Lage unverändert! Buckelwal liegt weiterhin in Bucht vor Wismar

Niendorf - Seit einer Woche versuchen Rettungskräfte einen gestrandeten Buckelwal in der Ostsee zurück ins offene Meer zu führen. Nachdem sich das Tier vor dem Wochenende befreien konnte, sitzt es seit Samstag erneut fest. TAG24 berichtet im Liveticker.

Auch am Samstag wird weiter daran gearbeitet, den Wal ins offene Meer zu begleiten.
Auch am Samstag wird weiter daran gearbeitet, den Wal ins offene Meer zu begleiten.  © Sea Shepherd

Nach dem Fund des Buckelwales auf einer Sandbank vor Niendorf (Schleswig-Holstein) waren mehrere Rettungsversuche gescheitert, am Freitag konnte sich der Ozeanriese selbst befreien. Doch nur einen Tag später tauchte das Tier vor Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) auf und geriet erneut auf eine Sandbank.

Zunächst konnte sich der Wal aus einer Kraft befreien, steuerte aber direkt auf die nächste Sandbank in der Wismarer Bucht zu, wo er nun seit Sonntagmorgen nur wenige hundert Meter von der Küste entfernt liegt.

Laut Experten könnte er sich bei ausreichender Kraft selbst freischwimmen. Bevor am Montag eine Entscheidung, wie es mit dem Buckelwal weitergeht, getroffen wird, schauen sich Experten die Lage an.

Riskante Rettungsaktion in der Ostsee! Buckelwal erneut aufgetaucht
Ostsee Riskante Rettungsaktion in der Ostsee! Buckelwal erneut aufgetaucht

Um dem Tier genug Ruhe zu geben, wurde ein Schutzbereich von 500 Metern eingerichtet, in den kein Schiff oder Boot einfahren darf.

30. März, 10 Uhr: Till Backhaus im Austausch mit Robert Marc Lehmann

Wie eine Sprecherin des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommerns auf TAG24-Nachfrage mitteilte, habe es einen Austausch zwischen Umweltminister Till Backhaus (67,SPD) und YouTuber Robert Marc Lehmann (43) gegeben.

Das Ergebnis des Gesprächs soll bei einer Pressekonferenz gegen 13 Uhr kommuniziert werden.

Lehmann gab an, von der Rettung ausgeschlossen worden zu sein. Backhaus, das Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung und Greenpeace widersprachen dieser Darstellung.

Till Backhaus (67,SPD) will um 13 Uhr ein Update geben.
Till Backhaus (67,SPD) will um 13 Uhr ein Update geben.  © Philip Dulian/dpa

30. März, 9 Uhr: Wasserschutzpolizei und Greenpeace mit Boot am Wal

Am frühen Morgen ist ein Schlauchboot der Wasserschutzpolizei zum Wal gefahren, um sich einen Eindruck vom Tier zu verschaffen. Mit an Bord waren Experten von Greenpeace.

Laut Wasserschutzpolizei sei die Lage weiterhin unverändert. Immerhin ist der Wasserstand in der Bucht wieder gestiegen. In der Nacht sank dieser auf knapp -40 Zentimeter unter Normalnull.

Inzwischen nähert sich der Pegel wieder dem Stand von Sonntagvormittag. Zu diesem Zeitpunkt wäre der Wal bei einer Wassertiefe von etwa zwei Metern in der Lage gewesen, sich selbstständig fortzubewegen.

Die Wasserschutzpolizei war mit dem ersten Tageslicht am Wal.
Die Wasserschutzpolizei war mit dem ersten Tageslicht am Wal.  © NEWS5 / N5 DESK

30. März, 6.55 Uhr: Lage unverändert

Die Lage ist am Montagmorgen unverändert. Laut einem Sprecher der Wasserschutzpolizei liegt der gestrandete Buckelwal weiterhin in der Bucht vor Wismar. "Ja, der ist noch da. Die Situation ist noch so wie gestern."

Allerdings sei der Wasserpegel weiter gesunken, sodass die Situation etwas schwieriger sei. Wie es am Montag weitergeht, ist noch unklar. Eine Entscheidung werde erst getroffen, wenn sich Experten ein Bild von der Lage gemacht haben, so der Sprecher.

29. März, 22.50 Uhr: Buckelwal gibt weiter Lebenszeichen von sich

Wie die Wasserschutzpolizei auf TAG24-Nachfrage mitteilte, ist der Buckelwal auch am späten Abend noch an der gleichen Stelle. Immerhin gebe er durch das regelmäßige Abblasen noch Lebenszeichen von sich, so der Sprecher.

