Bristol (Großbritannien) - Was früher einfach im Klo verschwand, könnte jetzt die Umwelt retten: Wissenschaftler aus Großbritannien setzen auf menschlichen Urin, um ganze Wälder entstehen zu lassen.
Bei großen Events wie Marathons oder Musikfestivals wird Urin zunächst gezielt gesammelt und weiterverarbeitet, wie BBC berichtet.
Das Start-up NPK Recovery nutzt die enthaltenen Nährstoffe und macht daraus einen Dünger, mit dem Pflanzen wieder wachsen können.
In Wales sollen so rund 4500 Bäume gepflanzt werden, darunter heimische Arten wie Buche und Kiefer. Ziel ist ein komplett neuer Wald, der langfristig bestehen bleibt.
Klingt erstmal eklig, hat aber wissenschaftlich Hand und Fuß. Urin enthält wichtige Stoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium – genau das, was Pflanzen brauchen.
In einem speziellen Verfahren werden Schadstoffe herausgefiltert, sodass am Ende ein geruchloser und sicherer Dünger entsteht, der laut Tests genauso gut wirkt wie herkömmliche Produkte.
So verlockend die Idee ist – zum Nachmachen ist sie nicht gedacht
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Dünger wird weltweit immer teurer – nicht zuletzt aufgrund internationaler Krisen wie dem Krieg im Iran.
Deshalb suchen Forscher nach nachhaltigen Alternativen und finden sie ausgerechnet dort, wo man sie am wenigsten erwartet hätte.
"Wir müssen aufhören, Nährstoffe für das Pflanzen- und Baumwachstum einfach in die Toilette zu spülen und anfangen, sie zur Verbesserung unserer Düngemittelversorgung zu nutzen. Schließlich wird uns der Urin so schnell nicht ausgehen", meinte Lucy Bell-Reeves, Mitbegründerin von NPK Recovery.
Wer jetzt denkt, er könne direkt selbst loslegen, sollte vorsichtig sein: Unbehandelter Urin enthält auch Schadstoffe und ist für Pflanzen nicht geeignet. Erst durch die aufwendige Verarbeitung wird daraus ein echter Umwelt-Booster.