Nahost-Konflikt: London warnt vor "wahllosen" iranischen Angriffen

Nahost - Nach der Tötung von Irans oberstem Führer Ajatollah Ali Chamenei bei amerikanisch-israelischen Luftangriffen haben die Revolutionsgarden des Landes Rache geschworen.

Nach dem Tod Chameneis kündigen Irans Revolutionsgarden Vergeltung an.
Nach dem Tod Chameneis kündigen Irans Revolutionsgarden Vergeltung an.  © Vahid Salemi/AP/dpa

"In Kürze werden die größten militärischen Einsätze in der Geschichte der iranischen Streitkräfte gegen Israel und US-Stützpunkte in der Region beginnen", heißt es in einer Presseerklärung der Elitestreitmacht der Islamischen Republik.

Die Regierung kündigte 40 Tage öffentliche Trauer und 7 Feiertage an. Die gegenseitigen Angriffe gingen derweil in der Nacht weiter.

Der Iran feuerte Raketen Richtung Israel ab und griff US-Verbündete sowie amerikanische Stellungen in Nahost an. In der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv starb laut Medien eine Frau beim Einschlag einer Rakete in einem Wohnblock. Dutzende Menschen seien verletzt worden.

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Bei einem Drohnenangriff auf den internationalen Flughafen in Bahrain entstand Sachschaden, wie das dortige Innenministerium auf X mitteilte.

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1. März, 11.37 Uhr: London warnt vor "wahllosen" iranischen Angriffen

Der britische Verteidigungsminister John Healey warnt vor der Gefahr von "zunehmend wahllosen iranischen Vergeltungsangriffen". Es seien zwei Raketen Richtung Zypern abgefeuert worden.

"Wir glauben nicht, dass sie gezielt auf Zypern gerichtet waren", sagte Healey dem Sender Sky News. Es sei aber ein Beispiel dafür, dass es eine "sehr reale (...) Bedrohung durch ein Regime" gebe, das in der gesamten Region weit um sich schlage.

Großbritannien beteiligt sich im Nahen Osten an einem defensiven Militäreinsatz, wie Premierminister Keir Starmer bereits am Samstag mitgeteilt hatte. Healey erläuterte, dass britische Flugzeuge Drohnen und Raketen abschießen, wenn sie diese sehen. Die Einheiten starten demnach unter anderem in Bahrain und auf Zypern.

"Wenn ich also davon spreche, dass Großbritannien im Rahmen koordinierter regionaler Verteidigungsoperationen eine Rolle bei der Stärkung der regionalen Stabilität spielt, dann meine ich genau das", sagte Healey.

Er kritisierte außerdem, dass iranischen Kommandeuren zunehmend erlaubt werde, ihre eigenen Ziele auszuwählen, da das Land "die Kontrolle über seine Befehls- und Kommandostrukturen verliert".

Großbritannien beteiligt sich an einem defensiven Militäreinsatz. Der Verteidigungsminister warnt vor wahllosen iranischen Angriffen.
Großbritannien beteiligt sich an einem defensiven Militäreinsatz. Der Verteidigungsminister warnt vor wahllosen iranischen Angriffen.  © Jonathan Brady/PA Wire/dpa

1. März, 11.35 Uhr: Netanjahu ruft Iraner zum Aufstand auf

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Bevölkerung im Iran in einer auf Farsi verbreiteten Videobotschaft zum Sturz der politischen Führung in Teheran aufgerufen.

Die Ansprache wurde allem Anschein nach mit Künstlicher Intelligenz (KI) auf Farsi erstellt. "Bürger des Irans, lasst euch diese Gelegenheit nicht entgehen", sagte Netanjahu dort.

Er rief die Iraner auf, auf die Straße zu gehen, "um die Sache zu vollenden, um das Terrorregime zu stürzen, das euer Leben zur Hölle gemacht hat". Netanjahu kündigte zudem an, Israel werde in den kommenden Tagen "Tausende Ziele des terroristischen Regimes" angreifen, um die "Bedingungen für das mutige Volk des Irans zu schaffen, sich von den Ketten der Tyrannei zu befreien".

