keine Kinder entführt, sondern lediglich Urlaub in Deutschland gemacht und Tagesausflüge nach Dänemark unternommen.
Aufgrund von technischen Problemen wird der Prozess kurzzeitg unterbrochen.
11.10 Uhr: Gerhard Delling wechselte "vom Zeugen zum Beschuldigten"
Die Zeugin schildert weiter, wie im Verlauf der Ermittlungen unterschiedliche Personen in den Kreis der Beschuldigten aufgenommen wurden. Der Lebensgefährte von Frau Block, Gerhard Delling (66), sei nach Auswertung eines Mobiltelefons vom "Zeugen zum Beschuldigten gewechselt". Im Zuge der erweiterten Handy-Auswertung sei auch der angeklagte Sicherheitsunternehmer ins Visier der Ermittler geraten.
Auch Eugen Block sei zeitweise als Beschuldigter geführt worden, ebenso wie dessen zweitältester Sohn. Klara habe beide in einer ergänzenden Aussage im Juni 2024 belastet.
Zudem sei eine Hotelmitarbeiterin aufgrund "verdächtiger Buchungen" ins Blickfeld geraten, da die Israelis unter falschen Namen im "Grand Elysée"-Hotel eingecheckt worden. Im Rahmen der Auswertung des Handys der Mitarbeiterin sei dann auch schließlich auch der Familienanwalt Dr. Andreas C. als Beschuldigter geführt worden.
11 Uhr: Zeugin spricht vom "Seelenfrieden" von Stephan Hensel
Die Richterin geht noch auf die Aussage der Zeugin ein, Stephan Hensel habe zusammen mit seinen Kindern eigene Recherchen unter anderem zum Alpakahof angestellt habe.
10.40 Uhr: Ermittlerin fand zwei unterschiedliche Ohrringe im Matsch
Dank der Schilderungen Klaras sei es im weiteren Verlauf zu mehreren Beschuldigten gekommen. Darunter auch die Cousine ihrer Frau Block, die die Kinder mit ihrer Mutter das letzte Stück nach Hause gefahren haben soll.
Kurz darauf seien zudem David B., der auf dem Alpakahof gemeldet gewesen sein soll, auf dem die Kinder nach der Entführung zunächst untergebracht worden seien, sowie weitere israelische Beteiligte zunächst als Beschuldigte geführt worden.
Im Februar 2024 habe die Zeugin nach den Angaben Klaras ein Waldstück an der deutsch-dänischen Grenze durchsucht und dabei zwei unterschiedliche Ohrringe im Matsch gefunden. Die passenden Gegenstücke seien später bei Klara in Dänemark aufgefunden worden. Die Entführer sollen die Kinder aufgefordert, ihre Taschen zu leeren, weshalb die Ohrringe nicht zusammengehört hätten.
Ursprünglich sei zudem nach einer Kette gesucht worden, die Klara von den Entführern vom Hals gerissen worden sein soll.
Es folgt eine zehnminütige Unterbrechung.
10.30 Uhr: Maskierten Männer, Alpakas und Wohnmobile
Danach hätten alle fünf im Verhörraum "gequetscht" auf zwei Stühlen gesessen. Die Zeugin habe die Kinder – mit Zustimmung von Herrn Hensel – noch zu den Geschehnissen befragen wollen, woraufhin Klara mit "wahnsinniger Geschwindigkeit" zu erzählen begonnen habe: von maskierten Männern, Alpakas und Wohnmobilen, so die Zeugin.
So schnell, dass die Beamtin den bereits bereitgelegten Stift und Zettel wieder beiseitegelegt und gefragt habe, ob man nicht doch kurzfristig eine Vernehmung der Kinder auf Tonband durchführen könne. Dies sei dann auch geschehen, bevor die Familie schließlich an die dänische Polizei übergeben worden sei.
Frau Block verfolgt die Schilderungen der Zeugin aufmerksam. Stephan Hensel ist heute nicht anwesend; als Nebenkläger ist er nicht verpflichtet, an allen Prozesstagen teilzunehmen.
10.20 Uhr: Kinder und Hensel sollen "fürchterlich geweint" haben
Die Zeugin habe auch die Übergabe der Kinder am 5. Januar 2024 betreut. Vorausgegangen sei ein Beschluss, der ihr von Hensel-Anwalt Philip von der Meden mitgeteilt worden sei und der festlegte, dass das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht nun beim Vater liege.
Sie habe die Kinder auf dem Parkplatz der Wache entgegengenommen, übergeben worden seien sie durch den damaligen Anwalt von Frau Block, Dr. Otmar Kury. Dabei habe sie Klara bereits vom 3. Januar 2024 wiedererkannt, Theo hingegen habe zunächst gar nicht reagiert: "Ich hatte das Gefühl, er ist gar nicht da", so die Zeugin.
