Vorgänger umgebettet: Benedikt XVI. in Grabstätte von Johannes Paul II. beigesetzt

Rom - Nach dem Tod des emeritierten Papst Benedikt XVI. am Silvestermorgen im Alter von 95 Jahren findet am Donnerstag die Trauerfeier in Rom statt.

Update 16.10 Uhr: Papst Benedikt XVI. im Petersdom beigesetzt

Die Grabstätte von Papst Benedikt XVI. ist die frühere seines Vorgängers Johannes Paul II. Dieser wurde nach seiner Seligsprechung nach oben in den Petersdom umgebettet.
Die Grabstätte von Papst Benedikt XVI. ist die frühere seines Vorgängers Johannes Paul II. Dieser wurde nach seiner Seligsprechung nach oben in den Petersdom umgebettet.  © Vatican Media/dpa

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist im Petersdom beigesetzt worden. Das teilte der Pressesaal des Heiligen Stuhls am Donnerstag nach der Totenmesse mit.

Der Sarg mit dem Leichnam des gebürtigen Bayern war zuvor vom Petersplatz in Rom in die Gruft der Basilika gebracht worden. Von diesem Teil der Trauerfeierlichkeiten war die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Später veröffentlichte der Vatikan Aufnahmen, die die Zeremonie zur Beisetzung zeigten. In dem dreischichtigen Sarg aus Holz und Zink sind Grabbeigaben, wie etwa ein Text über sein Leben und Pontifikat, beigelegt.

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Auf einem Video war zu sehen, wie die zweite Hülle aus Zink zugeschweißt wurde. Der fertige Holzsarg wurde danach in die Grabstätte gelegt. Unter Tränen verabschiedete sich Benedikts langjähriger Vertrauter und Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, von ihm.

Joseph Ratzinger - Benedikts bürgerlicher Name - liegt nun im Grab seines polnischen Vorgängers Johannes Paul II., dessen sterbliche Überreste schon vor Jahren an einen anderen Ort in der Kirche gebracht wurden.

Benedikt XVI. saß von 2005 bis 2013 auf dem Stuhl Petri, ehe er 2013 als Papst zurücktrat. Danach lebte er im Vatikan und starb dort im Kloster Mater Ecclesiae am vergangenen Samstag im Alter von 95 Jahren.

Update 11.40 Uhr: Steinmeier würdigt Benedikt XVI.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (M.) und seine Frau Elke Büdenbender (l.) erwiesen dem verstorbenen Papst Benedikt XVI. die letzte Ehre.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (M.) und seine Frau Elke Büdenbender (l.) erwiesen dem verstorbenen Papst Benedikt XVI. die letzte Ehre.  © Michael Kappeler/dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (67) hat den verstorbenen Papst Benedikt XVI. als herausragenden Theologen von großer Bescheidenheit gewürdigt.

"Er hat den reichen Schatz der katholischen Kirche mit Vernunft und mit Seele an die Gläubigen weitergetragen. Das wird die Erinnerung an ihn prägen", sagte Steinmeier am Donnerstag nach der Trauermesse für Benedikt in Rom.

Benedikt sei in der ganzen Welt hoch geachtet gewesen, sagte Steinmeier. Sein Rücktritt habe daran nichts geändert. Er sei sehr dankbar, dass er an der bewegenden Trauerfeier auf dem Petersplatz habe teilnehmen dürfen und dass Papst Franziskus zuvor die deutsche Delegation empfangen habe.

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Benedikt sei tief verankert in den katholischen Traditionen gewesen, habe aber immer wieder zum Dialog mit anderen Kirchen und Religionen aufgerufen. "Er selbst hat das Gespräch mit Muslimen und auch mit Juden geführt."

Steinmeier erinnerte an Benedikts Besuche in Deutschland und seine Rede im Bundestag: "Der erste Papst, der vor dem gewählten Deutschen Bundestag gesprochen hat."

Was den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche betreffe, so habe sich Benedikt zur Aufarbeitung verpflichtet gesehen. "Eine Aufarbeitung, die anhält und weitergehen muss", sagte Steinmeier.