1. März, 11.20 Uhr: Ermordung von Chamenei ist offene Kriegserklärung

Irans Präsident Massud Peseschkian hat die gezielte Tötung von Religionsführer Ali Chamenei als offene Kriegserklärung bezeichnet. Diese richte sich gegen alle Muslime, insbesondere aber gegen alle Schiiten weltweit.

Peseschkian erklärte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna: "Der Iran betrachtet die Vergeltung und Blutrache an den Tätern und Drahtziehern dieses Verbrechens als Pflicht und legitimes Recht."

Chamenei sei ein "Märtyrer", dessen Standhaftigkeit ihn in die Geschichtsbücher eingeschrieben habe.

Nach der Tötung Chameneis spricht Irans Präsident von einer Kriegserklärung.
Nach der Tötung Chameneis spricht Irans Präsident von einer Kriegserklärung.  © Vahid Salemi/AP/dpa

1. März, 10.40 Uhr: Mehrere Tote nach Protesten am US-Konsulat in Pakistan

Nach der Tötung von Irans oberstem Führer Ajatollah Ali Chamenei sind bei Protesten am US-Konsulat in der pakistanischen Millionenstadt Karachi mehrere Demonstranten ums Leben gekommen.

"Wir haben mindestens neun Leichen erhalten", sagte Jasso Ram, Sprecher des Zivilkrankenhauses von Karatschi, der Deutschen Presse-Agentur. Demnach könne die Zahl der Opfer noch steigen. Mehr als 25 Menschen, die bei den Zusammenstößen verletzt worden waren, würden behandelt.

Der Leiter einer der größten Rettungsdienste der Stadt, Faisal Edhi, bestätigte, dass seine Organisation mindestens sieben Leichen ins Krankenhaus gebracht habe.

Aufnahmen in Netz sollen zeigen, wie Demonstranten mit Stöcken und Steinen Fenster einschlugen. Die Polizei setzte nach Behördenangaben Tränengas und Schlagstöcke ein. Demonstranten skandierten Parolen gegen die USA und marschierten in Richtung des Konsulatsviertels, wo sie versuchten, in das Gelände einzudringen, wie es hieß.

Unterdessen verschärften die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen in Pakistans Hauptstadt Islamabad. Straßen zur sogenannten Roten Zone mit Botschaften und wichtigen Regierungsgebäuden wurden gesperrt.

Demonstranten versuchen, das US-Konsulat in Karachi zu stürmen. Die Polizei setzt Tränengas ein.
Demonstranten versuchen, das US-Konsulat in Karachi zu stürmen. Die Polizei setzt Tränengas ein.  © Muhammad Farooq/AP/dpa

1. März, 10.37 Uhr: Öltanker vor Küste Omans angegriffen

Vor der Küste des Golfstaats Oman ist nach staatlichen Angaben ein Öltanker angegriffen worden.

Der Tanker "Skylight" sei etwa neun Kilometer vor der omanischen Küste bei Musandam attackiert worden, meldete die Nachrichtenagentur Oman News Agency unter Berufung auf das omanische Zentrum für maritime Sicherheit.

Dabei seien vier Personen verletzt worden. Die 20-köpfige Besatzung des Schiffs unter der Flagge des pazifischen Inselstaats Palau sei evakuiert worden. Weitere Details waren zunächst nicht bekannt.

Der Vorfall ereignete sich nahe der Straße von Hormus. Die iranische Nachrichtenagentur hatte gestern gemeldet, dass die iranischen Revolutionsgarden den Schiffsverkehr der strategisch wichtigen Meerenge eingeschränkt haben.

Demnach erhielten Schiffe wiederholt Funkmeldungen, in denen ihnen die Durchfahrt untersagt wurde. Die Besatzungen würden aufgefordert, die Maschinen zu stoppen und sich auf ein mögliches Entern vorzubereiten, hieß es.

1. März, 10.33 Uhr: Israel greift Ziele im Herzen von Teheran an

Erneut hat es in der iranischen Hauptstadt Teheran laute Explosionen gegeben.

Die israelische Armee teilte mit, man greife "Ziele des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran an". Einwohner berichteten, es handele sich offenbar um Angriffe im Stadtzentrum.

