Verhütung im Mittelalter: So unglaublich waren die Methoden

Ekelhaft, haarsträubend und teilweise sogar lebensgefährlich – Verhütung im Mittelalter war nicht nur ziemlich unsicher, sondern teilweise auch risikobehaftet.

Wer im Mittelalter Sex "ohne Folgen" wollte, musste auf teils abenteuerliche Verhütungsmethoden setzen. (Symbolfoto)
Wer im Mittelalter Sex "ohne Folgen" wollte, musste auf teils abenteuerliche Verhütungsmethoden setzen. (Symbolfoto)  © 123RF/Dmytro

Eigentlich war Sex aus purer Lust und ohne Kinderwunsch im Mittelalter durch die Kirche verboten - und das sogar für Eheleute.

Im Mittelalter galt die geplante kinderlose Ehe oder Sex, ohne den Zweck Kinder zu zeugen, sogar als Prostitution, wird in Verhütung im Mittelalter von Mittelalter-Wolf berichtet.

Daran hielten sich aber längst nicht alle. Und natürlich gab es auch schon für die Menschen in dieser Zeit zahlreiche Gründe, keine Kinder zu zeugen und trotzdem seiner Lust auf die horizontale Liebe zu frönen – sei es, weil man nicht über genügend finanzielle Mittel verfügte, weitere Kinder zu versorgen, weil man einer Affäre nachging, als Prostituierte arbeitete oder weil man schlichtweg keine Lust auf Nachwuchs hatte.

So einfach wie das tägliche Schlucken der Antibabypille oder das Verwenden von hochwertigen Kondomen war die Verhütung im Mittelalter allerdings nicht.

Keuschheit – die wohl sicherste Methode zur Empfängnisverhütung

Auch wenn nicht jedem die Lust bei diesem Anblick vergeht – eine wirksame Methode zur Verhütung ist es allemal.
Auch wenn nicht jedem die Lust bei diesem Anblick vergeht – eine wirksame Methode zur Verhütung ist es allemal.  © 123RF/sergiobarrios

Sicherlich die Verhütungsmethode, die am wenigsten Spaß macht, dafür aber unheimlich wirksam ist: Enthaltsamkeit. Wer nicht schwanger werden oder jemanden schwängern möchte, der sollte sich am besten in sexueller Abstinenz üben.

Doch da es nicht immer so einfach ist, die Finger vom anderen Geschlecht zu lassen, wurden im Mittelalter einigen Damen (häufig den adligen jungen Mädchen, für die es schon einen besonderen Plan bzw. Ehemann gab) ein ganz besonderer Intimschmuck verpasst: ein Keuschheitsgürtel. 

Der Gürtel aus Metall oder dickem Leder verdeckte den Intimbereich so, dass das Eindringen in die Vagina unmöglich war. Da kann die Enttäuschung schon mal groß sein, wenn Mann nach dem "Auspacken" seines Schatzes merkt, dass die Pforten untenrum bereits komplett verschlossen sind. Auch "Peniskäfige" gab es.

Allerdings gibt es viele Quellen, die vermuten, ein langes Tragen, um eine Empfängnis zu verhüten, habe es allein schon wegen der Infektionsgefahr so nicht gegeben. Eher wurde der Keuschheitsgürtel kurzzeitig eingesetzt, um beispielsweise Prostituierte arbeitsunfähig zu machen, um ihr verdientes Geld einzutreiben. Heute finden moderne Ausführungen von Keuschheitsgürteln in der BDSM-Szene Anklang.

Wirksam ist diese Verhütungsmethode auf jeden Fall – es sei denn, Frau hat sich mit einem pfiffigen Mann vom Schlüsseldienst eingelassen.

Beliebte Methode zur Verhütung im Mittelalter: Coitus interruptus

Beim Coitus interruptus zieht der Mann seinen Penis aus der Vagina, bevor es zum Samenerguss kommt. Allerdings ist diese Verhütungsmethode nicht sonderlich sicher, da schon zuvor einige Spermien austreten können und der Orgasmus außerdem manchmal sehr plötzlich kommt.

Tatsächlich wenden aber bis heute, insbesondere junge Männer die Methode von Coitus interruptus als Verhütungsmethode an.

Einige Menschen sollten eventuell nicht nur nach Verhütungsmethoden des Mittelalters googeln, sondern sich lieber informieren, wie das mit den Bienchen und Blümchen funktioniert.


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Kondome aus Schweinedarm? Im Mittelalter angeblich üblich

"Schatz, sollen wir mal die mit Noppen ausprobieren?" Im Mittelalter wird man diese Frage wohl kaum gehört haben, auch hier gab es zwar die Qual der Wahl, doch standen keine Kondome mit Noppen, Geschmack oder in Regenbogenfarben zur Auswahl, sondern aus tierischen Membranen wie Fischblase, Tierdarm oder Leder. Letzteres dürfte nicht mal Lack- und Leder-Fetischisten das Herz erwärmen und so sicher wie heutige Kondome waren sie auch nicht.