Von Greenpeace gab es noch einen eindringlichen Appell. "Bitte nicht hierher kommen und mit Schlauchbooten da rausfahren. Von Land aus kann man das Tier sehen. Aber der braucht jetzt Ruhe, damit er sich tatsächlich wieder freischwimmen kann", sagte Meeresbiologe Thilo Maack auf dem Instagram-Kanal.

29. März, 19.10 Uhr: Kanufahrer paddelt bis an den Wal heran

Die Wasserschutzpolizei hat mit Schaulustigen zu kämpfen, die die eingerichtete Sperrzone im Umkreis von 500 Metern um den Wal herum durchbrechen.

"Wir sind dabei, wir sind ständig am Wal dran und verhindern, dass Leute in dieses Sperrgebiet reinfahren", so ein Polizeisprecher gegenüber TAG24.

Am späten Nachmittag konnte ein Kanufahrer diese Sperre allerdings überwinden und paddelte dicht an den Wal heran.

"Ich bin da vorbeigekommen, das war meine Tour. Ich bin um Poel gefahren und bin auf dem Rückweg auf den Wal gestoßen", gab der Mann gegenüber NEWS5 an. Er habe von dem Sperrgebiet nichts gewusst. "Ich glaube nicht, dass das Tier dadurch gestresst wurde", meinte er.

Am Sonntag musste die Polizei bereits zwei Platzverbote aussprechen. Den Abend und die Nacht über sollen zwei Boote der Wasserschutzpolizei den Wal schützen.

Der Kanufahrer paddelte dicht an den Wal heran und zeigte sich hinterher uneinsichtig.
Der Kanufahrer paddelte dicht an den Wal heran und zeigte sich hinterher uneinsichtig.  © NEWS5 / Sebastian Peters

29. März, 18 Uhr: Atemfrequenz des Buckelwals ist reduziert

Wie das Deutsche Meeresmuseum mitteilt, ist der Zustand des Wals gegenüber gestern deutlich schlechter. "Sowohl die Atemfrequenz als auch die Aktivität des Tieres sind reduziert", heißt es auf der Website.

"Dem geht es nicht besonders gut", bestätigte Thilo Maack gegenüber TAG24. Der Wal sei aber nicht kurz davor zu sterben, so der Meeresbiologe.

29. März, 17.15 Uhr: Wasserstand sinkt, doch Experte kann beruhigen

In der Nacht zu Montag soll der Wasserstand in dem betroffenen Teil der Ostsee laut dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) auf minus 40 Zentimeter unter Normalnull fallen.

"Das wird dem Wal keine Probleme machen. Das war zumindest unser aller Einschätzung", so Meeresbiologe Thilo Maack gegenüber TAG24.

Der Wal liege in etwa zwei Meter tiefem Wasser. "Das reicht, dass er da schwimmen kann", so der Experte von Greenpeace.

Am Montag soll der Pegel laut BSH wieder steigen.

29. März, 15.35 Uhr: Schaulustige statt Ruhe

Statt der erhofften Ruhe für den Wal sorgt die Situation vor Ort für jede Menge Arbeit bei der Wasserschutzpolizei. Die Einsatzkräfte müssen Boote und Wassersportler vom Wal fernhalten, der nur rund 600 Meter von der Küste auf einer Sandbank aufliegt.

Auch an Land ist es lebhaft: Viele Schaulustige strömen auf die nahe gelegene Seebrücke in Bad Wendorf/Wismar, um einen Blick auf das Tier zu erhaschen.

Zwischenzeitlich soll zudem ein Expertenboot zum Wal gefahren sein, offenbar um zu überprüfen, ob das Tier noch reagiert.

Hunderte Schaulustige versuchen am Sonntag ein Blick auf den Wal zu werfen, der nicht weit entfernt von der Seebrücke auf einer Sandbank liegt.
Hunderte Schaulustige versuchen am Sonntag ein Blick auf den Wal zu werfen, der nicht weit entfernt von der Seebrücke auf einer Sandbank liegt.  © NEWS5 / Ferdinand Merzbach

29. März, 13.57 Uhr: Kann der Wal überhaupt wieder zu Kräften kommen?

Wie gewünscht ist es ruhig um den Wal geworden. Eine Frage in der Pressekonferenz blieb aber noch offen: Kann der Wal überhaupt wieder zu Kräften kommen, um zur Nordsee zu finden?

Abgesehen von seinen Hautproblemen und den Netzresten im Maul sei der Wal in einem guten Ernährungszustand, so Dr. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung: "Wale auf ihren Wanderrouten fressen zum Teil nicht, sie können also Wochen ohne Nahrung auskommen. Dank seines guten Ernährungszustands verfügt der Wal über ausreichende Reserven, um die Zeit ohne Nahrung zu überstehen", so die Expertin.

