"Verbot funktioniert gar nicht": Ist Deutschlands Drogenpolitik gescheitert?
Leipzig - Trotz Verbots werden Drogen wie Koks, Ketamin und MDMA immer beliebter. Erst vor zwei Jahren sorgten mehrere Todesfälle durch die "Blue Punisher"-Pille für Bestürzung. "Konsum-Boom trotz Verbot" titelte nun das MDR-Format "Exactly" und ging der Frage nach: Ist Deutschlands Drogenpolitik gescheitert?
Um dies zu beantworten, sprach Reporter Daniel Tautz mit verschiedenen Experten, wie dem Schildauer Kreis, einem Fachnetzwerk, das eine liberale Drogenpolitik fordert.
"Drogen-Prävention ist halt gescheitert, schädlich und auch sehr teuer", sagte dabei Toxikologe Fabian Steinmetz. "Ich würde kommentieren, dass aktuell jede Person mit einem Smartphone oder auch jede Person in einer Stadt, die das Haus verlassen kann, Zugang zu allen möglich Substanzen, von Kokain über Heroin bis MDMA, hat. Das heißt, das aktuelle Verbot funktioniert ja gar nicht."
Patrick Drebenstedt, Betreiber des Technoclubs MAW in Magdeburg, geht in der Reportage sogar so weit zu sagen: "Ich glaube, dass es keinen Laden gibt, der ohne Drogen funktionieren würde." Seine Aufgabe als Betreiber sei es inzwischen, dafür zu sorgen, dass sich seine Besucher informieren und wenn nötig auch zurückziehen können.
Ein Problem der Verbote: Konsumenten wissen oftmals nicht, welche Stoffe und vor allem in welchen Mengen diese in den Substanzen stecken, die sie einnehmen. Der Freistaat Thüringen unterstützt deshalb seit einiger Zeit das Projekt Miraculix, mit dem Feiernde beispielsweise auf Festivals ihre Substanzen kostenfrei checken lassen können.
Als Beispiel für den Nutzen derartiger Tests nennt Projektmitglied Felix Blei die berüchtigte "Blue Punisher"-Pille. "Wir haben diese Pille jetzt schon zehnmal analysiert und die hatte von 80 bis 250 Milligramm jeden Wirkstoffgehalt. [...] Eigentlich weiß niemand, was da drin ist. [...] So kann man keine bewussten Entscheidungen treffen."
Drogenbeauftragter nach wie vor gegen Teilabgabe
Ein Land, das es anders macht, ist Portugal. Bereits 2001 hat die Republik alle Drogen entkriminalisiert, jedoch nicht legalisiert. Verkauf und Besitz sind nach wie vor verboten. Wird man mit kleinen Mengen erwischt, gibt es jedoch nicht gleich eine Strafe, sondern Hilfe. Der Umgang mit Drogen wurde radikal verändert. Statt als Sicherheitsproblem sollen Menschen mit Drogenproblemen als Gesundheitsproblem gesehen werden.
Die Folge: Von 369 Drogentoten im Jahr 1999 fiel die Zahl auf zuletzt 80 Tote im Jahr 2023. Menschen, die Drogen in der Freizeit konsumieren, seien besser für Schadensminimierung sensibilisiert.
Hendrik Streeck (48, CDU), Drogenbeauftragter der Bundesregierung, spricht sich in der Reportage dennoch gegen eine kontrollierte Abgabe weiterer Substanzen aus. "Es kann keiner vorhersehen, was eine Teil-Legalisierung oder Teilabgabe solcher Substanzen, wo wir jedes Jahr Todesfälle haben, am Ende bedeutet. Das ist ein gesellschaftliches Experiment, was ich nicht tragen will."
Die gesamte Reportage "Konsum-Boom trotz Verbot: Drogenpolitik gescheitert?" ist ab sofort in der ARD-Mediathek verfügbar.
Titelfoto: MDR/Daniel Tautz

