Nahost-Konflikt: Neuer Iran-Vorschlag könnte brenzlig für Trump werden

Israel/Iran - Die ins Stocken geratenen Verhandlungsbemühungen zwischen Washington und Teheran um ein Kriegsende bereiten den Menschen im Iran zunehmend Sorgen.

Seit Freitag war Irans Außenminister Abbas Araghtschi (63) zweimal in Islamabad zu Gast.  © Mark Schiefelbein/AP/dpa

"Die Lage hier ist wirklich sehr, sehr kritisch", sagte ein Bewohner Teherans mit Blick auf die Zukunft. "Entweder gibt es wieder Krieg, oder es gibt keinen Krieg und das Regime bleibt. Oder am allerschlimmsten: Krieg und Regime bleiben trotz allem."

Der Mann wollte aus Furcht vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen der Sicherheitsbehörden der Islamischen Republik nicht namentlich genannt werden.

Am Wochenende waren die jüngsten Bemühungen des Vermittlers Pakistan geplatzt, Vertreter des Irans und der USA erneut an den Verhandlungstisch zu bringen.

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Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi (63) war seit Freitag zweimal in Islamabad, US-Präsident Donald Trump (79) aber blies die geplante Reise seines Sondergesandten Steve Witkoff (69) und seines Schwiegersohnes Jared Kushner (45) dorthin kurzfristig ab. Er begründete dies auch mit einem inakzeptablen Vorschlag des Irans.

Alle Entwicklungen zum Nahost-Konflikt findet Ihr hier im TAG24-Newsticker.

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27. April, 14.44 Uhr: Israels Armee meldet neue Angriffe auf Hisbollah im Libanon

Israels Militär bombardiert eigenen Angaben zufolge trotz formell geltender Waffenruhe erneut Ziele der vom Iran unterstützten Hisbollah im Libanon.

Die israelische Armee sagte am Nachmittag, sie habe begonnen, Infrastrukturanlagen der Miliz im Süden sowie in der Bekaa-Ebene im Nachbarland ins Visier zu nehmen. Die Bekaa-Ebene erstreckt sich im Osten des Landes. Das israelische Militär hat dort seit Beginn der Feuerpause nicht mehr angegriffen.

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Nach einem israelischen Luftangriff in einem südlibanesischen Dorf nahe der israelischen Grenze steigt Rauch auf.  © Gil Cohen Magen/dpa

27. April, 12.33 Uhr: Ölpreise steigen deutlich

Der Ölpreise sind am Montag angesichts der stockenden Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA merklich gestiegen.

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl der Nordseesorte Brent zog auf 108,28 US-Dollar an. Das waren 2,81 Prozent mehr als am Freitag.

Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Iran-Kriegs haben am Wochenende keine Fortschritte gemacht. US-Präsident Donald Trump (79) sagte eine angekündigte Reise seiner Unterhändler nach Pakistan am Samstag kurzfristig ab - zum zweiten Mal in einer Woche. Er begründete dies auch mit einem inakzeptablen Vorschlag des Irans. Die Straße von Hormus bleibt damit fast vollständig geschlossen.

Die stockenden Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA lassen die Ölpreise merklich steigen. (Symbolfoto)  © Nic Coury/AP/dpa

27. April, 11.22 Uhr: Neuer Iran-Vorschlag könnte brenzlig für Trump werden

Der Iran hat den USA offenbar einen Vorschlag unterbreitet, um den Krieg rasch beenden zu können.

Wie die Nachrichtenagentur "Axios" unter Berufung auf Insider-Informationen berichtete, soll zunächst die Straße von Hormus geöffnet werden. Verhandlungen über das iranische Atomprogramm sollen dagegen nach hinten verschoben werden. Dieser neue Vorschlag sei den US-Vertretern über pakistanische Vermittler bereits unterbreitet worden, heißt es.

Ob sich die Trump-Regierung auf diesen Deal einlässt, war dagegen noch unklar. Für Trump wäre dieser Vorschlag nämlich äußerst heikel, würde er mit der Öffnung der Seeroute und einem Ende der Gewalt doch gleich zwei primäre Kriegsziele von ihm erfüllen. Für den weiteren Verlauf der Verhandlungen bezüglich des Atomprogramms wäre Trumps Position damit geschwächt.

