NFL-Kolumne: Brady gegen Mahomes, ein fliegender Flitzer und der Doppelwumms von London

USA - Der vierte Spieltag begann für die deutschen Fans der National Football League (NFL) bereits am Nachmittag. Die "London Games" fanden erstmalig in dieser Saison statt - mit dem vielleicht besten NFL-Spiel auf der Insel.

Die 15 Sekunden Ruhm dieses Zuschauers, der auf das Spielfeld rannte, endeten, nachdem die Rams-Spieler an ihm die Handbremse gezogen hatten.
Die 15 Sekunden Ruhm dieses Zuschauers, der auf das Spielfeld rannte, endeten, nachdem die Rams-Spieler an ihm die Handbremse gezogen hatten.  © EZRA SHAW / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / GETTY IMAGES VIA AFP

Dass es zwischen den Minnesota Vikings und den personell geschwächten New Orleans Saints beim 100. Ligaspiel außerhalb der USA eng werden könnte, war zu erhoffen.

Dass die Partie jedoch zwei Sekunden vor Schluss die Entscheidung brachte, war natürlich das Sahnehäubchen für die nach London gereisten Fans. Bei einem 25:28-Rückstand versuchte Kicker Wil Lutz (28), aus 61 Yards Entfernung die Verlängerung zu erzwingen.

Kurz zuvor hatte er bereits aus 60 Yards getroffen. Jedoch war der eine Fast-Meter entscheidend, denn Lutz schoss das Ei zuerst gegen den linken Pfosten, von dort auf den Querbalken und dann hing alles davon ab, ob er vorne oder hinten runterrollt. Der Doppelwumms von London, wie mag er ausgehen?

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Da der Schutzpatron der "Heiligen" (engl. "Saints") vermutlich gerade nochmal Chips holen war, blieb der Jubel am Ende beim Kicker aus - dafür freuten sich die Wikinger.

Ebenfalls freuen durften sich die Zuschauer im Stadion der San Francisco 49ers - auf beiden Seiten. Zu Gast war der amtierende Champion, die Los Angeles Rams, die ohne einen Touchdown zu erzielen ihre inzwischen siebte Saison-Niederlage in Folge gegen Rot-Gold kassierten.

Heimpleiten-Ravens machen aus 20:3-Führung eine 20:23-Pleite

Warte, nimm du: Kurz vor der Endzone passt Patrick Mahomes (27, l.) zielsicher zu einem erneuten Touchdown für die Chiefs.
Warte, nimm du: Kurz vor der Endzone passt Patrick Mahomes (27, l.) zielsicher zu einem erneuten Touchdown für die Chiefs.  © Douglas P. DeFelice / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP

Mit 9:24 mussten die Rams den Kurztrip in die Nachbarstadt beenden, doch die Szene des Spiels hatte Linebacker Bobby Wagner (32). Als das Spiel wegen eines (bekleideten) Flitzer mit Rauchsignal unterbrochen werden musste, fiel ihm an der Seitenlinie plötzlich ein: "Sekunde. Mein Job ist es doch, laufende Leute umzuhauen!"

Kurzerhand unterstützte er also die schon abgehängten Stadion-Ordner und brachte den Störenfried unter situationsbedingtem Humor-Beifall in die Horizontale.

Schön anzusehen waren auf jeden Fall die Comeback-Spiele. Die bisher ungeschlagenen Philadelphia Eagles machten einen 0:14-Rückstand zu einem 29:21-Sieg über die Jacksonville Jaguars und die Baltimore Ravens verloren - fast schon traditionell - vor heimischer Kulisse nach einer 20:3-Führung mit 20:23 gegen die Buffalo Bills.

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Doch das Game of the Week war ganz klar das Quarterback-Duell zwischen Patrick Mahomes (27) und QB-Ikone Tom Brady (45).

Kommt die Rache für die Super-Bowl-Pleite von 2021, als Mahomes' Kansas City Chiefs sang- und klanglos gegen Bradys Tampa Bay Buccaneers mit 9:31 untergingen? Wie bereits in der Kolumne der vergangenen Woche angekündigt, wollte man in dieser Woche vieles sein - aber nicht der Gegner der Chiefs.

