Kommentar: Das 49-Euro-Ticket ist zu teuer! Es geht günstiger

In seinem Kommentar zum geplanten 49-Euro-Ticket fordert TAG24-Redakteur Florian Gürtler (45) stattdessen die Einführung eines 29-Euro-Tickets oder - besser noch - die Rückkehr zum 9-Euro-Ticket.

Nach dem Ende des äußerst beliebten 9-Euro-Tickets war der Druck in der Gesellschaft groß, ein vergleichbares Nachfolge-Modell dauerhaft einzuführen, doch das von der politischen Elite unseres Landes nun konkret ins Auge gefasste 49-Euro-Ticket ist genau das nicht - und offenbar sind auch zahlreiche Deutsche dieser Meinung.

Fahrgäste warten im Hauptbahnhof von Frankfurt am Main auf die Einfahrt einer S-Bahn - in Deutschland ist eine Debatte um die Fahrtkosten im ÖPNV entbrannt.
Fahrgäste warten im Hauptbahnhof von Frankfurt am Main auf die Einfahrt einer S-Bahn - in Deutschland ist eine Debatte um die Fahrtkosten im ÖPNV entbrannt.  © Arne Dedert/dpa

Erinnern wir uns: Das 9-Euro-Ticket ermöglichte die Fahrt mit dem ÖPNV und den Regionalbahnen der Deutschen Bahn durch ganz Deutschland - unschlagbar günstig und klimaschonend zugleich.

Daneben war das 9-Euro-Ticket auch ein immenser sozialer Fortschritt für unsere Gesellschaft, denn plötzlich war bundesweite Mobilität auch für die Menschen mit kleinen Einkommen oder in der politisch gewollten Hartz-4-Armut möglich - und genau an dieser Stelle versagt das 49-Euro-Ticket auf ganzer Linie.

Der aktuell noch gültige Hartz-4-Satz für eine allein lebende Person sieht für Mobilität nur 40,27 Euro vor, wie auf dem Info-Portal Hartziv.org nachzulesen ist.

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Da es sich bei Hartz 4 jedoch um das offizielle Existenzminimum in unserem Land handelt, wäre es nur fair, wenn der Preis für das Nachfolgemodell des 9-Euro-Tickets sich wenigstens am hierfür vorgesehenen Betrag im amtlich definierten Existenzminimum orientieren würde.

Im künftigen "Bürgergeld" sind laut Hartziv.org übrigens 45,02 Euro für Mobilität vorgesehen, also immer noch weniger als 49 Euro.

Wirklich sozial verträglich wäre aber auch ein 40- oder 45-Euro-Ticket nicht. Denn die Preise für Lebensmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs werden aller Voraussicht nach weiter steigen, dadurch wird auch ein 40-Euro-Ticket für Menschen mit kleinen Einkommen oder in Hartz-4-Armut schnell unerschwinglich.

Entweder das 29-Euro-Ticket oder besser noch: Die Rückkehr zum 9-Euro-Ticket

TAG24-Redakteur Florian Gürtler (45) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
TAG24-Redakteur Florian Gürtler (45) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.  © Florian Gürtler

Doch es gibt Alternativen: Die bekannte Umweltschutz-Organisation Greenpeace etwa zeigt in einer Untersuchung auf, dass ein bundesweit gültiges 29-Euro-Ticket eine realistische Option darstellt.

Denn, so die Einschätzung dabei, durch den niedrigeren Preis würde sich das Ticket deutlich besser verkaufen, weshalb die Zuschuss-Kosten für den Staat bei einem 29-Euro-Ticket beinahe deckungsgleich mit denen für ein 49-Euro-Ticket wären.

Nicht nur für Armuts-Rentner und Hatz-4-Betroffene, sondern für alle Menschen mit kleinen Einkommen wäre ein solches 29-Euro-Ticket angesichts von Energiekrise und steigenden Lebensmittelpreisen definitiv die sozialverträglichere und damit sozial gerechtere Variante.

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Es wäre zudem auch nahe dran an dem schon seit langer Zeit und von vielen Stellen geforderten 365-Euro-Jahresticket.

Also, liebe Ampel-Bundesregierung, lieber Bundesverkehrsminister Volker Wissing (52, FDP), liebe Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten und auch liebe Verkehrsministerinnen und Verkehrsminister der Bundesländer, weshalb nicht 29 Euro?

Doch zum Abschluss noch ein verwegener Gedanke: Warum nicht gleich eine Rückkehr zum 9-Euro-Ticket, wie es etwa die linke Protest-Bewegung "Genug ist Genug!" fordert? Das hierfür notwendige Geld ließe sich sicher durch eine Abschaffung des Dienstwagenprivilegs, durch höhere Einkommenssteuer-Sätze für Reiche und Hyperreiche sowie durch eine Vermögenssteuer wieder reinholen - oder man schafft einfach die ohnehin nur noch lächerliche Schuldenbremse im Grundgesetz endlich ab.

Titelfoto: Montage: Arne Dedert/dpa , Florian Gürtler

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