Am heutigen Montag sei deshalb ein Treffen mit hochrangigen Beamten im Weißen Haus geplant.

27. April, 6.54 Uhr: Iran mit zahlreichen Forderungen

Irans Außenminister Abbas Araghtschi (63) wollte den Vermittlern am Sonntag bei einem Kurzbesuch erneut die iranischen Bedingungen für eine Beendigung des Krieges übermitteln, wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete.

Zu diesen zählen demnach unter anderem die sofortige Aufhebung der US-Seeblockade sowie die Einführung einer neuen rechtlichen Regelung für die Straße von Hormus. Zudem fordert Teheran Kriegsentschädigungen und Garantien, dass es zu keiner erneuten militärischen Aggression gegen die Islamische Republik kommen wird.

Den Atomstreit hingegen wolle der Iran nicht auf die Verhandlungsagenda setzen, hieß es weiter. Gerade Letzteres ist aber einer der wichtigsten Punkte für Washington.

27. April, 6 Uhr: Verhandlungen geplatzt, absehbar keine neuen Gespräche

Weder aus den USA noch vom Iran gab es konkrete Informationen dazu, welche weiteren Schritte nach den geplatzten Verhandlungen geplant sind.

Die strategisch wichtige Straße von Hormus ist weiter blockiert. Beobachtern zufolge hofft jede Seite, die andere in einer Pattsituation zu überdauern - mit drastischen Folgen für den Rest der Welt.

Die Meerenge von Hormus ist unter anderem für die Verschiffung von Öl und Gas aus den Staaten des Persischen Golfs von entscheidender Bedeutung für die Weltwirtschaft. "Der Iran weiß, dass er militärisch nicht gewinnen kann. Länger durchhalten ist das neue Siegen", sagte etwa Expertin Claudia Major (50) vom German Marshall Fund am Sonntag in der ARD-Talksendung "Caren Miosga". "Wir haben wirklich das, was man die Impotenz von Macht nennt", sagte Major weiter. Die Amerikaner seien militärisch enorm mächtig, schafften es aber trotzdem nicht, ihre Kriegsziele zu erreichen.

Nach den geplatzten Verhandlungen ist unklar, wann genau die Straße von Hormus öffnet. (Archivbild)  © Asghar Besharati/AP/dpa

26. April, 22.24 Uhr: Irans Präsidialamt rechtfertigt Internetsperren

Im Iran sieht sich das Präsidialamt nach massiver Kritik an den Internetsperren im Land zu einer Rechtfertigung der Maßnahmen gezwungen.

"Auch der Präsident (Massud Peseschkian) ist strikt gegen eine eingeschränkte Internetnutzung für die Bevölkerung", behauptet die Pressestelle des Präsidialamts auf der Plattform X. Das Projekt "Pro Internet" – so werden die Einschränkungen in der Islamischen Republik genannt – sei nicht dauerhaft, sondern lediglich eine vom Sicherheitsrat verhängte vorübergehende Maßnahme in der aktuellen Kriegssituation, hieß es weiter. Nach Ende der Konflikte werde der reguläre Zugang für alle Bürger wiederhergestellt.

26. April, 20.39 Uhr: Gaza-Hilfsflotte von Sizilien aus in See gestochen

Dutzende Schiffe der "Global Sumud Flotilla" mit Aktivisten aus zahlreichen Ländern an Bord sind von Sizilien aus Richtung Gazastreifen in See gestochen. Nach einer wetterbedingten Verzögerung seien nun 56 Schiffe von einem Hafen bei Syrakus aufgebrochen, teilte die Organisation mit. Sie sprach von der größten Flottille, die jemals versucht habe, den Gazastreifen zu erreichen.

Die propalästinensischen Aktivisten wollen erneut versuchen, die seit 2007 bestehende israelische Seeblockade des Gazastreifens, die auch von Ägypten mitgetragen wird, zu durchbrechen und Hilfsgüter in die Konfliktregion zu bringen. Erklärtes Ziel der "Global Sumud Flotilla" ist es außerdem, die Einrichtung eines dauerhaften humanitären Korridors voranzubringen.