Update 11.37 Uhr: Vatikan meldet rund 50.000 Gläubige am Petersplatz

Laut Vatikan haben an der öffentlichen Trauerfeier für den verstorbenen Papst Benedikt XVI. rund 50.000 Menschen teilgenommen.
Laut Vatikan haben an der öffentlichen Trauerfeier für den verstorbenen Papst Benedikt XVI. rund 50.000 Menschen teilgenommen.  © Andrew Medichini/AP/dpa

Am Trauergottesdienst für den verstorbenen Papst Benedikt XVI. haben nach Schätzungen der vatikanischen Gendarmerie rund 50.000 Gläubige auf dem Petersplatz teilgenommen.

Das teilte der Pressesaal des Heiligen Stuhls am Donnerstag mit. Für die Trauerfeier war eine große Abordnung aus Benedikts bayerischer Heimat nach Rom gereist.

Dazu gehörten Gebirgsschützen, Trachtler, eine Blaskapelle und die freiwillige Feuerwehr aus Pentling bei Regensburg, wo er eigentlich seinen Lebensabend hatte verbringen wollen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (64, SPD), Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (67), der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (56, CSU) und andere deutsche Spitzenpolitiker waren ebenfalls angereist.

Update 11.01 Uhr: Sarg von Benedikt XVI. in den Petersdom getragen

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit soll Papst Benedikt in der Krypta des Petersdoms beigesetzt werden
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit soll Papst Benedikt in der Krypta des Petersdoms beigesetzt werden  © Antonio Calanni/AP/dpa

Nach der Totenmesse für den verstorbenen Papst Benedikt XVI. ist dessen Sarg am Donnerstag unter Applaus der Gläubigen in den Petersdom getragen worden.

Zuvor hatte Papst Franziskus auf dem Petersplatz das Requiem für seinen Vorgänger gefeiert. Er verneigte sich vor dem Sarg, berührte und segnete ihn.

Papst Benedikt, mit bürgerlichem Namen Joseph Ratzinger, sollte unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Krypta des Petersdoms beigesetzt werden.

Seine Grabstätte ist die frühere seines Vorgängers Johannes Paul II., der nach seiner Seligsprechung nach oben in den Petersdom umgebettet wurde.

Auch nach der Trauermesse für Benedikt XVI., der am Silvestermorgen im Alter von 95 Jahren gestorben war, gab es sehr vereinzelte "Santo subito"-Rufe ("Sofort heilig") von den Trauergästen. Diese Forderung stand auch auf einem großen Transparent, das einige Gläubige in die Höhe hielten.

Während Benedikts Sarg in den Petersdom getragen wurde, spielte die Blaskapelle der Freiwilligen Feuerwehr Unterpfaffenhofen die Bayernhymne.

Update 10.53 Uhr: Papst Franziskus geht nur kurz auf seinen Vorgänger ein

Papst Franziskus (86, M.) ist in seiner Predigt nur wenig direkt auf seinen Vorgänger Benedikt XVI. eingegangen.
Papst Franziskus (86, M.) ist in seiner Predigt nur wenig direkt auf seinen Vorgänger Benedikt XVI. eingegangen.  © Antonio Calanni/AP/dpa

Papst Franziskus (86) hat in seiner Predigt während der Totenmesse für Benedikt XVI. nur wenig direkten Bezug auf seinen Vorgänger genommen.

Der Pontifex sprach am Donnerstag vor allem über Hingabe für Gott und Vertrauen auf den Herrn.

Erst ganz am Schluss sagte der Argentinier vor dem Holzsarg des emeritierten Papstes: "Benedikt, du treuer Freund des Bräutigams, möge deine Freude vollkommen sein, wenn du seine Stimme endgültig und für immer hörst!" Jesus wird in der katholischen Kirche oft als Bräutigam bezeichnet.