Als sie den Kindern erklärt habe, es gehe nun zu ihrem Vater, habe Klara gefragt: "Oh, also geht es meinem Papa gut?" Da sei ihr klar geworden, dass die Kinder bis dahin offenbar nicht wussten, wie es ihrem Vater geht.
Theo habe weiterhin kaum reagiert. Erst als die Beamtin erwähnt habe, dass seine große Schwester und die neue Frau Hensels, Astrid H., ebenfalls da seien, habe er "gelächelt und sich gefreut".
Anschließend seien die Kinder zu den drei Wartenden "gestürmt". Alle fünf seien sich in die Arme gefallen und hätten "fürchterlich angefangen zu weinen", ohne wieder damit aufzuhören. Die Beamtin habe daraufhin den Raum für etwa fünf bis zehn Minuten verlassen.
10.05 Uhr: Block: "Ich mache eine Rückführung, er macht eine Entführung!"
Im anschließenden Gespräch mit Frau Block habe die Zeugin diese darüber belehrt, dass ein Ermittlungsverfahren wegen Entziehung Minderjähriger gegen sie eingeleitet worden sei.
Daraufhin habe Frau Block entgegnet, sie könne eine Entziehung Minderjähriger gar nicht begehen, da das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht bei ihr liege. Zudem habe sie den Satz gesagt: "Ich mache eine Rückführung, er macht eine Entführung!" Diesen habe die Zeugin als so prägnant empfunden, dass sie ihn unmittelbar nach dem Gespräch in ihr MacBook eingetragen habe, um den genauen Wortlaut nicht zu vergessen.
Im Sommer 2021 hatte Stephan Hensel die jüngsten Block-Kinder nach einem Umgangswochenende in Dänemark nicht zurückgebracht.
Block-Anwalt Ingo Bott legte gegen die Verwertung dieser Aussage Widerspruch ein, da die Vernehmung in einer "Verunglimpfungssituation" erfolgt sei.
10 Uhr: Zeugin: "Ich fand das unheimlich"
Bei dem Besuch habe sich Frau Block – wie bereits mehrere Zeugen ausgesagt hatten – zunächst geweigert, den Beamten Zutritt zum Haus zu gewähren. Die Kinder bräuchten Ruhe, hieß es laut der Zeugin. Schließlich habe man sie jedoch davon überzeugen können, sich zumindest ein Bild davon zu machen, ob es den Kindern augenscheinlich gut gehe.
Frau Block habe daraufhin erklärt, man dürfe nachsehen, jedoch nicht mit den Kindern sprechen. "Ich fand das unheimlich, wenn zwei fremde Frauen hereinkommen und gar nichts sagen", so die Zeugin, die deshalb darauf bestand, sich den Kindern vorzustellen. Dem sei sie dann auch nachgekommen und habe drei Kinder angetroffen, die im Keller auf einem Sofa ein Computerspiel spielten und kaum Notiz von ihr nahmen.
9.58 Uhr: Stephan Hensel hatte wenig Vertrauen in die deutschen Behörden
Bereits am 2. Januar sei sie von einer Kollegin angerufen worden, die sich nach dem Stand im Sorgerechtsstreit zwischen Stephan Hensel (51) und Christian Block (52) erkundigt habe. Sie habe bereits das erste Sorgerechtsverfahren im August 2021 bearbeitet; zudem habe Herr Hensel ihr wiederholt entsprechende Beschlüsse übersandt.
Am 3. Januar 2024 habe sie kurz mit einem "sehr aufgebrachten" Stephan Hensel telefoniert, der wenig Vertrauen in die deutschen Behörden gezeigt habe. Zu diesem Zeitpunkt sei die Polizei bereits davon ausgegangen, dass sich die Kinder bei Frau Block befanden; ein Foto habe sie mit den beiden Kindern gezeigt.
"Am 3. Januar haben wir alle aus der Zeitung erfahren, dass die Kinder bei Frau Block sind", so die Zeugin. Daraufhin habe sie Kontakt zum Jugendamt aufgenommen. Am frühen Abend seien drei Polizeibeamte und zwei Mitarbeiter des Jugendamts zu Frau Block gefahren.
9.52 Uhr: Zeugenbefragung beginnt
Die Zeugenbefragung der Kriminalbeamtin Merle B. (44), die am 3. Januar 2024 in das Verfahren eingestiegen ist, beginnt.
9.45 Uhr: Beweiswert würde "massiv herabgesetzt" werden
Dr. Marko Voß, Anwalt des angeklagten Familienanwalts Andreas C., gab zu bedenken, dass allen klar sein müsse, dass Videovernehmungen der israelischen Zeugen den Beweiswert "massiv herabsetzen" würden.
