Zentimeter-Irrsinn verschlingt Unsummen: Sicherheitsdienst muss Schulgeländer bewachen

Von Sandra Trauner, Maximilian Hölzel

Frankfurt am Main - Behörden-Irrsinn! Weil das Geländer der Frankfurter Fraunhofschule nur 103 und nicht 110 Zentimeter hoch ist, sitzen dort zwölf Wachleute im Treppenhaus - für einen fünfstelligen Betrag wöchentlich. Die Schulleiterin ist fassungslos.

Auch Schulleiterin Solmaz Heidlindemann zeigt sich vom Einsatz der Behördenentscheidung irritiert.
Auch Schulleiterin Solmaz Heidlindemann zeigt sich vom Einsatz der Behördenentscheidung irritiert.  © Lea Winkler/dpa

Momentan seien "zwölf Personen zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Posten in den Treppenhäusern im Einsatz", sagte eine Sprecherin des zuständigen Dezernats der Deutschen Presse-Agentur.

Die hohen Kosten dafür trägt die Stadt und damit indirekt auch der Steuerzahler - und das wegen gerade einmal sieben Zentimetern.

In der Frauenhofschule, einer Grundschule im Stadtteil Niederrad, seien die fehlenden Zentimeter bei einer Routinebegehung aufgefallen, so die Sprecherin: Es misst statt 110 nur 103 Zentimeter.

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Bis eine "bauliche Lösung" gefunden ist, werde das Geländer bewacht. "Die Situation wird voraussichtlich noch zwei bis vier Wochen so bestehen bleiben", sagte die Sprecherin. Dafür fallen nach Angaben der Stadt aktuell Kosten von rund 13.700 Euro brutto pro Woche an.

Solmaz Heidlindemann, die die Frauenhofschule aktuell vertretungsweise leitet, war "baff", als am vergangenen Freitag der Anruf des Amts für Bau und Immobilien (ABI) kam, wie sie im dpa-Interview berichtet.

Geländer hat 100 Jahre niemanden gestört

An der Fraunhofschule im Frankfurter Stadtteil Niederrad hatte das Geländer über 100 Jahre niemanden interessiert.
An der Fraunhofschule im Frankfurter Stadtteil Niederrad hatte das Geländer über 100 Jahre niemanden interessiert.  © Lea Winkler/dpa

Am Montag sei dann der Sicherheitsdienst angerückt, seither säßen Wachleute auf Kinderstühlen im Treppenhaus. 

Das Geländer sei seit 100 Jahren so "und bisher hat es niemanden gestört". Soweit sie wisse, habe es auch nie einen Unfall gegeben.

Die Schulleiterin ist sicher, dass man für wenig Geld im Baumarkt etwas hätte finden können, um das Geländer zu sichern - wenn das denn überhaupt nötig sei. 

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"Für die Bewachung werden jetzt Steuergelder verbraten, die dringend für die Schulen benötigt würden", sagt Heidlindemann. Der ganze Fall zeige "die ganze Planlosigkeit und das Missmanagement" der Frankfurter Ämter und Behörden. 

Für das Dezernat für Bildung und Immobilien "gehören solche Vorgänge zur gängigen Arbeit des Objektmanagements". Die Stadt sei verpflichtet, alle gesetzlich geregelten Sicherheitsbestimmungen zu erfüllen. "Wenn Mängel auffallen, müssen diese behoben werden – unabhängig von den anfallenden Kosten."

Bewachung auch in den Ferien

Auch in den Osterferien, die in Hessen nächste Woche beginnen, wird das Geländer weiter bewacht. Dann allerdings könnte es günstiger werden, weil nur wenige Schüler da seien und einzelne Treppen gesperrt werden könnten.

Die Stadt rechnet dann nur noch mit 5000 bis 6000 Euro. Bei einem Ortstermin am Montag soll besprochen werden, wie es weitergeht.

Titelfoto: Lea Winkler/dpa

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