Unverständliche Absage kurz vor Abfahrt: Diese Helfer dürfen nicht ins Hochwassergebiet!

Magdeburg - Sie wollen den Hochwasser-Opfern in Rheinland-Pfalz helfen und dürfen es nicht! Wenige Minuten vor Abfahrt wurde eine Hilfsaktion der Feuerwehren in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) abgeblasen. Doch warum?

Am Donnerstagabend hatten sich mehr als 70 Freiwillige versammelt, um ins Katastrophengebiet nach Rheinland-Pfalz aufzubrechen.
Am Donnerstagabend hatten sich mehr als 70 Freiwillige versammelt, um ins Katastrophengebiet nach Rheinland-Pfalz aufzubrechen.  © Thomas Schulz

Alles war gepackt und vorbereitet – mehrere Dutzend Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr, Freiwilligen Feuerwehr und des Katastrophenschutzes standen in Magdeburg-Rothensee bereit, um pünktlich um 19.15 Uhr am Donnerstagabend ins Krisengebiet bei Bad Neuenahr aufzubrechen.

Erst am Abend zuvor hatte man erfahren, dass der Einsatz innerhalb der nächsten 24 Stunden stattfinden solle. "Mit einer Aufgabenstellung setzten unsere Einsatzkräfte binnen weniger Stunden alle Hebel in Bewegung und bereiteten einen Einsatz von sieben Tagen Dauer vor", heißt es in einem enttäuschten Facebook-Beitrag der Feuerwehr Rothensee.

Man plante mit 75 Einsatzkräften und 22 Fahrzeugen, kümmerte sich um Verpflegung. Die Motivation war groß, nachdem viele Helfer 2002 und 2013 selbst vom Hochwasser betroffen gewesen und damals über jede Hilfe aus den jetzigen Krisengebieten glücklich waren.

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Nachdem gegen 16.30 Uhr die Anforderung der Hilfskräfte konkretisiert worden sei, dann der Schock! Eine halbe Stunde vor Aufbruch habe Amtsleiter Frank Mehr erklärt: "Einen überörtlichen Katastropheneinsatz der Feuerwehr Magdeburg wird es vorerst nicht geben."

Enttäuscht mussten alle Freiwilligen, die sich zum Teil extra von ihren Arbeitgebern vom Job befreien lassen und schon vor dem eigentlichen Einsatz alles gegeben haben, wieder nach Hause gehen.

22 Einsatzfahrzeuge waren beladen worden - alles umsonst.
22 Einsatzfahrzeuge waren beladen worden - alles umsonst.  © Thomas Schulz

Die Feuerwehr in Magdeburg zeigt sich schwer enttäuscht über die Absage

Doch was ist passiert, dass die Hilfe auf einmal niemand mehr wollte?

Amtsleiter Frank Mehr musste seinen Kameraden die enttäuschende Nachricht überbringen, dass der Einsatz nicht stattfinden darf.
Amtsleiter Frank Mehr musste seinen Kameraden die enttäuschende Nachricht überbringen, dass der Einsatz nicht stattfinden darf.  © Thomas Schulz

Die Hilfestellung derer, die einst gelitten haben und nun etwas zurückgeben möchten, scheiterte schlichtweg an der deutschen Bürokratie!

Ein solcher Einsatz müsse beim Innenministerium von Rheinland-Pfalz gemeldet werden, heißt es weiter bei Facebook. "Hier sei der Einsatz der Magdeburger Kräfte abgelehnt worden. Für uns absolut nicht nachvollziehbar."

Ständig sehe man die Bilder von zerstörten Orten, verzweifelten Menschen und Einsatzkräften, die dringend Hilfe brauchen und auch mal abgelöst werden müssten. "Nun ist der Zeitpunkt da, an dem wir etwas hätten zurückgeben können. Dass dies dann an politischen Entscheidungsträgern scheitert, ist für uns absolut nicht nachvollziehbar."

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Auch Kritik wird geübt: "Wenn überörtliche und vor allem unkomplizierte Hilfen an Politik und Finanzen scheitern, dann scheint im System etwas nicht in Ordnung zu sein." Man wünsche den Betroffenen dennoch alles Gute.

Viele von ihnen haben selbst viel Leid während der Hochwasser 2002 und 2013 ertragen müssen und wollten gern helfen. Umso größer sind Enttäuschung und Unverständnis.
Viele von ihnen haben selbst viel Leid während der Hochwasser 2002 und 2013 ertragen müssen und wollten gern helfen. Umso größer sind Enttäuschung und Unverständnis.  © Thomas Schulz

Ob ein Einsatz zu einem anderen Zeitpunkt möglich sei, ließ die Feuerwehr indessen offen. Wer sie aber bei ihrer Spendenaktion unterstützen möchte, kann dies über eine Spenden-Webseite tun.

Titelfoto: Thomas Schulz

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