Größtes Flugzeug der Welt: Lufthansa bringt A380 zurück

München - Blasmusik darf nicht fehlen, wenn in München ein neuer Flugzeug-Typ zu einem Lufthansa-Linienflug abhebt. Wobei die A380 von Airbus eigentlich gar nicht so neu ist, sondern nur eine Pause von gut drei Jahren eingelegt hat.

Eine Lufthansa-Maschine des Typs Airbus A380 rollt nach der Landung auf dem Flughafen in München in einen Hangar.
Eine Lufthansa-Maschine des Typs Airbus A380 rollt nach der Landung auf dem Flughafen in München in einen Hangar.  © Peter Kneffel/dpa

Am Donnerstag, dem 1. Juni um 15.35 Uhr, soll der Lufthansa-Jet D-AIMK mit musikalischer Begleitung einen Neu-Start hinlegen und den Sommer über täglich nach Boston fliegen. Zum amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli kommt eine tägliche Verbindung von München nach New York hinzu.

Die A380 ist das größte Passagierflugzeug der Welt und galt einige Jahre lang als Symbol der technischen Leistungsfähigkeit, wenn nicht sogar Überlegenheit des europäischen Airbus-Verbundes.

Doch schnell stellte sich heraus, dass ein kosten- und umweltgünstiger Betrieb des Vierstrahlers nur möglich ist, wenn nahezu alle Plätze verkauft werden. Das war global nur auf wenigen Rennstrecken möglich und führte dazu, dass letztlich nur 251 der Riesen-Vögel gebaut wurden. Zum Vergleich: Vom Boeing-Jumbo 747 wurden in einer allerdings deutlich längeren Spanne 1574 Exemplare ausgeliefert.

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Die ersten A380 sind bereits abgewrackt. Das letzte Flugzeug ging im Dezember 2021 an den größten Kunden Emirates, der für sein ehrgeiziges Wachstumsprogramm am Drehkreuz Dubai alleine 123 Maschinen abgenommen hat.

Mit 14 Flugzeugen war Lufthansa nach den Arabern und Singapore Airlines der weltweit drittgrößte A380-Kunde und hatte wegen der Buchungsprobleme schon vor der Corona-Krise die Ausmusterung der Riesenflieger beschlossen.

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Zwei Airbus A380-800 der Lufthansa stehen während der Coronakrise auf dem Gelände der Lufthansa Technik am Frankfurter Flughafen geparkt neben einem A380, bei dem ein Triebwerk ausgebaut wurde.
Zwei Airbus A380-800 der Lufthansa stehen während der Coronakrise auf dem Gelände der Lufthansa Technik am Frankfurter Flughafen geparkt neben einem A380, bei dem ein Triebwerk ausgebaut wurde.  © Arne Dedert/dpa Pool/dpa

Hersteller Airbus hat sich im Zuge von Neubestellungen anderer Typen vertraglich verpflichtet, noch im Jahr 2023 sechs Flugzeuge zurückzunehmen, sodass Lufthansa grundsätzlich noch über acht A380 verfügt. Die waren nach dem Corona-Ausbruch auf dem spanischen Flughafen Teruel in den sogenannten Langzeitparkmodus versetzt worden und sollten nur bei einer "unerwartet schnellen Markterholung" reaktiviert werden.

Die kam im vergangenen Sommer schneller als erwartet und traf zudem auf gravierende Lieferprobleme beim Hersteller-Duopol aus Airbus und Boeing. Lufthansa hatte die jüngste und größte Version der zweistrahligen Boeing 777-X von 2023 an fest als Flaggschiff mit rund 400 Plätzen eingeplant, doch die Amerikaner mussten einräumen, dass sie frühestens im Jahr 2025 das erste Exemplar ausliefern können.

Auch bei den kleineren 787- "Dreamlinern" kommt es immer wieder zu Verzögerungen. Da sich gleichzeitig auch Airbus und Triebwerkhersteller wegen gestörter Lieferketten schwertun, fehlen global auf Jahre hinweg Flugzeuge.

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Dazu kommen nach der überwundenen Pandemie hausgemachte Personalprobleme bei Airlines und Flughäfen. Das knappe Angebot tue der Branche gut, sagt zwar Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr, stellt aber gleichzeitig fest: "Jedes Flugzeug am Boden schmerzt."

Denn Nachfrage und Ticketpreise steigen aktuell kräftig, ebenso wie die Leasingraten für Jets. Das gilt es, neben der Nutzung günstiger Gebraucht-Gelegenheiten das eigene Material so schnell wie möglich in die Luft zu bekommen. Und sei es nur für ein paar Jahre.

Millionen für Reaktivierung der A380: Wartung und enormer Personalaufwand

Zwei Airbus A380 der Lufthansa sind während der Corona-Pandemie auf dem Flughafen Teruel abgestellt.
Zwei Airbus A380 der Lufthansa sind während der Corona-Pandemie auf dem Flughafen Teruel abgestellt.  © Javier Escriche/dpa

Die Kapazität der A380 mit jeweils 509 Plätzen werde dringend benötigt, sagt auch Lufthansas Airline-Chef Jens Ritter. Allein in diesem Sommer könnten rund 50.000 zusätzliche Passagiere befördert werden, im kommenden Jahr sollen es sogar rund eine Million Passagiere sein, für die es ohne A380 keine Plätze und Tickets gegeben hätte.

Angaben zu den Kosten der Rückholaktion für sechs eigene A380 macht der Konzern bislang nicht. Für jeden eingemotteten Flieger ist ein Millionenaufwand einzuplanen, denn neben den vorgeschriebenen Wartungen mit Tausenden Monteurstunden mussten auch Hagelschäden an der Außenhaut repariert werden, welche die abgestellten Flugzeuge in dem eigentlich so niederschlagsarmen Aragonien erlitten haben.

Selbst im Betrieb fallen noch zusätzliche Kosten für Transferflüge nach Frankfurt an, weil bestimmte Wartungsarbeiten nur in der dortigen A380-Halle durchgeführt werden können. Bei den beiden letzten verfügbaren Maschinen zögert der Vorstand, weil dort noch aufwendigere und teurere Wartungsereignisse bevorstünden.

Die Buchungslage für den kommenden Donnerstag wie für die nachfolgenden Termine sei sehr gut, sagt Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger. Es gebe sogar Gäste, die extra auf den Flugzeug-Riesen gewartet haben, weil dieser so geräumig und leise sei. "Es gibt kein schöneres und ruhigeres Fluggefühl als in der A380", sagt beispielsweise Vielflieger Torsten Gründer. Ab Ende Oktober lauten die A380-Ziele ab München dann Bangkok und Los Angeles.

Noch bis Pfingsten absolvieren die künftigen Piloten ein umfangreiches Trainingsprogramm mit Starts und Landungen an den Flughäfen Leipzig, Prag und Wien. München war auch als Standort gewählt worden, weil am Drehkreuz bereits viele Piloten mit einer Lizenz für die kleinere A350 stationiert sind. Die Lizenz kann in kurzer Zeit auf die A380 ausgeweitet werden.

Lufthansa benötigt für jede einzelne A380 rund 20 Piloten und Pilotinnen sowie rund 400 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter mit gültigen Lizenzen.

Titelfoto: Arne Dedert/dpa Pool/dpa

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