Ex-RAF-Terroristin hält eigenes Plädoyer: "Nichts mit Abenteuerlust zu tun gehabt"
Von Janet Binder, Helen Hoffmann
Verden - Im Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette (67) hat die Angeklagte ihr Schlusswort selbst gehalten. Die Vorwürfe gestand sie zwar nicht, schilderte jedoch ihre eigene Sicht auf die Taten.
Ihr tue es "wirklich sehr leid" und es sei "zu bedauern", wie schwer einige der Geschädigten noch heute unter den Geschehnissen litten, sagte sie in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Verden. Sie habe nicht gewusst, dass Geldboten und Kassenpersonal keine ausreichenden psychologischen Unterstützungen von ihren Arbeitgebern bekämen.
Sie verteidigte die Raubüberfälle als notwendig, um im Untergrund überleben zu können. Die Taten hätten nichts mit "Abenteuerlust" zu tun gehabt, sagte sie.
Ausführlich sprach sie davon, wie sie und Gleichgesinnte die vergangenen Jahrzehnte erlebten. Dabei erklärte sie, dass sie sich selbst als Opfer des politischen Systems sieht. Nur in der Illegalität hätten sie und andere die Möglichkeit gehabt, als radikale Linke weiterzubestehen.
Demnach erwartete Klette nicht, dass Betroffene infolge der Raubüberfälle schwere psychische Probleme bekommen könnten. Indirekt stellte sie auch die Frage, ob die vor Gericht geschilderten Folgen tatsächlich nur auf die Überfälle zurückzuführen sind. Es gebe immer mehr traumatisierte Menschen in der Gesellschaft, sagte sie. Als Gründe nannte sie unter anderem Armut, Kriege, Unterdrückung von Minderheiten und Rassismus.
Laut Anklage soll Klette mit ihren mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg (57) und Ernst-Volker Staub (72) zwischen 1999 und 2016 maskiert und teils schwer bewaffnet Geldtransporter und Supermärkte in mehreren Städten überfallen haben. Dabei soll die Bande mehr als zwei Millionen Euro erbeutet haben.
Staatsanwaltschaft fordert 15 Jahre Haft für Daniela Klette
Tatorte der Angreifer waren demnach Städte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.
Dabei erbeutete das Trio nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft mehr als 2,7 Millionen Euro. Nach den beiden Männern wird noch gesucht.
Die Staatsanwaltschaft fordert eine 15-jährige Haftstrafe für die Angeklagte - wegen versuchten Mordes, schweren bandenmäßigen Raubes und Verstößen gegen Waffengesetze.
Die ersten Nebenkläger, die plädierten, halten ebenfalls eine lange Gefängnisstrafe für angemessen.
Erstmeldung am 12. Mai um 7.16 Uhr, aktualisiert um 15.28 Uhr
Titelfoto: Sina Schuldt/dpa

