Wie diese Raubkopierer im Schlaf zu Milliardären wurden

Leipzig - Bitcoins im Wert von über 7,2 Milliarden Euro mit Streams von Raubkopien! In Leipzig stehen aktuell die mutmaßlichen Hintermänner des illegalen Streamingportals "movie2k" vor Gericht. Und ganz Deutschland fragt sich: Wie ist es den Cyberkriminellen gelungen, solch ein riesiges Vermögen anzuhäufen?

Für Prof. Lars Hornuf (43), Experte für Cyberkriminalität und Kryptowährungen an der TU Dresden, hat die Beute im Fall "movie2k" eine einzigartige Dimension.  © Steffen Füssel

Liegt die Generalstaatsanwaltschaft mit ihrer Anklage richtig, dann waren Josef F. (42) und Dustin O. (39) nach Abschaltung ihres Portals 2013 im Besitz von mehr als 136.000 Bitcoin. Heutiger Zeitwert: über 7,27 Milliarden Euro!

Auch im internationalen Vergleich im Bereich der Cyberkriminalität sei diese Gewinnsumme aus illegalen Geschäften einzigartig, sagt Lars Hornuf, Experte für Cyberkriminalität und Kryptowährungen an der TU Dresden.

Zwar waren etwa im Fall des Schwarzmarktportals "Silk Road" in den USA mehr Bitcoin sichergestellt worden. "Allerdings hatten sie einen wesentlich geringeren Gegenwert in US-Dollar oder Euro, da zu dem Zeitpunkt der Bitcoin noch einen viel geringeren Wert hatte", so der Wirtschafts-Professor.

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Im Fall "movie2k" kam den jetzt Angeklagten zugute, dass Josef F. so lange im Ausland untertauchen konnte. Auf der Flucht wurde der Kopf hinter dem Portal gewissermaßen im Schlaf zum Beute-Milliardär. Denn tatsächlich erzielten die Cyberkriminellen mit ihrem Portal bis 2013 allenfalls einstellige Millionen-Gewinne - und legten diese in Bitcoins an.

Die 2009 an den Markt gebrachte Kryptowährung hatte damals nur einen Bruchteil ihres heutigen Wertes. Im Mai 2013 kostete ein Bitcoin etwa 100 Euro.

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Die Angeklagten, wie sie der Gerichtszeichner sieht: Josef F. (42, r.) soll der Kopf von "movie2k" gewesen sein und noch Bitcoins im Milliardenwert versteckt halten. Dustin O. (39, l.) war laut Anklage Geldwäscher und Hauptadministrator des Raubkopienportals.  © Sigurd Memoria

Kriminelle weichen inzwischen auf andere Kryptowährungen aus

Wollen vor Gericht auch erreichen, dass der Freistaat den Milliarden-Schatz behalten darf: Oberstaatsanwalt Robert Gutte (l.) und Staatsanwalt Patrick Pintaske von der Generalstaatsanwaltschaft Sachsen.  © Ralf Seegers

Doch dann wurde es rasant. Die Kryptowährung erlebte eine wahnwitzige Rallye mit durchschnittlichen jährlichen Renditen von 230 Prozent. Am 6. Oktober 2025 erreichte der Bitcoin mit 126.199 Dollar (ca. 108.000 Euro) seinen bisherigen Höchststand. Gestern notierte die Kryptowährung bei 62.153 Euro.

Nach seiner Verhaftung 2023 übergab Josef F. der Justiz insgesamt 49.858 Bitcoins. Da Sachsens Behörden einen Wertverlust befürchteten, versilberten sie im Sommer 2024 den Bitcoin-Schatz für rund 2,64 Milliarden Euro!

Den Ermittlungen zufolge soll Josef F. noch mehr als 50.000 Bitcoins besitzen.

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Die Investition in Bitcoins stellte für Kriminelle lange Zeit eine Möglichkeit dar, ihre Einnahmen abzusichern, erklärt Hornuf.

Der Bitcoin - in die Kryptowährung haben Kriminelle in der Vergangenheit oft ihre Gewinne investiert.  © 123RF

Zumindest in der Vergangenheit habe man geglaubt, dass die Ermittlungsbehörden nur schwer Zugriff hätten, da nicht klar war, ob die Wallet Provider ihre Identität preisgeben müssen. Inzwischen sei das aber häufig der Fall, so Hornuf. Kriminelle wichen daher vermehrt auf unbekanntere Kryptowährungen aus.

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