Die Global Sumud Flottille bereitet sich darauf vor, nach Gaza in See zu stechen. Mehrere Boote sind auf dem Weg von Spanien, um eine erweiterte, vereinte Flotte zu bilden, in Syrakus, Italien.  © Sebastiano Diamante/LaPresse/AP/dpa

26. April, 19.34 Uhr: Putin empfängt Irans Außenminister am Montag

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi (63) wird am Montag zu Gesprächen in Moskau erwartet.

Kremlsprecher Dmitri Peskow (58) bestätigte im Gespräch mit den russischen Staatsagenturen, dass sich Präsident Wladimir Putin (73) mit dem iranischen Außenamtschef treffen wolle. Weitere Details nannte er nicht.

Präsident Wladimir Putin (73) will den iranischen Außenminister Abbas Araghtschi (63) bereits am Montag sprechen.  © Valery Sharifulin/TASS via ZUMA Press/dpa

26. April, 16.29 Uhr: Irans Außenminister offenbar erneut in Pakistan eingetroffen

Einen Tag nach seiner Abreise aus Islambad ist der iranische Außenminister Abbas Araghtschi laut Staatsmedien in die Hauptstadt Pakistans zurückgekehrt, das in den Bemühungen um ein Ende des Iran-Kriegs vermittelt.

Laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna traf Araghtschi am frühen Sonntagabend (Ortszeit) nach einem Kurzbesuch im Oman wieder in Pakistan ein.

Auf diesem vom iranischen Außenministerium veröffentlichten Foto gibt der iranische Außenminister Abbas Araghtschi (63, r.) dem omanischen Sultan Haitham bin Tariq während ihres Treffens die Hand.  © Uncredited/Iranian Foreign Ministry via AP/dpa

26. April, 11.53 Uhr: Neue Angriffe von Israel und Hisbollah trotz Waffenruhe

Israel und die vom Iran unterstützte Hisbollah im Libanon greifen sich trotz der geltenden Waffenruhe weiter gegenseitig an.

Bei den jüngsten Angriffen seien am Samstag im südlichen Libanon sieben Menschen getötet und 24 weitere verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium in Beirut heute mit. Die Hisbollah teilte mit, ihre Kämpfer hätten Sonntagfrüh im Südlibanon unter anderem israelische Soldaten angegriffen. Dabei habe es mehrere Tote gegeben.

Trotz der kürzlich verlängerten Waffenruhe hat Israel im Südlibanon erneut Luftangriffe geflogen, die zahlreiche Opfer forderten und die Waffenruhe zu gefährden drohten.  © Stringer/dpa

26. April, 7.51 Uhr: Nouripour zu Gespräch über Iran-Krieg in Saudi-Arabien

Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (50, Grüne) ist zu Gesprächen über die Folgen des Iran-Krieges und mögliche Wege aus der Krise nach Saudi-Arabien geflogen.

Wie ein Mitarbeiter sagte, landete er in der Hauptstadt Riad, wo ihn unter anderem der saudische Außenminister Adel al-Jubair empfangen will. Geplant sei zudem ein Treffen mit dem Vorsitzenden des jemenitischen Präsidialrats, Raschad al-Alimi, teilte Nouripours Büro mit. Im Mittelpunkt stehe dabei der Austausch über den Konflikt mit den Huthi-Rebellen.

Omid Nouripour (50, Grüne) ist nach Saudi-Arabien geflogen.  © dpa | Alicia Windzio

26. April, 7.30 Uhr: US-Militär fängt Schiff der iranischen "Schattenflotte" ab

Das US-Militär hat nach eigenen Angaben einen mit Sanktionen belegten Frachter der iranischen "Schattenflotte" abgefangen.

Das Schiff sei im Arabischen Meer von einem Helikopter des Zerstörers "USS Pinckney" gestoppt worden und werde zurück in Richtung Iran eskortiert, teilte das US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit.

Das abgefangene Schiff, die "M/V Sevan", gehört demnach zu den 19 Frachtern, die am Freitag mit Sanktionen des US-Finanzministeriums belegt wurden. Die Sanktionen zielen auf die sogenannte Schattenflotte des Irans ab, die nach US-Angaben von zentraler Bedeutung für Teherans Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport ist.

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