Mutmaßlicher Entführer im Block-Prozess: "Heute verstehe ich, dass das Ganze völlig illegal war"

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Hamburg - Im Mittelpunkt des 46. Prozesstages im Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block (52) stand die Zeugenbefragung eines weiteren mutmaßlichen Entführers. Der 35-jährige B. hat nach eigenen Angaben eines der Fluchtautos am 31. Dezember 2023 gefahren. TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveticker.

Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43). Der Steakhouse-Erbin wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden Kinder in Auftrag gegeben zu haben.
Christina Block (52) mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43). Der Steakhouse-Erbin wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden Kinder in Auftrag gegeben zu haben.  © Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

Bei zwei Treffen in Israel, unter anderem mit Keren T. und David B., sei ihm und seinem Freund, der Zeuge K., der Fall Block vorgestellt worden.

Die Richterin fragte: "Warum treffen Sie sich mit jemandem, wenn es heißt, das Thema sei Kinder zu retten, obwohl Sie Bauingenieur sind?"

Der Zeuge erklärt, er sei zum ersten Treffen mit Keren T. vor allem wegen eines Freundes und aus Neugier gegangen. Ihm sei vermittelt worden, es gehe darum, der Mutter und den Kindern zu helfen, die unter den "Misshandlungen" des Vaters, Stephan Hensel, gelitten haben sollen.

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Zudem sei ihm immer wieder versichert worden, dass die Aktion legal sei – zumindest in Deutschland, in Dänemark "habe es ein anderes Gesetz gegeben".

"Wenn in Dänemark etwas rechtlich verhindert ist – wie kann dann alles legal sein? Das verstehe ich nicht ganz", fragte die Richterin weiter. Der Zeuge gab daraufhin an, für ihn sei letztlich "der Status" von David B. entscheiden gewesen, der "als hochrangiger Mossad-Agent" vorgestellt worden sei. Er habe "viel Gutes für den Staat getan", und man habe ihm geglaubt.

Weiter betonte er: "Heute verstehe ich, dass das Ganze völlig illegal war. Damals war ich jedoch fest davon überzeugt, dass es das Richtige ist." Der Zeuge erklärte, er bereue seine Mitwirkung und wolle nun den Behörden bei der vollständigen Aufklärung helfen. "Ich bin kein Krimineller und kein Verbrecher", betonte B.

15.50 Uhr: Verhandlung ist zu Ende

Nach einem Antrag der Anwältin des angeklagten Sicherheitsbeamten, Gül Pinar, wurde die Hauptverhandlung für heute beendet. Sie wird am morgigen Dienstag um 9:30 Uhr fortgesetzt.

Die Anwältin beantragte, die Medienaufnahmen wenige Minuten vor Beginn der einzelnen Prozesstage künftig zu unterlassen und auch keine Tonübertragung mehr in einen gesonderten Medienraum zu ermöglichen.

Zur Begründung verwies sie darauf, dass die Pressefreiheit nach inzwischen mehr als 45 Hauptverhandlungstagen in einem Spannungsverhältnis zu den Interessen der Verfahrensbeteiligten stehe – unter anderem im Hinblick auf die Wahrung der Unschuldsvermutung.

Sie argumentierte weiter, der bisherige Ablauf mit Medienaufnahmen habe einen "unwürdigen Charakter" und die Unterlassung könne den Prozess sogar beschleunigen, da der Angeklagte Tal S. bereits zu Beginn der Sitzung im Saal anwesend sein könnte. Dieser wurde bislang regelmäßig erst nach den Medienaufnahmen in den Saal geführt.

15.15 Uhr: Zeuge berichtet von "Schreien von Angst und Schrecken"

Auf Nachfrage der Sachverständigen schilderte der Zeuge die unmittelbare Situation während der Entführung erneut. Die Kinder hätten "Schreie von Angst und Schrecken" ausgestoßen und außerdem gesehen, wie ihr Vater zu Boden ging.

Zuvor hätten der Vater und Kinder "wie eine Familie" zusammengestanden und das Feuerwerk beobachtet.

15.10 Uhr: Es gab keinen Plan B

Auf Nachfrage des Nebenklagevertreters, was passiert wäre, wenn die Kinder am 31. März 2023 nicht aus dem Haus gekommen wären, antwortete der Zeuge: "Dann wären wir nach Hause gefahren, es gab keinen Plan B."

15.04 Uhr: Es geht weiter

Der Nebenklagevertreter fragt weiter. Es geht um Unstimmigkeiten beim allerersten Treffen zwischen dem Zeugen, Keren T. und seinem Freund K. Laut aktueller Aussage seien nur diese drei anwesend gewesen. Gegenüber der Polizei hatte B. jedoch angegeben, dass noch zwei weitere Personen dabei gewesen seien.

14.49 Uhr: Der Zeuge braucht eine Pause

Während der Befragung durch den Nebenklagevertreter bittet die Anwältin des Zeugen erneut um eine Unterbrechung. Es folgt eine zehnminütige Pause.

14.38 Uhr: Staatsanwältin: "Herr Bott, anders als Sie versuche ich hier, die Wahrheit zu finden!"

Die Kammer hat keine weiteren Fragen. Die Staatsanwältin hakt nach, wie genau der Zeuge das Treffen mit Christina Block im Hotel erinnere – insbesondere vor dem Hintergrund, dass er ausgesagt hatte, sie habe von ihrer "sehr kranken Mutter" gesprochen, obwohl diese zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war. Der Zeuge erklärt: "Ich habe keine genauen Erinnerungen mehr daran."

