Während sie die "Regierung entfernen" wollen: Sachsens MP Kretschmer watscht Freie Sachsen ab

Grimma - Es sollte ein Protest der Mitte werden - und doch versuchten die rechtsextremen Freien Sachsen ihn für sich zu vereinnahmen.

Tausende Menschen waren am Dienstagabend nach Grimma gekommen. Laut Polizei fiel die Teilnehmerzahl höher aus als erwartet, bewegte sich insgesamt im unteren vierstelligen Bereich.
Tausende Menschen waren am Dienstagabend nach Grimma gekommen. Laut Polizei fiel die Teilnehmerzahl höher aus als erwartet, bewegte sich insgesamt im unteren vierstelligen Bereich.  © Sören Müller

Tausende Menschen waren Dienstagabend nach Grimma gekommen, um gemeinsam bei der Demonstration "Energie statt Ideologie" auf die Ängste der Bevölkerung angesichts der Energiekrise sowie des Krieges in der Ukraine aufmerksam zu machen.

Angemeldet hatte die Versammlung Dachdeckermeister und Stadtrat Johannes Heine (Freie Wähler). Das Ziel: Ein Protest der Mitte, nicht der Ränder. Der Dienstag sei dabei bewusst gewählt worden, um sich von den sogenannten Montagsspaziergängen der Freien Sachsen abzugrenzen, sagte Heine gegenüber der Leipziger Volkszeitung.

Zahlreiche Unternehmer sowie Bürgermeister verschiedenster Kommunen konnte Heine bereits im Vorfeld für seine Demonstration gewinnen. Gänzlich ohne die Freien Sachsen sollte es dann allerdings doch nicht ablaufen.

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Die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Kleinstpartei hatte im Vorfeld ebenfalls eine Demonstration in Grimma angemeldet. Anhänger mischten sich schließlich in den von Stadtrat Heine organisierten Aufzug und versuchten auf Telegram, diesen für sich zu vereinnahmen.

"Mehrere tausend Menschen sind gerade auf dem Marktplatz von Grimma versammelt, wo verschiedene Bürgermeister zum Protest gegen die Politik der Regierung aufgerufen haben", hieß es dort in einem Beitrag. Und weiter: "Schon jetzt haben sich Mitstreiter mit einer klaren Botschaft positioniert: Regierung entfernen! Wir glauben diesen Fähnchen im Wind kein Wort mehr!"

Kretschmer über Freie Sachsen: "Müssen wir uns nicht gefallen lassen"

Unter ihnen: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU).
Unter ihnen: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU).  © Sören Müller

Als dann auch noch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (47, CDU) auf dem Marktplatz erschien und das Wort ergriff, ertönten lautstarkes Gebrüll, vornehmlich aus dem rechten Lager.

"Ich höre und sie alle hören diese Schreihälse, die heute den ganzen Tag schon mobilisiert haben", erklärte der CDU-Politiker während seiner Rede, die immer wieder von Buh-Rufen unterbrochen wurde. "Die Freien Sachsen haben den ganzen Tag über behauptet, die Menschen, die heute hierherkommen, werden wie zu DDR-Zeiten von der SED hierher gebracht. Ich finde das unsäglich. Das müssen wir uns alle, das müssen Sie sich nicht gefallen lassen."

Daraufhin wandte sich Kretschmer direkt an die Freien Sachsen: "Dies ist ein freies Land und ich finde es in Ordnung, dass Sie Ihre Flaggen dabei haben, damit wir wissen, wer wo wie steht. Die Mehrheit dieser Menschen auf diesem Platz sind anständige Menschen aus Sachsen. Es ist richtig, dass sie gekommen sind." Die Freien Sachsen wären hingegen lediglich eine Minderheit, schloss der Ministerpräsident ab.

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Kretschmer dankte den Menschen für ihre Solidarität mit der Ukraine und verurteilte Russland als Aggressor. Er sprach sich für eine Gaspreisbremse aus sowie für weitere Diskussionen bei der Abschaltung von Kraftwerken, "denn es muss doch unser aller Interesse sein, auch beim Thema Elektroenergie, dass die Kosten so weit runtergehen, dass dieses Land wirtschaftlich stark bleibt."

Kretschmer dankte den Menschen in seiner Rede für ihre Solidarität mit der Ukraine. Russland verurteilte der CDU-Politiker als Aggressor.
Kretschmer dankte den Menschen in seiner Rede für ihre Solidarität mit der Ukraine. Russland verurteilte der CDU-Politiker als Aggressor.  © Sören Müller
Auf Telegram versuchten die Freien Sachsen, den Protest für sich zu vereinnahmen.
Auf Telegram versuchten die Freien Sachsen, den Protest für sich zu vereinnahmen.  © Montage: Sören Müller + Screenshot/Telegram

Die Versammlungen wurden gegen 20 Uhr beendet. Wie Polizeisprecherin Dorothea Benndorf gegenüber TAG24 erklärte, verliefen beide Proteste ohne strafrechtliche Ereignisse.

Titelfoto: Montage: Sören Müller + Screenshot/Telegram

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