9.40 Uhr: Israelische Zeugen dürfen per Video vernommen werden
Mit rund zehn Minuten Verspätung beginnt der 44. Verhandlungstag.
Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt gibt zu Beginn bekannt, dass die Bemühungen des Gerichts erfolgreich waren: Die israelischen Zeugen können, falls es ihnen aufgrund des Nahostkonflikts weiterhin nicht möglich sein sollte, aus Israel auszureisen, per Video vernommen werden.
Für folgende Prozesstermine im Mai sind unter anderem weitere Vernehmungen von David B. sowie Keren T. geplant.
9.19 Uhr: Wenig Andrang
Trotz der jüngsten Entwicklungen und einer möglichen Stellungnahme von Christina Block bleibt der Andrang vor Saal 237 auch am 44. Verhandlungstag gering.
Rund zehn Minuten vor Prozessbeginn ist der Zuschauerraum nur zu einem Drittel gefüllt.
9.10 Uhr: So geht es am Montag weiter
Wie das Gericht am Freitag mitteilte, wird die Zeugenbefragung der Polizeibeamten am Montag fortgesetzt. Für 9.30 Uhr ist eine weitere Hamburger Kriminalbeamtin als Zeugin geladen, die auch schon am vergangenen Dienstag als Zeugin geladen war.
Sie leitete die Ermittlungen unmittelbar nach der Entführung der jüngsten Block-Kinder in der Silvesternacht 2023/2024.
9 Uhr: Belastendes Material aufgetaucht
In der dreiwöchigen Prozesspause sind neue Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Polizei bekannt geworden. Im Fokus stehen dabei Aufnahmen von Überwachungskameras des Grand-Elysée-Hotels vom 28. Dezember 2023 – also drei Tage vor der Entführung der jüngsten Block-Kinder, die die Steakhouse-Erbin erneut belasten.
Diese sollen zeigen, dass die Unternehmerin das Hotel an diesem Tag mit einer weißen Tüte betrat und es rund 15 Minuten später ohne diese wieder verließ.
Nach Einschätzung der Ermittler passt dies zu den Aussagen mehrerer Zeugen, darunter David B. (68), Keren T. (die bislang noch nicht in die Hauptverhandlung eingeführt wurde) sowie des derzeit in U-Haft sitzenden Tal S. (36). Sie hatten von einem Treffen kurz vor der Entführung berichtet, bei dem Block den mutmaßlichen Entführern dafür gedankt haben soll, dass sie ihre Kinder zurückbringen. Zudem soll die Angeklagte selbst den Konferenzraum angemietet haben – auch das gehe aus neuen Ermittlungen hervor.
In diesem Zusammenhang soll Block Keren T. auch eine Tüte mit persönlichen Gegenständen übergeben haben, darunter ein Teddybär und ein Pullover, um den Kindern zu zeigen, dass es zurück zu ihrer Mutter geht und wieder erste Vertrautheit zu schaffen. Die Idee soll auf den Psychologen Stefan R. zurückgehen, der bereits als Zeuge ausgesagt hatte und einen Plan zur Rückführung der Kinder entwickelt haben soll.
Blocks Anwalt Ingo Bott (42) kündigte gegenüber dem "Spiegel" an, dass seine Mandantin sich vor Gericht zu den neuen Ermittlungen äußern wolle. "Die Einordnung dieser Dokumente wird das Verfahren fördern und dazu beitragen, dass sich das Dickicht sich widersprechender Äußerungen von möglicherweise stark eigeninteressengeleiteten Zeuginnen und Zeugen lichtet und erkennbar wird, was wann wirklich geschehen ist", so Bott, der bislang stets betont hatte, ein solches Treffen habe es nicht gegeben.
Update, 8.50 Uhr: Recap vom 43. Verhandlungstag
Am 43. Verhandlungstag hatte zunächst eine Nachbarin von Christina Block (52) ausgesagt: Mirjam D. (52) schilderte vor Gericht ihre Beobachtungen zum Umgang der Angeklagten mit ihren Kindern.
Sie berichtete unter anderem, dass Sohn Theo einmal bei starkem Regen barfuß vor dem Haus gestanden habe und nicht hereingelassen worden sei. Die Angeklagte widersprach dem entschieden und bezeichnete die Darstellung als "vollkommen absurd".
Ein Hamburger Kriminalbeamter sagte anschließend aus, dass die Angaben von Partner Gerhard Delling (66) am Tag nach der Entführung "nicht lebensnah" gewesen seien. So habe dieser weder den Aufenthaltsort der Angeklagten gekannt noch gewusst, wie man sie erreichen könne; zudem habe es "weitere Unstimmigkeiten" gegeben.
Titelfoto: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa