Buchpreis-Eklat schlägt Wellen: Leipziger Bündnis schießt gegen Verfassungsschutz und kündigt Protest an

Leipzig - Nachdem drei Buchhandlungen von der Kandidatenliste für den Deutschen Buchhandlungspreis gestrichen wurden, wird auch im Austragungsort Leipzig Kritik laut.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61, parteilos) muss aktuell mit viel Gegenwind klarkommen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Am Dienstag war bekannt geworden, dass der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61, parteilos) drei Buchläden, die eigentlich von der Jury für den Deutschen Buchhandlungspreis vorgesehen waren, nachträglich aus der Liste gestrichen hatte.

Die betroffenen Geschäfte "Zur schwankenden Weltkugel" (Berlin), "The Golden Shop" (Bremen) und "Rote Straße" (Göttingen) seien aufgrund "verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse" aus der Auswahl entfernt worden, hieß es ohne weitere Details.

Eigentlich hätte der Preis im Rahmen der Leipziger Buchmesse in der kommenden Woche verliehen werden sollen - inmitten des negativen Feedbacks sagte Weimer die Übergabe nun aber gänzlich ab.

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Das linke Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" kritisiert in einer Mitteilung vom Dienstag vor allem auch die durch den Verfassungsschutz - "einer Institution mit fragwürdiger demokratischer Legitimation" getätigte Observierung und "autoritäre Bewertung" der Buchhandlungen.

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Rund um die Leipziger Buchmesse gibt es in diesem Jahr viel Wirbel.  © Jan Woitas/dpa

Nach Buchhandlungspreis-Eklat: In Leipzig regt sich Protest

Das Aktionsbündnis "Leipzig nimmt Platz" plant eine Protestkundgebung gegen die Buchhandlungspreis-Entscheidung. (Archivbild)  © Jan Woitas/dpa

Netzwerk-Sprecherin Irena Rudolph-Kokot (53) dazu: "Dass Kunst und Kultur ins Visier geraten, ist kein Zufall: Wo Menschen frei denken und sich äußern, entsteht stets eine Gefahr für autoritäre Systeme. (...) Wer heute Buchhandlungen ausgrenzt, wird morgen vor Büchern nicht Halt machen."

Um ein Zeichen gegen diese "Zensur von Buchhandlungen" zu setzen, seien alle interessierten Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, am 18. März - dem Vorabend der Buchmesse - um 18 Uhr auf dem Augustusplatz zu einer Protestkundgebung zusammenzukommen.

Im Aufruf heißt es: "Bringt Bücher mit und zeigt sie gemeinsam mit uns – als Symbol für die Freiheit des Denkens, die wir verteidigen und einfordern!"

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