Buckelwal in der Ostsee wirft Fragen auf: Werden in Zukunft immer mehr Tiere stranden?
Ostsee - Seit mehr als einer Woche beschäftigt ein mehrfach gestrandeter Buckelwal in der Ostsee das ganze Land. Mit Spitznamen wie "Hope" oder "Timmy" (angelehnt an seine erste Strandung am Timmendorfer Strand) schwimmt er aktuell aber leider nur durch die Schlagzeilen und nicht zurück in den Atlantik. Für Wissenschaftler, Einsatzkräfte und auch Beobachter eine emotionale Situation, die auch immer wieder die Frage nach einer möglichen Zunahme solcher Vorfälle aufwirft.
Gefühlt häufen sich die Großwalsichtungen in der Ostsee in den vergangenen Jahren: 2024 wurden zwei Buckelwale in der Flensburger Förde gesichtet, erst Anfang 2026 war dort erneut ein ungewöhnlicher Besucher aufgetaucht.
Trotz solcher Fälle mahnt Prof. Burkard Baschek (55), wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Meeresmuseum in Stralsund, zur Zurückhaltung: "Ich bin weit weg davon, einen Trend daraus abzuleiten."
Zwar habe es "in den letzten Jahren durchaus immer wieder auch Großwal-Ereignisse in der Ostsee gegeben", doch handele es sich weiterhin um Einzelfälle: "Ich möchte betonen, dass es nach wie vor Irrläufer sind, weil das doch sehr vereinzelt auftritt", so der Experte am Sonntag im Rahmen einer Pressekonferenz rund um Buckelwal "Timmy".
Dass sich Großwale in die Ostsee verirren, sei dabei grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Als wahrscheinlichste Ursache gilt, dass die Tiere Nahrungsquellen folgen: Reichhaltige Fischschwärme, die zeitweise aus der Nordsee einströmen, könnten Großwale ebenso wie Delfine in die Ostsee führen.
Normalerweise würden diese Tiere dann aber auch wieder ihren Weg raus finden, ungewöhnlich an Timmys Fall sei dagegen die sogenannte "Lebendstrandung". Diese lasse darauf schließen, "dass das Tier wahrscheinlich auch irgendwo krank, gestresst oder verletzt sein muss, bis es überhaupt dazu gekommen ist".
Experten: Jede Wal-Rettung ist ein "Einzel-Event"
Der aktuelle Buckelwal in der Ostsee hatte sich vor rund drei Wochen in Fischereinetzen verfangen, die als Geisternetze im Wasser trieben. Ein Teil dieser Netze verblieb im Maul des Wals und konnte von den Helfern nicht vollständig entfernt werden.
"Es ist ein Fakt, dass menschliche Einflüsse auf die Ozeane maßgeblich dazu beigetragen haben, dass es dem Wal so schlecht geht", so Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack am Sonntag.
Jährlich sterben laut Internationaler Walfangkommission etwa 300.000 Wale und Delfine in Fischernetzen – auch in der Ostsee, wo besonders Schweinswale häufig in Stellnetzen verenden.
"Was die Natur braucht - und auch dieser Wal gebraucht hätte -, sind großflächige Schutzgebiete, in denen sie sich selbst überlassen bleibt. Nur so haben die Ozeane eine Chance", so der Experte.
Für den Fall steigender Einsätze bliebe die Lage auch in Zukunft komplex und die Möglichkeiten begrenzt. Zwar existierten internationale Erfahrungen, etwa mit speziellen Vorrichtungen zur Bergung oder Rückführung von Walen, dennoch bleibe jede Strandung ein Einzel-Event, wie Dr. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung gegenüber TAG24 betonte: "Man muss sich immer auf die entsprechende Situation und auf den Zustand des Tieres einstellen."
Entsprechend würden Einsätze im Nachhinein ausgewertet, um Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln. Mehr Ausrüstung sei zwar "wünschenswert", aber schwer umzusetzen: "Es ist schwierig, das für Einzel-Events alles vorzuhalten" – auch, weil "man ja nicht weiß, wo die nächste Strandung stattfinden wird."
Titelfoto: Montage: Daniel Bockwoldt/dpa, Daniel Müller/Greenpeace Germany/dpa