Wie genau die Tiere aus der Ostsee wieder herausfinden, sei jedoch nicht bekannt - es ist unklar, ob sie dem Salzgehalt oder der Strömung folgen.

29. März, 13.20 Uhr: Wurde Robert Marc Lehmann ausgeschlossen?

Während der Pressekonferenz äußerten sich die Anwesenden auch zu den Vorwürfen von Robert Marc Lehmann (43), er sei aufgrund einer unterstellten "Selbstdarstellung" von den Rettungsmaßnahmen ausgeschlossen worden. Lehmann hatte am Donnerstag und Freitag bei der Befreiung des Wals geholfen (s. weiter unten im Ticker), ist aktuell aber nicht mehr vor Ort.

Thilo Maack sowie Dr. Stephanie Groß betonten, dass niemand ausgeschlossen worden sei und sich nach ihrer Kenntnis niemand aus ihren Teams falsch verhalten habe.

Prof. Burkard Baschek erklärte, dass es derzeit nicht darum gehe, wie man den Wal besser retten könnte, "weil das Tier sich selber freischwimmen könnte". Der Fokus liege jetzt auf dem Gesundheitszustand: "Wir glauben, dass Ruhe im Moment das Beste ist und dem Tier die Möglichkeit gibt, Kraftreserven aufzubauen. Der Weg zurück Richtung Nordsee ist dabei letztlich ein Navigieren auf Sicht."

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus äußerte sich zur Debatte: "Nachdem ich gehört habe, was aus dem Netz kommt, habe ich für mich entschieden, ein persönliches Gespräch mit ihm zu dem Thema zu führen. Damit senden wir ein Signal, dass wir Kooperation suchen, pflegen und umsetzen."

Er betonte zudem: "Für uns in Mecklenburg-Vorpommern haben wir das Meereskundemuseum mit einem ausgemachten Verhandlungsvertrag - das ist die Expertise, die wir haben. Die beteiligten anderen Institutionen haben für mich eine hervorragende Arbeit geleistet."

Robert Marc Lehmann (43) war am Donnerstag zu dem damals noch am Timmendorfer Strand gestrandeten Wal getaucht.
Robert Marc Lehmann (43) war am Donnerstag zu dem damals noch am Timmendorfer Strand gestrandeten Wal getaucht.  © Daniel Bockwoldt/dpa

29. März, 12.47 Uhr: Soll der Wal eingeschläfert werden?

Auf die Frage, ob bereits alle Worst-Case-Szenarien bedacht worden seien und ob in Erwägung gezogen werde, das Tier gegebenenfalls zu erlösen, antwortete Burkard Baschek unmissverständlich: "Das schließen wir kategorisch aus!"

Dr. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung erklärte die Entscheidung: "Es gibt einfach keine verlässliche Methode, die dieses Tier schnell und schmerzlos erlöst. Deshalb haben wir keine Möglichkeit, es einzuschläfern, ohne ihm möglicherweise zusätzliche Schmerzen und Leiden zuzufügen. Die Situation wurde ausdrücklich intensiv geprüft."

Der Wal ist diesmal nicht gestrandet, schafft es aber nicht aus eigener Kraft, weiterzuschwimmen.
Der Wal ist diesmal nicht gestrandet, schafft es aber nicht aus eigener Kraft, weiterzuschwimmen.  © Philip Dulian/dpa

29. März, 12.41 Uhr: Warum geht es dem Wal so schlecht?

Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace, nutzte den Rahmen der Pressekonferenz, um darüber aufzuklären, warum es dem Wal so schlecht geht. Er ging dabei auch noch mal auf die Reste des Fischernetzes im Maul des Wals ein, welche nicht entfernt werden konnten.

"Es ist ein Fakt, dass menschliche Einflüsse auf die Ozeane maßgeblich dazu beigetragen haben, dass es dem Wal so schlecht geht. An dem Tier wurden Netzreste gefunden - das zeigt, dass die Fischerei ein großes Problem ist", so Maack, dem es ein persönliches Bedürfnis sei, darüber aufzuklären.

"Die Arbeitsgruppe der Internationalen Walfangkommission schätzt, dass weltweit jedes Jahr rund 300.000 Wale und Delfine durch die Fischerei sterben und in Netzen ertrinken. Das betrifft nicht nur die großen Ozeane, sondern auch die Ostsee. Dort kommen weiterhin viele Stellnetze zum Einsatz, in denen die einzige heimische Walart, die Schweinswale, immer wieder verenden."

Und weiter: "Was die Natur braucht - und auch dieser Wal gebraucht hätte - sind großflächige Schutzgebiete, in denen sie sich selbst überlassen bleibt. Nur so haben die Ozeane eine Chance."

Titelfoto: NEWS5 / René Schröder

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