Beamte bei Anti-Kriegs-Demo in Köln verletzt: Polizei setzt nach Angriffen Schlagstöcke ein

Von Christoph Driessen, Arne Meyer, Bettina Grachtrup, Laura Heide, Laura Miemczyk

Köln - Hunderte Menschen haben sich an einem Antikriegs-Marsch durch die Kölner Innenstadt beteiligt. Am Rande der Demonstration kam es am Abend zu Konflikten zwischen der Polizei und Teilnehmern der Demo.

Am Rande der Anti-Kriegs-Demonstration in Köln kam es am Abend zu Konflikten mit der Polizei.
Am Rande der Anti-Kriegs-Demonstration in Köln kam es am Abend zu Konflikten mit der Polizei.  © Henning Kaiser/dpa

Ein Sprecher der Demonstranten berichtete, die Polizei habe Menschen eingekesselt. Es gebe 40 bis 60 Verletzte, die nicht ins Krankenhaus gelassen würden.

Dagegen sagte ein Polizeisprecher, Demonstranten hätten die Beamten angegriffen und berichteten von 13 verletzten Polizistinnen und Polizisten, von denen vier den Dienst verletzungsbedingt beenden mussten.

"Medizinische Hilfe wird da, wo sie erforderlich ist, mit Sicherheit zugänglich gemacht", betonte der Polizeisprecher darüber hinaus.

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Die Demonstration wurde von einem großen Polizeiaufgebot begleitet. Einige Teilnehmer seien aufgefordert worden, ihre Vermummung abzulegen, erklärte eine Sprecherin der Beamten. Zudem seien Rauchtöpfe gezündet worden. In einem Begleitfahrzeug der Demonstranten fanden die Einsatzkräfte neben Pyrotechnik auch Brennspiritus sowie Gasflaschen.

Polizei konnte Einsatz erst gegen 5 Uhr am Sonntagmorgen beenden

Ob es auch Verletzte aufseiten der Demonstranten gebe, war zunächst unklar. Die Polizei berichtete hingegen von 13 verletzten Beamtinnen und Beamten.
Ob es auch Verletzte aufseiten der Demonstranten gebe, war zunächst unklar. Die Polizei berichtete hingegen von 13 verletzten Beamtinnen und Beamten.  © Sascha Thelen/dpa

Zur Unterbindung der Angriffe auf Einsatzkräfte durch die Demonstranten habe die Polizei eigenen Angaben zufolge Reizgas und Schlagstöcke eingesetzt. Gegen 20.30 Uhr sei die "unfriedliche Versammlung" aufgelöst worden. Nun liefen Ermittlungen, die zurzeit noch andauern.

Zudem wurde ein Gruppe, aus deren Reihen es Angriffe gegeben habe, sei "festgesetzt" worden, teilte die Polizei mit. Ein dpa-Reporter beobachtete, wie ein harter Kern von Demonstranten bis tief in die Nacht hinein eingekesselt wurde.

Die Polizei erklärte, sie habe die Identitäten von Personen festgestellt, die nach ersten Erkenntnissen an unfriedlichen Aktionen beteiligt gewesen seien. Gegen 5 Uhr sei der Einsatz beendet worden, sagte ein Polizeisprecher.

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Zwei Personen seien wegen nicht befolgter Platzverweise zeitweise in Gewahrsam genommen worden, hieß es. Gegen einen der beiden sei zudem ein Strafverfahren wegen Widerstand und Körperverletzung gegen Polizeibeamte eingeleitet worden.

"Wir sterben nicht in Euren Kriegen": 3000 Demonstranten ziehen durch Köln

Polizisten nahmen am Samstagabend einen Tatverdächtigen wegen Widerstands fest und zwei Personen in Gewahrsam.
Polizisten nahmen am Samstagabend einen Tatverdächtigen wegen Widerstands fest und zwei Personen in Gewahrsam.  © Henning Kaiser/dpa

Die Teilnehmer hatten sich am Mittag am Heumarkt versammelt und zogen anschließend durch die Stadt. Auf den Transparenten und Schildern der Demonstranten hieß es etwa "Wir sterben nicht in Euren Kriegen" und "Nein zur Wehrpflicht". Die Veranstalter sprachen von bis zu 3000 Teilnehmern.

Blockade-Aktionen seien nicht geplant, sagte Jonah Fischer vom Antikriegs-Bündnis "Rheinmetall entwaffnen".

Das Bündnis hatte seit der Eröffnung eines Camps im Kölner Grüngürtel Anfang der Woche jeden Tag mit Aktionen auf sich aufmerksam gemacht. Am Mittwoch blockierten Aktivisten ein Gebäude der Bundeswehr.

Am Donnerstag zogen sie in die Nähe des Wohnhauses von Rheinmetall-Chef Armin Papperger in Meerbusch bei Düsseldorf. Am Freitag besetzten Aktivisten zeitweise das Kölner SPD-Parteibüro und blockierten ein Gebäude des Motorenbauers und Rüstungsunternehmens Deutz.

Bei dem Marsch durch die Kölner Innenstadt war die Polizei nach eigenen Angaben mit starken Kräften präsent. Insgesamt setzte sie am Samstag 1600 Polizistinnen und Polizisten in Köln ein. Es kam zudem zu zahlreichen Sperrungen.

Erstmeldung: 31. August, 8.41 Uhr; zuletzt aktualisiert: 31. August, 14.14 Uhr

Titelfoto: Henning Kaiser/dpa

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