Von Simon Kremer, Christof Rührmair
München - Gastronomiebetriebe und Hotels in Bayern lassen Zehn- oder sogar Hunderttausende Bewertungen bei Google-Maps löschen. Darauf deutet eine Stichprobe der dpa in zehn großen Städten hin. Je nach Ort gab es dabei bei einem Siebtel bis einem Viertel der Betriebe Löschungen.
Teilweise ging es dabei um mehr als 200 Bewertungen einzelner Betriebe, meist aber um ein- oder zweistellige Werte.
Für die Auswertung wurden aus den neun größten Städten Bayerns und Landshut als größter Stadt des sonst nicht in der Auswertung vertretenen Niederbayerns Stichproben gezogen, insgesamt mehr als 1600 Datensätze.
Die Größe der Einzelstichproben reicht dabei von 92 aus Erlangen bis 268 in Nürnberg. Die Zahlen für die einzelnen Städte unterliegen daher einer gewissen Ungenauigkeit, grobe Aussagen lassen sich aus ihnen aber durchaus ableiten.
Auffällig ist dabei, dass es die höchsten Quoten in den beiden größten Städten gibt. In Nürnberg haben knapp 26 Prozent der untersuchten Betriebe Bewertungen bei Google Maps löschen lassen. In München sind es knapp 25 Prozent.
Dahinter folgen Würzburg um 24, Erlangen mit 23 sowie Fürth, Regensburg und Landshut mit rund 20 Prozent. Die niedrigsten Werte gibt es in Augsburg mit 18 sowie Bamberg und Ingolstadt mit rund 14 Prozent.
Experte: Bedeutung kaum zu überschätzen
Das deckt sich mit Beobachtungen aus anderen Bundesländern. Auch dort sind die Löschquoten insbesondere in den großen Städten hoch - mit teils an die 30 Prozent auch höher als in Bayern.
Insgesamt ist die Bandbreite bundesweit noch höher: Die Stichproben mit den geringsten Anteilen von Betrieben die Bewertungen löschen lassen, hatte nur 11 Prozent.
"Die Bedeutung von Google Bewertungen kann man kaum unterschätzen", sagt Professor Steffen Kroschwald, Direktor des Instituts für Verbraucherforschung und nachhaltigen Konsum (vunk) an der Hochschule Pforzheim.
"Oft ist der erste Blick die Sternebewertung, und die spielt bei Entscheidungen eine maßgebliche Rolle." Für Unternehmen sei das ein ökonomischer Faktor.
Und inzwischen gibt es laut Kroschwald eine regelrechte Löschindustrie. "Es gibt professionelle Dienstleister und Anwaltskanzleien, die Löschverfahren nicht als Fairness-Instrument verstehen, sondern als Geschäftsmodell", sagt er.
Verbraucher hätten zwar die Möglichkeit, gegen die Löschung einer Bewertung vorzugehen, häufig hätten sie aber nicht die Zeit und nicht die Belege parat, dies zu tun. "Das begünstigt Overblocking - also dass am Ende mehr gelöscht wird, als eigentlich gelöscht werden sollte."