Bayern gehen die Priester aus: Was der Mangel für die Gemeinden bedeutet
Von Kathrin Zeilmann
Bamberg/München - In allen bayerischen Bistümern gibt es in diesem Jahr wieder Priesterweihen. Das ist in Zeiten des grassierenden Fachkräftemangels in der katholischen Kirche bemerkenswert.
Denn noch vor einem Jahr wurden im Erzbistum München-Freising sowie in den Bistümern Passau und Eichstätt gar keine Diözesenpriester geweiht. Insgesamt gab es nur sechs neue Priester. Heuer sind es elf Männer. Immerhin.
Denn die Zahl der Neupriester sinkt bundesweit seit Jahren rapide. Laut Statistik der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) feierten die Diözesen im Jahr 1962 noch 557 Priesterweihen.
2008 sank die Zahl erstmals unter 100. 2025 waren es bundesweit gerade einmal 25.
Dazu kommt, dass starke Jahrgänge, in denen noch viele junge Männer Priester geworden sind, nun in Rente gehen. Die meisten Bistümer reagieren auf den Priestermangel, indem sie die Strukturen ändern.
War vor Jahrzehnten noch ein Pfarrer für eine Gemeinde zuständig, so sind heute viel größere Konstrukte entstanden, Seelsorgeeinheiten etwa, in denen viele Gemeinden gebündelt sind.
Auch neue Leitungsmodelle und Verwaltungsformen werden erprobt, etwa im Erzbistum München mit dem Einsatz "kollegialer Teams aus Haupt- und Ehrenamtlichen zur Leitung von Seelsorgeeinheiten".
Katholische Milieus schwinden
Aber auch die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt Jahr für Jahr: Die bayerischen Bistümer haben im vergangenen Jahr mehr als 81.800 Mitglieder durch Kirchenaustritte verloren.
Etwa 5,389 Millionen Menschen im Freistaat gehören noch der katholischen Kirche an.
In den größten Städten Bayerns, München und Nürnberg, ist längst mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht mehr Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche.
Katholische Milieus, in denen sich junge Männer einen Lebensweg als Priester vorstellen können, schwinden. Und dann gibt es ja auch noch den Zölibat.
Wer Priester wird, verpflichtet sich zu Ehelosigkeit und "Enthaltsamkeit", wie es im Kirchenrecht heißt. Daran gibt es seit vielen Jahren Kritik, doch eine Aufweichung zeichnet sich bislang nicht ab.
Bei der Diakonenweihe kürzlich in München sagte der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx (72), die Weihekandidaten sollten versuchen, dass deren Versprechen der Ehelosigkeit "ein Zeichen wird, dass ihr euer Leben gebt". Das Versprechen bedeute nicht einfach Verzicht, "sondern ihr gebt etwas".
Titelfoto: Lino Mirgeler/dpa