Verwendet wurden Kondome allerdings nicht nur zur Verhütung, sondern auch um sexuell übertragbare Krankheiten wie Syphilis abzuwehren – nicht nur im Mittelalter sinnvoll.

Beim Gedanken an Kondome aus Tierdärmen kann man nur froh sein, nicht im Mittelalter zu leben.
Beim Gedanken an Kondome aus Tierdärmen kann man nur froh sein, nicht im Mittelalter zu leben.  © Unsplash/Dainis Graveris

Analsex – nicht nur im Mittelalter beliebte Verhütungsmethode

(Oral- und) Analsex galt als simple Methode, seinem Sexualtrieb nachzugehen, ohne das Risiko eingehen zu müssen, ein neues Leben auf den Weg zu bringen. Im Mittelalter wurde diese Sexualpraktik allerdings von der Kirche streng verurteilt, sogar mit Todesstrafe, berichtet wmn.de in "Verhütung im Mittelalter: Grausame Methoden & kein Erfolg".

Auch heute noch wird Analsex nicht nur der Lust wegen, sondern auch zur Verhütung oder zur Wahrung der Jungfräulichkeit praktiziert.

Beischlaf in der Stillzeit als Verhütungsmethode

Frauen in der Stillzeit produzieren das Hormon Prolaktin, das die Milchbildung anregt und gleichzeitig den Eisprung hemmt.

Ein sicheres Verhütungsmittel war und ist diese Methode allerdings nicht, denn ob die Hormonkonzentration hoch genug ist, um eine Befruchtung zu verhindern, lässt sich nicht so einfach zu Hause nachweisen und ist zudem von Frau zu Frau unterschiedlich.

Während der Stillzeit sind Frauen normalerweise nicht fruchtbar, verlassen sollte man sich darauf besser nicht.
Während der Stillzeit sind Frauen normalerweise nicht fruchtbar, verlassen sollte man sich darauf besser nicht.  © 123RF/Stanislav Uvarov

Kräuterkunde im Mittelalter zur Empfängnisverhütung

Für sehr viele Verhütungsmittel im Mittelalter wurde die Kräuterkunde genutzt. Dabei wurden zum Beispiel Salben für den Intimbereich zusammengerührt, die die Empfängnis verhindern sollten, indem sie zum Beispiel die Spermien abtöteten oder unbeweglicher machten. Auch getränkte Wattebäusche wurden in die Vagina eingeführt, um dort ihre empfängnisverhütende Wirkung zu entfalten.

Zwar waren diese Verhütungsmethoden manchmal auch erfolgreich, oft aber auch mit einem Risiko für die Gesundheit verbunden, da die Salben und Tinkturen mitunter Krämpfe auslösten oder Ausschläge und Entzündungen hervorriefen.

Abtreibung im Mittelalter: schmerzhaft und mitunter tödlich

Grausam, aber wahr: Im Mittelalter wurde häufig mittels unfassbar schmerzhafter und gesundheitlich bedenklicher Methoden abgetrieben. Das ist zwar keine Verhütungsmöglichkeit im eigentlichen Sinne, aber eine gängige Methode zu dieser Zeit, um eine Fortpflanzung zu vermeiden.

Auch hier kamen verschiedene Kräuter zum Einsatz, die in die Vagina eingeführt wurden, aber auch pur oder als Teeaufguss verzehrt wurden. Auch wurde der Körper durch Extremsport, Aderlass und weiteren Anstrengungen körperlichen Grenzsituationen ausgesetzt, um eine Fehlgeburt zu fördern. Für die Frauen waren diese Prozeduren meist mit höllischen Krämpfen und schweren Blutungen verbunden.

Vielfach starben nicht nur die Föten, sondern auch die Schwangeren bei den buchstäblich mittelalterlichen Methoden der Abtreibung.

Empfängnisverhütung im Mittelalter selten gewünscht

Verhütungsmethoden gab es einige im Mittelalter. Allerdings muss man bei diesem Thema auch erwähnen, dass Sexualität zu dieser Zeit einen ganz anderen Stellenwert hatte als in der heutigen Gesellschaft und dass Nachwuchs in den meisten Fällen durchaus erwünscht war und eher selten verhindert werden sollte. Kinder wurden damals als Arbeitskräfte oder Thronfolger gesehen und erfüllten den Auftrag Gottes, sich zu vermehren.

Je mehr Kinder, desto besser – da war jedes (Kuckucks-)Kind eher Segen und der Wunsch Gottes, den man zu erfüllen hatte.

Titelfoto: 123RF/Dmytro

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