Als die Staatsanwältin weiter nachfragt, beanstandet Verteidiger Bott die Frage als Wiederholung. Die Staatsanwältin entgegnet, sie habe ein Interesse daran, den Widerspruch aufzuklären, da es aus ihrer Sicht unwahrscheinlich sei, dass Block dies so gesagt habe.

Daraufhin wirft Bott ihr vor, sie würden Widersprüche offenbar nicht stören. Staatsanwältin Paul reagiert: "Herr Bott, anders als Sie versuche ich hier, die Wahrheit zu finden!"

14.21 Uhr: Zeuge berichtet von Drohung vor Aussage

Die Richterin will wissen, ob der Zeuge Probleme damit gehabt habe, vor Gericht aussagen zu wollen. Dieser gibt an, bereits im September Kontakt zu seinem Rechtsanwalt aufgenommen zu haben. Daraufhin habe Keren T. ihm über die App "Signal" eine "indirekte Drohung" geschickt: "Sie ging nicht ins Detail, sie sagte nur: 'Es wird nicht gut gehen, wenn du es tust'."

Sein Anwalt habe ihm daraufhin geraten, "Signal" zu löschen und die Gruppe zu meiden. Daran habe er sich gehalten. Kontakt habe er seitdem nur noch zu seinem Freund und weiteren Zeugen K., dem weiteren Fahrer: "Wir haben es beide so bereut, da mitzumachen. Es war falsch!"

Der Zeuge B. am 46. Prozesstag. Er hat nach eigenen Angaben eines der Fluchtautos gefahren.
Der Zeuge B. am 46. Prozesstag. Er hat nach eigenen Angaben eines der Fluchtautos gefahren.  © Christian Charisius/dpa

14.17 Uhr: Die Richterin konfrontiert den Zeugen mit Widersprüchen

Die Richterin konfrontiert den Zeugen mit Widersprüchen zwischen seiner polizeilichen Vernehmung und seinen Aussagen vor Gericht. Bei der Polizei hatte er angegeben, die Kinder seien nicht gefesselt gewesen.

Nun erklärt er jedoch, ein weiteres Mitglied des Teams – das Ex-GNTM-Model Jonathan C. (34) – habe ihm berichtet, beide Kinder seien auf jeden Fall gefesselt gewesen, "damit sie keinen Widerstand leisten". Die Anwältin des Angeklagten wirft ein, es habe Schwierigkeiten mit dem Dolmetscher bei der polizeilichen Vernehmung gegeben.

Der Zeuge führt weiter aus, er habe Jonathan C. nach der Entführung noch einmal in Israel getroffen. Dieser habe ihm alles "genau beschrieben", wie die Entführung abgelaufen sei. C. selbst sei dabei von einem Polizeihund gebissen worden.

Das Model soll bereits in Israel Teil des Teams der mutmaßlichen Entführer gewesen sein.

14.03 Uhr: Kinder wollten ihre Mutter nicht "akzeptieren"

Jetzt geht es noch einmal um die Geschehnisse auf dem Hof in Süddeutschland. Dort soll Christina Block dem Team gedankt haben, nachdem die Kinder zurückgebracht worden seien.

"Sie wollte alle unsere Namen wissen und fragte, wie es uns geht", so B. Bei der Polizei habe der Zeuge zudem ausgesagt, die Unternehmerin habe angeboten, Wünsche zu erfüllen. Er erinnere sich jedoch nicht daran, einen Wunsch geäußert zu haben.

Der Zeuge berichtet weiter, die Kinder hätten ihre Mutter zunächst nicht "akzeptieren" wollen. Sie hätten geschrien und geweint. Block habe daraufhin frustriert den Raum verlassen. Am nächsten Tag sei es dann jedoch besser gewesen: "Die Kinder waren leise."

Zudem erklärt er, Tal S. sei der einzige aus dem Team gewesen, der das Zimmer der Kinder habe betreten dürfen. Dieser habe auch mehrfach mit Block und ihren jüngsten Kindern gesprochen.

13.55 Uhr: Zeuge hört Polizeisirenen: "Das fand ich seltsam"

Die Richterin geht noch einmal auf den "falsch" verlaufenen Plan ein. Der Zeuge wiederholt, die Flucht durch den Wald mit den Kindern zu Fuß zum Treffpunkt an der Grenze sei nicht geplant gewesen; eigentlich habe man "normal" mit den Kindern über die Grenze fahren wollen.

Während ein Teil der Entführer mit den Kindern durch den Wald gegangen sei, sei er auf Anweisung von David B. zurück zum Treffpunkt gefahren. Der "Chef-Entführer" sei ihm in einem weiteren Fluchtauto gefolgt. Am Treffpunkt an der Grenze, wo das Wohnmobil wartete, habe er dann Polizeisirenen und Hunde gehört.

"Das fand ich seltsam, es sollte doch alles mit den Behörden geklärt sei", so der Zeuge. Er habe David B. damit konfrontiert, woraufhin dieser nur geschwiegen habe. Irgendwann habe dieser gesagt, er solle das Auto nehmen und zurück zum Hotel fahren.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

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