Die israelische Armee gab an, sie habe im Verlauf des vergangenen Tages großangelegte Angriffe im Iran ausgeführt, "um die Lufthoheit herzustellen und den Weg nach Teheran zu ebnen".

Nach lauten Explosionen in Teheran bestätigt Israels Militär Angriffe auf Ziele im Stadtzentrum.
Nach lauten Explosionen in Teheran bestätigt Israels Militär Angriffe auf Ziele im Stadtzentrum.  © Vahid Salemi/AP/dpa

1. März, 10.31 Uhr: Dubai meldet Schäden und Verletzte bei Drohnenabwehr

In Dubai in den Vereinigten Arabischen Emirate sind bei der Abwehr von Drohnenangriffen zwei Menschen verletzt worden.

Trümmerteile seien in die Höfe von zwei Wohnhäusern gefallen, teilte das Medienbüro von Dubai mit. Explosionsgeräusche in der Stadt seien auf Abfangraketen zurückzuführen, hieß es weiter.

1. März, 9.43 Uhr: CIA spürte Aufenthaltsort von Chamenei auf

Der US-Auslandsgeheimdienst CIA hat laut einem Bericht der "New York Times" eine wichtige Rolle vor dem Angriff auf Irans obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei gespielt.

Die US-Zeitung berichtete unter Berufung auf mehrere nicht genannte Personen, die mit dem Einsatz vertraut sein sollen, der Auslandsgeheimdienst habe Chamenei über Monate verfolgt und dabei Kenntnisse über seine Aufenthaltsorte und Gewohnheiten erlangt.

Die CIA soll erfahren haben, dass am Samstagmorgen in einem Gebäudekomplex im Herzen Teherans ein Treffen hochrangiger iranischer Offizieller stattfinden sollte und sich Chamenei dort aufhalten würde. Daraufhin sollen die USA und Israel den Zeitpunkt ihrer Angriffe auf den Iran angepasst haben. Ursprünglich sei laut dem Zeitungsbericht geplant gewesen, nachts anzugreifen.

1. März, 9.11 Uhr: Auch Irans Generalstabschef bei US-israelischen Angriffen getötet

Bei den Luftangriffen Israels und der USA auf den Iran ist örtlichen Medien zufolge auch der Generalstabschef der iranischen Streitkräfte, Abdolrahim Mussawi, getötet worden.

Im iranischen Staatsfernsehen wurde am Sonntag der Name Mussawis gemeinsam mit den Namen anderer getöteter hochrangiger Vertreter genannt. Zuvor war bereits der Tod des Anführers der iranischen Revolutionsgarden, Mohammed Pakpur, und des Vorsitzenden des nationalen Verteidigungsrats, Ali Schamchani, bekannt gegeben worden.

Wie das Staatsfernsehen weiter berichtete, wurden die Verantwortlichen "während einer Sitzung des Verteidigungsrates" getötet. Weitere Namen würden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben, hieß es.

Auch Irans Generalstabschef Abdolrahim Mussawi (l.) wurde bei den amerikanisch-israelischen Angriffen getötet.
Auch Irans Generalstabschef Abdolrahim Mussawi (l.) wurde bei den amerikanisch-israelischen Angriffen getötet.  © Uncredited/Iranian Defense Ministry/dpa

1. März, 8.28 Uhr: Iran bezeichnet Pläne der USA und Israel als "vereitelt"

Nach den schweren Angriffen im Iran und der Tötung des Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei hat der Generalsekretär des Sicherheitsrats, Ali Laridschani, das Vorhaben der USA und Israels als "vereitelt" bezeichnet.

"Die USA und Israel haben sich verkalkuliert und wollten mit gezielten Angriffen auf militärische Einrichtungen und der Tötung hochrangiger Funktionäre Unruhe und einen Machtwechsel im Iran auslösen", sagte Laridschani laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Die Bevölkerung habe jedoch geschlossen reagiert und diese Pläne vereitelt, behauptete er.

Zugleich kündigte Laridschani an, die iranischen Streitkräfte würden die Angriffe auf US‑Stützpunkte in der Region fortsetzen.

Titelfoto: Jonathan Brady/PA Wire/dpa

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