Offenbar liest aber Tom Brady die NFL-News-Seite von TAG24 nicht, oder ich habe ihn demotiviert: "Uh, der Schimpfhauser glaubt, wir haben keine Chance. Wir sind verloren, Jungs." Jep. Genau so wird die selbst erfüllende Prophezeiung abgelaufen sein, da bin ich mir sicher.

Bradys Buccaneers laufen drei Yards - im kompletten Spiel

Highlight-Chance für London: Mit den New York Giants und den Green Bay Packers kommen zwei Teams mit je drei Siegen und einer Niederlage auf die Insel. (Archiv)
Highlight-Chance für London: Mit den New York Giants und den Green Bay Packers kommen zwei Teams mit je drei Siegen und einer Niederlage auf die Insel. (Archiv)  © AL BELLO / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP

Denn die Buccaneers hatten vor heimischer Kulisse keine Chance, gegen Kansas City. Bezeichnend: Die Gastgeber schafften eine Bilanz von lächerlichen drei erlaufenen Yards. Drei! Nicht pro Versuch. Im ganzen Spiel.

Die Chiefs spielten stellenweise Katz und Maus mit den Bucs, testeten ein paar Trickspielzüge, zauberten nach 46 Sekunden bereits den ersten Touchdown auf die Anzeigetafel. Es war, als ob die Harlem Globe Trotters und die Washington Generals eine Football-Ausrüstung anhatten. Mit 41:31 gewannen die ständig vorne liegenden Gäste problemlos.

Das Highlight in der kommenden Woche findet zu bester deutscher Zuschauerzeit statt: Um 15.30 Uhr treffen in London New York Giants auf die Green Bay Packers.

Erstmals (man belehre mich eines Besseren, sollte ich irren) spielen damit zwei Mannschaften mit einem Winning Rekord - beide haben drei Siege und eine Niederlage - in Großbritannien.

Und: Erstmals treffen zwei Teams aufeinander, die nicht so extrem unterm Radar laufen, dass sie gefühlt das eigene Stadion nicht mal vollkriegen würden. Einschalten und mitjubeln. Mein Tipp: Überraschend enge Kiste, aber am Ende gewinnen die Packers mit weniger als einem Touchdown Unterschied.

Alle Ergebnisse aus dem 4. Spieltag in der National Football League

So haben die Mannschaften in der 4. Woche der National Football League gespielt. (Wie für die NFL typisch, steht das Auswärtsteam an erster Stelle, in den Klammern stehen Siege-Niederlagen und ggf. an letzter Stelle die Unentschieden.)

Minnesota Vikings (3-1) @ New Orleans Saints (1-3) 28:25

Los Angeles Rams (2-2) @ San Francisco 49ers (2-2) 9:24

Jacksonville Jaguars (2-2) @ Philadelphia Eagles (4-0) 21:29

Buffalo Bills (3-1) @ Baltimore Ravens (2-2) 23:20

Kansas City Chiefs (3-1) @ Tampa Bay Buccaneers (2-2) 41:31

Miami Dolphins (3-1) @ Cincinnati Bengals (2-2) 15:27

Cleveland Browns (2-2) @ Atlanta Falcons (2-2) 20:23

Washington Commanders (1-3) @ Dallas Cowboys (3-1) 10:25

Seattle Seahawks (2-2) @ Detroit Lions (1-3) 48:45

Los Angeles Chargers (2-2) @ Houston Texans (0-3-1) 34:24

Tennessee Titans (2-2) @ Indianapolis Colts (1-2-1) 24:17

Chicago Bears (2-2) @ New York Giants (3-1) 12:20

New York Jets (1-2) @ Pittsburgh Steelers (1-2) 24:20

Arizona Cardinals (1-2) @ Carolina Panthers (1-2) 26:16

New England Patriots (1-3) @ Green Bay Packers (3-1) 24:27

Denver Broncos (2-2) @ Las Vegas Raiders (1-3) 23:32

Titelfoto: Douglas P. DeFelice / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP

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