Keine Hilfe vor Ort: Rollstuhlfahrer muss aus Ryanair-Flieger kriechen

Göteborg (Schweden) - Ein Rollstuhlfahrer war nach der Landung einer Ryanair-Maschine am vergangenen Samstagabend auf dem Flughafen Göteborg-Landvetter gezwungen, aus dem Flieger zu kriechen.

Rollstuhlfahrer Adrian Keogh (37) musste auf einem Flughafen in Schweden aus dem Ryanair-Flugzeug kriechen.
Rollstuhlfahrer Adrian Keogh (37) musste auf einem Flughafen in Schweden aus dem Ryanair-Flugzeug kriechen.  © Screenshot Instagram/adriankeogh39

Auf einem Foto, das Adrian Keogh aus Wicklow (Irland) auf Instagram teilte, ist zu sehen, wie der 37-Jährige die Metallstufen hinunterkriecht, um das Flugzeug zu verlassen. Offenbar wollte ihm niemand beim Aussteigen helfen. Keogh bezeichnete den Vorfall später als "inakzeptabel".

Laut einem Bericht der BBC wurde dem Iren durch die Crew mitgeteilt, dass es etwa eine Stunde dauern würde, bis ihm jemand helfen könne. Dann habe die Kabinenbesatzung ihm angeboten, dass er aus dem Flugzeug kriechen könne, anstatt zu warten.

Während sich ein Sprecher des Flughafens für den Vorfall bei dem Fluggast entschuldigte, dementierte Ryanair dessen Aussage.

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Keogh sitzt seit einem Badeunfall 2015, bei dem er sich an der Wirbelsäule verletzte, im Rollstuhl. Gegenüber BBC sagte er, dass er keine Stunde warten konnte, um aus einem Flieger auszusteigen, weil er nach Flügen Schmerzen habe und auf die Toilette müsse.

Er fügte hinzu, dass Flugreisen manchmal sehr frustrierend sein können. "Dies ist nicht das erste Mal, dass ich in einem Flugzeug festsaß, nachdem alle anderen ausgestiegen sind", sagte er.

Flugreisen sind für Menschen mit Behinderung oft mit Stress verbunden

Ein Passagier von Ryanair machte schlechte Erfahrungen mit der Fluggesellschaft. Die Crew half dem Mann trotz seiner Behinderung nicht aus dem Flieger. (Archivbild)
Ein Passagier von Ryanair machte schlechte Erfahrungen mit der Fluggesellschaft. Die Crew half dem Mann trotz seiner Behinderung nicht aus dem Flieger. (Archivbild)  © Thomas Banneyer/dpa

Keogh reiste am Samstag mit seinem Bruder. Dieser hatte ihm angeboten, ihn die Treppe hinunterzutragen. Doch das habe er abgelehnt, weil er das wegen der steilen, gewellten Stahlstufen für zu gefährlich hielt. "Wenn er gestürzt wäre, hätten wir uns beide verletzt, also musste ich selbst nach unten gelangen", sagte er. "Das ist inakzeptabel. Alles, worum ich bitte, ist, in Würde reisen zu können."

James Taylor von der Wohltätigkeitsorganisation "Scope" beschrieb den gesamten Vorgang als entsetzlich. Die Stiftung setzt sich für Behinderte in England und Wales ein und klärt die Öffentlichkeit auf, um deren negative Einstellungen zu Menschen mit Behinderung zu ändern.

"Seit langem machen wir uns Sorgen darüber, dass behinderte Menschen von Fluggesellschaften und Flughäfen im Stich gelassen werden", sagte Taylor. Das sei für die Betroffenen "oft erniedrigend, stressig und beängstigend".

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Zudem halte es viele behinderte Menschen davon ab, überhaupt zu reisen.

Flughafen entschuldigt sich, Airline dementiert

Ein Sprecher des Flughafens Göteborg-Landvetter teilte "BBC" mit, er "bedaure zutiefst", dass Keogh diese negative Erfahrung machen musste und sagte, dass "mehrere unvorhergesehene Ereignisse" für die Verzögerung der Hilfe verantwortlich gewesen seien. Das entspreche "nicht unserem üblichen Servicestandard".

Ryanair erklärte, dass besondere Unterstützung am Flughafen von einem Drittanbieter geleistet wurde. Die Airline wolle den Vorfall untersuchen.

Titelfoto: Screenshot Instagram/adriankeogh39

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