Mega-Warnstreik ist ein wichtiges Zeichen: Wir brauchen mehr Arbeitskämpfe!

TAG24-Redakteur Florian Gürtler (45) ruft in seinem Kommentar zu Solidarität mit den Warnstreik-Plänen von Verdi und EVG auf.

Respekt! Ich ziehe meinen Hut vor den Warnstreik-Plänen der Gewerkschaften ver.di und EVG für den kommenden Montag. So viel Kampfgeist hätte ich Arbeitnehmer-Vertretern in Deutschland bis vor Kurzem nicht zugetraut. Hiermit erkläre ich mich solidarisch mit den Streikenden im öffentlichen Dienst und bei der Deutschen Bahn - und ich meine, alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land sollten dasselbe tun.

Die Gewerkschaften ver.di und EVG wollen am kommenden Montag mit einem bundesweiten Warnstreik weite Teile des öffentlichen Personennahverkehrs, des Fernverkehrs bei der Deutschen Bahn und des Flugverkehrs in Deutschland stilllegen.
Die Gewerkschaften ver.di und EVG wollen am kommenden Montag mit einem bundesweiten Warnstreik weite Teile des öffentlichen Personennahverkehrs, des Fernverkehrs bei der Deutschen Bahn und des Flugverkehrs in Deutschland stilllegen.  © Hendrik Schmidt/dpa

Die extrem angestiegenen Preise für Lebensmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs spüren alle, die zu den sogenannten "kleinen Leuten" in der Bundesrepublik gehören.

Nur die Reichen und Hyperreichen können angesichts der zurückliegenden Preisschocks lässig mit der Schulter zucken. Umso höhnischer mutet es an, wenn ausgerechnet finanziell gut gepolsterte Berufspolitiker und andere Angehörige der Eliten von den Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen duldsame Genügsamkeit fordern.

Nein, es gibt keinen Grund, duldsam und genügsam zu sein. Die bisherigen Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung waren nicht umfassend genug - gute Beispiele hierfür sind etwa die "Bürgergeld"-Reform und das um satte 40 Euro teurere Nachfolge-Konzept für das 9-Euro-Ticket.

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Es ist daher richtig und wichtig, wenn die Gewerkschaften ihr Streikrecht nutzen, um für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, welche sie vertreten, einen angemessenen Inflationsausgleich durchzusetzen.

Es ist auch das gute Recht der Gewerkschaften ver.di und EVG, einen gemeinsamen bundesweiten Warnstreik auszurufen, um den öffentlichen Personennahverkehr, den Fernverkehr bei der Deutschen Bahn und den Flugverkehr in Deutschland am kommenden Montag stillzulegen.

"Mit einem Streik zeigen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, welche Macht sie tatsächlich haben"

TAG24-Redakteur Florian Gürtler (45) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
TAG24-Redakteur Florian Gürtler (45) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.  © Florian Gürtler

Im Kapitalismus sind es die Hände und Köpfe der arbeitenden Bevölkerung, die den Mehrwert schaffen, nicht die Maschinen und auch nicht die Chefs und Vorstände in ihren schicken Büros.

Mit einem Streik zeigen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, welche Macht sie tatsächlich haben, wenn sie sich organisieren und gemeinsam handeln.

Daher stimmt es nicht, wenn Arbeitgeber-Vertreter behaupten, mit ihrem bundesweiten Warnstreik am Montag würden ver.di und EVG die Bevölkerung "in Geiselhaft" nehmen. Dies ist nur ein durchschaubarer Versuch, die Streikenden und die restliche Bevölkerung zu spalten.

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Doch genau diese Spaltung wäre verkehrt, zeigen die beiden Gewerkschaften mit ihrem geplanten Streik doch, dass die arbeitende Bevölkerung im Kapitalismus eine entscheidende Macht besitzt und diese auch einsetzen kann, um ihre Interessen gegen die Interessen der Arbeitgeberseite durchzusetzen.

Bei der Deutschen Post konnte unlängst beobachtet werden, wie die konkrete Androhung eines unbefristeten Streiks wahre Wunder bewirkte und zu einem wohl nicht perfekten, aber zumindest ansehnlichen Tarifabschluss führte.

Was lernen wir daraus: Streiken kann sich lohnen! Für die oben genannten "kleinen Leute" wäre es daher angesichts der Teuerungen der zurückliegenden Monate gut, wenn wir nicht weniger, sondern mehr Arbeitskämpfe in Deutschland hätten.

Ökonom erklärt, weshalb es wichtig ist, dass die Löhne im öffentlichen Dienst steigen

Der Volkswirt Lukas Scholle erklärt in diesem Video, dass es auch für die Löhne in der Privatwirtschaft und die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland wichtig sei, dass die Gewerkschaft ver.di im öffentlichen Dienst einen angemessenen Inflationsausgleich durchsetzt.

Titelfoto: Montage: Hendrik Schmidt/dpa, Florian Gürtler

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