Bizarrer Rechtsstreit: Frau soll sieben Jahre ins Gefängnis, weil sie Tomatensoße nicht mag

Lagos (Nigeria) - Einer 39-jährige Nigerianerin droht eine Freiheitsstrafe von bis zu sieben Jahren, weil sie eine Dose Tomatenpüree als zu "süß" empfand und eine entsprechende Bewertung verfasste.

Soll ein Hassverbrechen begangen haben, weil sie die Qualität einer Dose Tomatenpüree bezweifelte: Chioma Okoli (39) wird seit Monaten von der nigerianischen Justiz verfolgt.
Soll ein Hassverbrechen begangen haben, weil sie die Qualität einer Dose Tomatenpüree bezweifelte: Chioma Okoli (39) wird seit Monaten von der nigerianischen Justiz verfolgt.  © Facebook/Chioma Egodi Jnr

Dieser bizarre Rechtsstreit hält Nigeria in Atem.

Der Unternehmerin Chioma Okoli aus der Metropole Lagos droht ein Strafverfahren wegen Verleumdung und Verstößen gegen die Internetgesetze des afrikanischen Landes. Zudem fordert Konservenproduzent Erisco mindestens 3,5 Millionen Euro Entschädigung.

Der Vorwurf: Okoli soll "mit der Absicht, die Menschen gegen Erisco-Foods aufzuhetzen" Unwahrheiten verbreitet haben, heißt es in der Anklageschrift.

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Am 17. September letzten Jahres fragte die 39-Jährige laut eines Berichts des Senders CNN ihre mehr als 18.000 Follower bei Facebook nach ihre Meinung über das Tomatenpüree der Firma Erisco. Sie habe das Produkt nämlich als "zu süß" empfunden und wolle zukünftig lieber wieder zu ihrer angestammten Marke greifen, so die Hobby-Köchin damals. Es folgte eine lebhafte Diskussion unter den Followern.

Ein Kommentar stach besonders raus: "Hör auf das Produkt meines Bruders schlecht zu machen. Wenn es dir nicht gefällt, nimm ein anderes, anstatt es in den sozialen Medien zu verbreiten", verlangte eine Userin.

Okolis Antwort: "Hilf mir doch, deinem Bruder zu überzeugen, die Leute nicht mehr mit seinem Produkt zu ver***en, ich habe es gestern zum ersten Mal benutzt und es ist voller Zucker."

Nur eine Woche später wurde die dreifache Mutter von Beamten in Zivil nach dem Gottesdienst abgeführt.

Die Tomatenpaste war ihr eben etwas zu süß.
Die Tomatenpaste war ihr eben etwas zu süß.  © PR/Erisco

Chioma Okoli muss Qualen ertragen

Tomatenfabrikant Eric Umeofia will die enttäuschte Kundin hinter Gittern sehen.
Tomatenfabrikant Eric Umeofia will die enttäuschte Kundin hinter Gittern sehen.  © Screenshot: Arise News

Chioma Okoli musste mehr als 24 Stunden in einer tropfnassen Zelle verbringen - ohne Bett oder Stühle. Nur der Gedanke an ihre Kinder habe sie durchhalten lassen, berichtet Frau Okoli bei CNN.

Später wurde Okoli mit einem Privatjet in die Landeshauptstadt Abuja ausgeflogen, wo man sie in einer Polizeistation festhielt. Erst als sie einwilligte, sich bei der Konservenfabrik zu entschuldigen, habe man sie gegen Kaution gehen lassen, schildert die vermeintliche Hassverbrecherin.

Doch der Horror sollte da erst beginnen. Immer wieder muss die Unternehmerin vor Gericht erscheinen. Im Januar stürmte die Polizei erneut ihr Haus, wollte Okoli trotz hinterlegter Kaution festnehmen. Später kamen weitere Anklagepunkte hinzu. Sieben Jahre Haft und umgerechnet 3,5 Millionen Euro Entschädigung fordern die Anwälte der Tomatenfabrik inzwischen.

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Seine völlig überzogenen Forderungen begründet Erisco-Präsident Eric Umeofia mit dem geschäftsschädigenden Gebaren der enttäuschten Kundin und entgangenen Aufträgen. Er sieht ein "internationales Syndikat" am Werk, und hält den kritischen Facebook-Post für ein "Hassverbrechen".

Viele folgen Boykottaufrufe gegen Erisco-Foods

Viele Nigerianer haben sich einem Boykott des Unternehmens angeschlossen.
Viele Nigerianer haben sich einem Boykott des Unternehmens angeschlossen.  © Screenshot: Facebook

Doch der bizarre Fall droht für Konservenfabrik Erisco nun endgültig zum Fiasko zu werden.

Denn: Inzwischen sind viele Nigerianer nicht nur mit den fragwürdigen Methoden von Erisco vertraut. Jetzt ist auch noch Amnesty-International aktiv geworden. "Die Schikanen und Einschüchterungen gegen Chioma Okoli müssen sofort aufhören", forderte die Menschenrechtsorganisation unlängst.

Überdies mischt das Unternehmen gemäß Zutatenliste reichlich Zucker und Zusatzstoffe seinen Produkten bei.

Dem PR-Schaden zum Trotz: Erisco Foods will die Klage gegen die enttäuschte Kundin unbedingt durchziehen. "Lieber würde ich sterben, als zuzulassen, dass jemand mein Image befleckt, an dem ich 40 Jahre lang gearbeitet habe", erklärt Tomatenfabrikant Eric Umeofia im Interview mit dem Fernsehsender "Arise News".

Doch Frau Okolis Kampf für Meinungsfreiheit und Gerechtigkeit wird von vielen Nigerianern geteilt. Unzählige Menschen haben sich einem Boykottaufruf gegen Erisco angeschlossen.

Titelfoto: Montage: Facebook/Chioma Egodi Jnr, PR/Erisco

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