Zuvor hatte Franziskus vor vielen Gästen und Zigtausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom gesagt: "Auch wir, die wir fest mit den letzten Worten des Herrn und dem Zeugnis, das sein Leben geprägt hat, verbunden sind, möchten als kirchliche Gemeinschaft in seine Fußstapfen treten und unseren Bruder den Händen des Vaters anvertrauen: Mögen diese Hände der Barmherzigkeit seine mit dem Öl des Evangeliums brennende Lampe vorfinden, das er während seines Lebens verbreitet und bezeugt hat."

Der Papst hatte schon in den vergangenen Tagen die Hingabe Benedikts für den Glauben gelobt.

Dass ein Papst dem Requiem seines Vorgängers vorsteht, ist historisch. Benedikt war 2013 vom Amt des Papstes zurückgetreten.

Update 10.48 Uhr: Etwa 130 Kardinäle bei Totenmesse anwesend

Laut Vatikansprecher haben rund 130 Kardinäle an der Totenmesse für Papst Benedikt XVI. teilgenommen.
Laut Vatikansprecher haben rund 130 Kardinäle an der Totenmesse für Papst Benedikt XVI. teilgenommen.  © Ben Curtis/AP/dpa

Rund 130 Kardinäle haben am Donnerstag an der Totenmesse für den für den verstorbenen Papst Benedikt XVI. auf dem Petersplatz in Rom teilgenommen.

Das teilte Vatikansprecher Matteo Bruni (46) mit. Darunter waren auch die deutschen Kardinäle Reinhard Marx, Rainer Maria Woelki und Gerhard Ludwig Müller.

Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa waren auch 300 Bischöfe unter den Gästen.

Wie viel Gläubige sich insgesamt auf dem Petersplatz versammelt hatten, war zunächst unklar. Auch nach Beginn der Messe schien es dort aber abseits der bestuhlten Bereiche noch Platz zu geben.

Benedikt, mit bürgerlichem Namen Joseph Ratzinger, war am vergangenen Samstag im Alter von 95 Jahren im Vatikan gestorben.

Update 10.41 Uhr: Gänswein küsst Papst-Sarg zum Abschied

Der Vertraute und Privatsekretär des verstorbenen Benedikt XVI., Georg Gänswein (66, r.), küsst zum Abschied den Sarg des emeritierten Papstes.
Der Vertraute und Privatsekretär des verstorbenen Benedikt XVI., Georg Gänswein (66, r.), küsst zum Abschied den Sarg des emeritierten Papstes.  © Alessandra Tarantino/AP/dpa

Vor dem Requiem für den gestorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. hat dessen langjähriger Vertrauter und Privatsekretär Georg Gänswein (66) mit einer besonderen Geste Abschied genommen.

Der Erzbischof beugte sich am Donnerstagmorgen über den Sarg auf dem Petersplatz und küsste ihn.

Niemand stand Benedikt in den vergangenen Jahren näher als Gänswein.

Er war 2012 von seinem Mentor zum Kurienerzbischof - also einem Bischof mit einer Funktion im Vatikan, aber ohne Diözese - ernannt worden, nachdem er bereits knapp zehn Jahre Assistent und Sekretär von Benedikt war.

Die beiden arbeiteten schon zusammen, als Benedikt noch unter seinem Geburtsnamen Joseph Ratzinger Präfekt der Glaubenskongregation war.

Update 10.28 Uhr: Kardinal Kasper: Benedikt war "kein Ewiggestriger"

Zigtausende Gläubige hatten sich schon am Morgen auf dem Petersplatz eingefunden.
Zigtausende Gläubige hatten sich schon am Morgen auf dem Petersplatz eingefunden.  © Cecilia Fabiano/LaPresse via ZUMA Press/dpa

Papst Benedikt XVI. war aus Sicht von Kardinal Walter Kasper (89) kein verbohrter Dogmatiker.

"In der persönlichen Begegnung hat man gesehen: Er ist kein Ewiggestriger oder so", sagt der emeritierte Kurienkardinal am Donnerstag im Bayerischen Fernsehen vor dem Requiem für den gestorbenen Ex-Papst, das Kasper mitfeiern sollte.

