Braunbär Bruno: Vom Symbol für Wildnis zum Museumsstück
Von Sabine Dobel
München - Er fraß Schafe, plünderte Bienenstöcke und sorgte wochenlang für Schlagzeilen: Der Braunbär Bruno wurde im Sommer 2006 zum Symbol für die Debatte um Naturschutz und die schwierige Rückkehr wilder Tiere.
Heute steht der Bär mit wissenschaftlichem Namen JJ1 – Erstgeborener von Jose und Jurka – ausgestopft im Münchner Museum Mensch und Natur. Sein Abschuss war heftig umstritten.
Bruno war am 20. Mai 2006 der erste Bär, der nach 170 Jahren die Tatzen auf bayerischen Boden setzte. Der Bär sei "willkommen", erklärte Bayerns damaliger Umweltminister Werner Schnappauf (72, CSU).
Doch Bruno benahm sich nicht entsprechend. Er riss mehr Schafe als er fressen konnte, stahl Geflügel und Honig – und kam gefährlich nah an Siedlungen. Schnappauf schwenkte um: Das Tier sei ein Problembär.
Der junge Bär war aus dem italienischen Trentino eingewandert. Dort wurden die streng geschützten Tiere im EU-geförderten Projekt "Life Ursus" etwa um 2000 wieder angesiedelt.
Noch 2013 hieß es aus Trient stolz, "Life Ursus" sei gerade noch rechtzeitig gekommen; der Braunbär sei in den Alpen vom Aussterben bedroht.
Doch die Population wuchs schneller als erwartet auf heute gut 100 Tiere. Etwa seit 2014 kam es in der beliebten Urlaubsregion zu Angriffen auf Menschen. An Wanderwegen warnen Schilder. Trauriger Höhepunkt war die tödliche Attacke auf einen Jogger im Frühjahr 2023.
Bruno Berühmtheit verblasst – wie sein Fell
Früher habe man Gefangenschaft favorisiert, sagt Christopher Schmidt, Sprecher des Bärenparks.
Aber nach 20 Jahren Erfahrung "müssen wir heute sagen, dass auch ein Abschuss durchaus ein Tool im Tierschutz sein kann, wenn damit Leid verhindert wird". Für Bruno sei der Tod aus heutiger Sicht besser gewesen.
Seither steht er bei wohltemperierten 18 bis 20 Grad in der Museumsvitrine, gemäß seinem Leben als Honigdieb an einem Bienenstock.
Er habe sich gut gehalten und die Jahre ohne Parasitenbefall überstanden, sagt Museumsdirektor Michael Apel. Nur sein Fell sei ein wenig heller geworden.
Auch seine Berühmtheit ist verblasst. "Viele Leute erinnern sich überhaupt nur an die Geschichte, wenn sie ihn dann da stehen sehen. Wir versuchen auch nicht, ihn als die Attraktion des Hauses zu spielen", sagt Apel. Das Museum hat auch einen Grizzly und einen Panda.
Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

