Pünktlichkeit der Züge: In NRW wird die Situation immer schlimmer
Von Marc Herwig
Düsseldorf - Die Pünktlichkeit von S-Bahnen und Regionalzügen in Nordrhein-Westfalen hat sich im vergangenen Jahr weiter verschlechtert.
Das geht aus vorläufigen Zahlen des Kompetenzcenters Integraler Taktfahrplan NRW hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Immerhin sind erstmals seit Jahren weniger Züge kurzfristig ausgefallen.
Als verspätet gilt ein Zug in NRW, wenn er mindestens vier Minuten hinter seinem Zeitplan herfährt. Das traf im vergangenen Jahr auf 28 Prozent aller Züge zu. Das ist der höchste Wert seit Jahren.
Auf einigen Regional-Express-Linien mit hohem Fahrgastaufkommen war nicht einmal jeder zweite Zug pünktlich.
Damit setzt sich der jahrelange Abwärtstrend bei der Pünktlichkeit fort. Als Hauptgrund sieht die Branche das marode Schienennetz.
Weil die Modernisierung Zeit braucht, sei kurzfristig auch nicht damit zu rechnen, dass die Pünktlichkeit der Bahn in NRW besser werde.
Verkehrsminister: Situation so nicht hinnehmbar
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (56, Grüne) reagierte verärgert auf die aktuellen Zahlen. "Das ist eine Betriebssituation, die so nicht hinnehmbar ist. Wenn auf einzelnen hochbelasteten Linien weniger als die Hälfte der Züge pünktlich kommt, ist das für die Fahrgäste eine Zumutung", sagte Krischer der Deutschen Presse-Agentur.
"Jetzt rächt sich bitter, dass die Bahn jahrzehntelang auf Verschleiß gefahren worden ist. NRW hat das marodeste Schienennetz aller Flächenländer und den größten Sanierungsbedarf." Die Bundesregierung müsse nun handeln.
"Wir erwarten vom Bund, der über die Deutsche Bahn die Verantwortung für die Infrastruktur trägt, dass Sanierung und Ausbau weiter beschleunigt werden", sagte Krischer. "Wir brauchen Gleise, Oberleitungen und Stellwerke, die den Standards des 21. Jahrhunderts entsprechen."
Gleichzeitig hob der Verkehrsminister hervor, dass die Zahl der Zugausfälle wegen Personalmangels im vergangenen Jahr erstmals seit Langem etwas zurückgegangen ist.
Titelfoto: Roberto Pfeil/dpa