Joseph Ratzinger sei ein "freundlicher, hoffnungsvoller Mensch" gewesen. Nur wenige Wochen vor seinem Tod habe Kasper noch einen Brief von ihm bekommen, unterzeichnet am 10. Dezember. "Er war letztlich sehr im Frieden mit sich und mit der Kirche, mit Gott."

60 Jahre habe Kasper Ratzinger gekannt, "zwei Drittel meiner Lebenszeit", sagte der 89-Jährige.

"Es waren sehr gute Gespräche und Begegnungen und ich muss sagen, ich vermisse sie jetzt, diese Gespräche. Vielleicht können wir sie im Himmel weiterführen."

Update 10.10 Uhr: Gebirgsschützen und Trachtler bei Benedikt - "sind ihm verbunden"

Zahlreiche Deutsche - vor allem aus Bayern - haben sich auf den Weg nach Rom zur Trauerfeier gemacht.
Zahlreiche Deutsche - vor allem aus Bayern - haben sich auf den Weg nach Rom zur Trauerfeier gemacht.  © Sven Hoppe/dpa

Bayerische Trachtler und Gebirgsschützen nehmen am Donnerstag persönlich von Benedikt XVI. Abschied.

"Wir, die bayerischen Gebirgsschützen, haben ein besonderes Verhältnis zu diesem Papst Benedikt gehabt", sagte Landeshauptmann Martin Haberfellner, der mit der Delegation von Ministerpräsident Markus Söder (56, CSU) am Donnerstag nach Rom reiste. "Wir sind ihm herzlich verbunden - und er war uns in Herzlichkeit verbunden."

Der emeritierte Papst war Ehrenmitglied der Gebirgsschützen. "Er war ein Marienverehrer - und die Gebirgsschützen haben die Mutter Gottes als Patronin", sagte Haberfellner.

Diese "Einheit im Geist" habe Verbindung geschaffen schon zu Zeiten, als Kardinal Joseph Ratzinger Erzbischof von München und Freising war.

Rund 200 Gebirgsschützen waren bereits am Mittwoch in Bussen nach Rom gereist, um an der Trauerfeier am Petersplatz teilzunehmen. Benedikt, aus Oberbayern stammend, war seiner Heimat stets verbunden geblieben.

Deswegen hätten die Trachtler einen besonderen Bezug zu Papst Benedikt gehabt, sagte der Landesvorsitzende des Bayerischen Trachtenverbandes, Günter Frey.

"Unser Brauchtum hat viel mit Kirche und Glauben zu tun." Es sei ihm "persönlich wichtig, dabei zu sein und Abschied zu nehmen".

Update 9.55 Uhr: Knobloch erweist Benedikt letzte Ehre als Ausdruck der Achtung

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch (90), erweist Benedikt letzte Ehre. (Archiv)
Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch (90), erweist Benedikt letzte Ehre. (Archiv)  © Sven Hoppe/dpa-pool/dpa

Die Reise nach Rom zur Trauerfeier für den gestorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. ist für Charlotte Knobloch (90) "eine Frage des Respekts".

"Als die Staatskanzlei mich gebeten hat, den Ministerpräsidenten als Teil der Delegation nach Rom zu begleiten, habe ich sofort zugesagt", sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern anlässlich der Reise mit einer Delegation von Ministerpräsident Markus Söder (56, CSU) am Donnerstagmorgen zur Trauerfeier auf dem Petersplatz.

"Ich habe das zum einen aus Respekt vor meiner bayerischen Heimat getan, der Benedikt XVI. durch Geburt und Hingabe zeitlebens verbunden war. Aber auch als Ausdruck der Achtung vor dem Verstorbenen", sagte die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Benedikt XVI. habe hat sich als Brückenbauer zur jüdischen Gemeinschaft verstanden und sei innerhalb der Kirche über Jahrzehnte aktiv für diesen Austausch eingetreten.

"Es gab dabei auch Enttäuschungen, wir waren beileibe nicht in allem einer Meinung. Trotzdem: Für mich ist es eine Frage des Respekts, ihm in Rom die letzte Ehre zu erweisen."

Titelfoto: Vatican Media/dpa

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