Joshiko Saibou: Sein Anwalt sieht Kündigung wegen Corona nur als Vorwand

Bonn – Im Rechtsstreit zwischen dem Basketball-Nationalspieler Joshiko Saibou und dem Bundesligisten Telekom Baskets Bonn hat Saibous Anwalt eine Vermutung geäußert. So sollen hinter den Corona-Vorwürfen des Vereins noch andere Beweggründe für die Kündigung des Basketball-Profis stecken.

Basketballspieler Joshiko Saibou (30, l.) und sein Rechtsanwalt Marc V. Kramer warten im Arbeitsgericht auf den Beginn des Gütetermins. Der Bonner Bundesligist Telekom Baskets hatte sich von dem Spieler getrennt, weil er an einer Großdemonstration gegen die Anti-Coronamaßnahmen teilgenommen hatte.
Basketballspieler Joshiko Saibou (30, l.) und sein Rechtsanwalt Marc V. Kramer warten im Arbeitsgericht auf den Beginn des Gütetermins. Der Bonner Bundesligist Telekom Baskets hatte sich von dem Spieler getrennt, weil er an einer Großdemonstration gegen die Anti-Coronamaßnahmen teilgenommen hatte.  © Roberto Pfeil/dpa

Bei der Begründung der TBB handelt es sich laut Anwalt Michael Plössner nur um ein vorgeschobenes Argument.

"Es gab vor einiger Zeit schon eine Anfrage, ob er nicht woanders spielen möchte, weil er sehr teuer sei", erklärte Melzer. "Das sind unser Ansicht nach die Beweggründe."

Bonns Anwalt argumentierte, dass der Verein in Sachen Corona eine Vorgeschichte habe, weil es auf der Geschäftsstelle fünf Infizierte gegeben habe. Eine Mitarbeiterin habe sogar beatmet werden müssen.

Saibou hatte angekündigt, rechtlich gegen seine Kündigung vorzugehen. Bei einem Gütetermin am vergangenen Mittwoch konnten sich die Streitparteien jedoch nicht einigen.

Nun soll an einem sogenannten Kammertermin am 11. November (14 Uhr) erneut verhandelt werden. Dort kann ein Urteil gefällt werden. Auch ein zweiter Kammertermin oder eine frühere außergerichtliche Einigung sind möglich.

Joshiko Saibou bleibt weiterhin freigestellt

Basketballspieler Joshiko Saibou (30) und seine Freundin, die Weitspringerin Alexandra Wester (26), kommen ins Arbeitsgericht zu einem Gütetermin.
Basketballspieler Joshiko Saibou (30) und seine Freundin, die Weitspringerin Alexandra Wester (26), kommen ins Arbeitsgericht zu einem Gütetermin.  © Roberto Pfeil/dpa

Die Freistellung Saibou bleibt derweil bestehen. "Wir sind sowieso davon ausgegangen, dass kein Interesse besteht, ihn zu beschäftigen", sagte sein Anwalt.

Sein Mandant könne zudem seine Chancen auf sportliche Einsätze realistisch einschätzen. Allerdings werde die Suche nach einem neuen Club deutlich erschwert, weil er als infektionsbereit "gebrandmarkt" sei.

Der Verein hatte über seinen Anwalt Michael Plössner eine Abfindung von "drei bis vier Brutto-Monatsgehältern" vorgeschlagen. Das lehnte Saibous Vertreter Georg Melzer am Mittwoch ab.

"Das ist kein Betrag, den wir ihm empfehlen können", sagte er. Stattdessen forderte der Anwalt für seinen Mandanten eine Fortzahlung bis zum Vertragsende im Juni 2021, auch unter Einbindung einer sogenannten Sprinterklausel. Danach könnte man sich einigen, sofern der Spieler früher eine Anstellung bei einem anderen Verein finden würde.

Die Baskets hatten dem 30 Jahre alten Profi Saibou wegen "Verstößen gegen Vorgaben des laufenden Arbeitsvertrags als Profisportler" fristlos gekündigt. Dieser hatte wie seine Freundin Wester an einer Demonstration gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Berlin teilgenommen.

Titelfoto: Roberto Pfeil/dpa

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