Wird Vinted für Handel mit Kindern missbraucht? Was wirklich hinter den Vorwürfen steckt

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Litauen - Verkaufen Eltern ihren Nachwuchs auf der Secondhand-Plattform "Vinted"? Wenn es nach einigen Internet-Usern geht, dann auf jeden Fall. TikTok-Nutzer brachten den Stein ins Rollen. Die Behauptung: Spezielle Inserate der Klamotten-Seite deuten auf den Schmuggel von Minderjährigen hin. Doch was genau steckt hinter den Gerüchten?

Das Unternehmen "Vinted" fiel jüngst durch Inserate auf, die Verbraucher stutzig machten. (Symbolfoto)
Das Unternehmen "Vinted" fiel jüngst durch Inserate auf, die Verbraucher stutzig machten. (Symbolfoto)  © 123RF/benoitricoine

Auslöser waren mysteriöse Annoncen für Plüschtiere und Kinderspielzeug. Die angebotenen Produkte wiesen dabei horrende Verkaufspreise auf, die bis in den fünfstelligen Bereich gingen.

Stutzig wurden Verbraucher spätestens dann, als sie einen Blick auf die Beschreibungen der Artikel warfen. Dort wurden neben Alter und Geschlecht auch die Größe des "Produktes" genannt.

Zahlreiche Vinted-User machten die Fälle publik und verlangten vom Unternehmen eine Stellungnahme. Gegenüber der TAG24-Redaktion wies Vinted die Vorwürfe zurück.

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"Wir haben die derzeit online geteilten Angebote eingehend untersucht und keine belastbaren Hinweise darauf gefunden, dass diese mit Kinderhandel in Verbindung stehen", teilte eine Sprecherin mit. Ein Faktencheck seitens der Firma habe keine belastbaren Beweise geliefert.

Die in den Annoncen angegeben Altersangaben sowie Körpergrößen hätten laut Vinted eine plausible Erklärung: "Die in den Angeboten angegebene Altersangabe bezieht sich auf die Altersgruppe, für die das Spielzeug bestimmt ist – ähnlich wie die Altersangabe auf einer Spielzeugverpackung – und nicht auf ein Kind."

Aufgerufene Preise von bis zu 30.000 Euro, die in den TikTok-Videos gezeigt wurden, könne sich Vinted nur durch einen "tatsächlichen Sammlerwert, Verhandlungstaktiken, Trolling oder Angebote" erklären.

Schätzungsweise 1,2 Millionen Kinder werden jährlich Opfer von Menschenhandel. (Symbolfoto)
Schätzungsweise 1,2 Millionen Kinder werden jährlich Opfer von Menschenhandel. (Symbolfoto)  © 123RF/liudmilachernetska

Vinted appelliert an Nutzer, keine Selbstjustiz zu üben

Das Unternehmen wurde 2008 in Litauen gegründet - hierzulande war es bis 2020 unter dem Namen "Kleiderkreisel" bekannt.
Das Unternehmen wurde 2008 in Litauen gegründet - hierzulande war es bis 2020 unter dem Namen "Kleiderkreisel" bekannt.  © STEPHANE DE SAKUTIN / AFP

Aufgrund der Schlagzeilen und dem Vorwurf des Kinderhandels auf der Plattform ergriff Vinted harte Maßnahmen gegen die absichtliche Verbreitung "gefälschter Angebote". Nutzerkonten wurden gesperrt, zudem arbeite das Unternehmen unentwegt mit Strafverfolgungsbehörden zusammen.

"Wir nehmen dieses Thema sehr ernst und fordern jeden, der auf verdächtige Anzeigen stößt, dazu auf, diese sofort zu melden, damit unser Sicherheitsteam sie prüfen und entsprechende Maßnahmen ergreifen kann", betonte die Sprecherin.

Illegale Aktivitäten seien auf der Secondhand-Seite weder erwünscht noch erlaubt. Zugleich warnte das Unternehmen vor Selbstjustiz im Netz: "Obwohl wir die Sorge hinter diesen Aktionen verstehen, kann dieses Verhalten zur Belästigung von legitimen Nutzern führen".

Das eigenständige Eingreifen könne außerdem zur Behinderung "echter Ermittlungen" führen.

Kinderhandel über Online-Plattformen kein unbekanntes Phänomen

Das Bundeskriminalamt (BKA) nahm bereits einige Online-Anbieter unter die Lupe - wie zum Beispiel SHEIN oder Amazon. (Symbolfoto)
Das Bundeskriminalamt (BKA) nahm bereits einige Online-Anbieter unter die Lupe - wie zum Beispiel SHEIN oder Amazon. (Symbolfoto)  © 123RF/ dragoscondrea

Der Handel mit Minderjährigen in öffentlichen Foren ist für das Bundeskriminalamt in Deutschland schon längst kein unbekanntes Terrain mehr.

Ermittlungen konzentrierten sich auf Unternehmen wie "Etsy, SHEIN, eBay, Amazon und Wayfair.com." Dort angebotene Spielzeuge, die zu enorm hohen Preisen inseriert wurden, untermauerten den Verdacht.

"In der Vergangenheit wurden bereits mehrfach Hinweise zu vermeintlichem Kinderhandel über Online-Kleinanzeigen mitgeteilt. Diese Hinweise haben sich seinerzeit nicht bestätigt", erklärte das BKA gegenüber TAG24.

Seit fast zwei Wochen häufen sich nun bundesweit Anzeigen rund um die Plattform Vinted.

Behörden raten zur Vorsicht: Screenshots sollten nicht unmittelbar geteilt werden

Das Teilen und Verbreiten von (falschen) News oder verdächtigen Inhalten ist auf Social Media binnen weniger Sekunden möglich. Aber auch hier gilt: Inhalte sollten vorher geprüft werden. (Symbolfoto)
Das Teilen und Verbreiten von (falschen) News oder verdächtigen Inhalten ist auf Social Media binnen weniger Sekunden möglich. Aber auch hier gilt: Inhalte sollten vorher geprüft werden. (Symbolfoto)  © 123RF/oanwongteerayut

Sollte sich der Verdacht des Kinderhandels bestätigen, so trete "§ 236 StGB" in Kraft. Laut BKA erfolgt eine rechtliche Einordnung stets im Einzelfall. Vergehen können mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe sanktioniert werden.

Um den Handel mit Kindern in digitalen Foren zu verhindern, arbeiten deutsche Strafverfolgungsbehörden eng mit Plattformbetreibern zusammen. Verkäuferdaten können so schneller erworben und rechtswidrige Inhalte gelöscht werden.

Im Zuge des Vinted-Skandals rät das BKA zur Vorsicht: "Screenshots oder Links zu derartigen Verkaufsanzeigen sollten nicht ungeprüft in sozialen Medien weitergeleitet oder geteilt werden."

Sollten Nutzer auf der Plattform ein für sie seltsames Inserat entdecken, empfiehlt sie die Nutzung der Melde-Funktion. "Die Plattformbetreiber sind verpflichtet, solche Inhalte unverzüglich zu prüfen und die entsprechenden Accounts im Verdachtsfall zu sperren."

Ob es sich bei den durch TikTok verbreiteten Bildaufnahmen nun um ernst zunehmende Inserate oder Fake-Darstellungen handelt, ist nicht klar.

Titelfoto: Collage/ 123RF/liudmilachernetska/STEPHANE DE SAKUTIN / AFP

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