Seit Monaten im Tierheim: Wer schenkt diesen Katzen ein Zuhause?

Hamburg - Rund 800 Tiere leben derzeit im Tierheim des "Hamburger Tierschutzvereins von 1841" an der Süderstraße. Und während glücklicherweise viele davon binnen Wochen wieder vermittelt werden können, sind wieder andere schon Monate, teilweise sogar Jahre dort. Ein Schicksal, das sich auch Thalia, Liselotte und Miezekatze teilen. TAG24 war vor Ort und durfte die drei Katzen-Seniorinnen kennenlernen.

Thalia ist eine elegante, dreifarbige Europäisch Kurzhaar.  © Tag24/Madita Eggers

Die meisten Tiere im Tierheim sind Fundtiere - so auch die drei "Europäisch Kurzhaar"-Ladys, die jeweils von Unbekannten einfach ausgesetzt wurden.

Auch Thalia gehört dazu: Die vermutlich 2014 geborene Katze lebt seit August 2025 im Katzenhaus an der Süderstraße und gilt dort als "kleine Diva", wie Katzenhausleiterin Lena-Cathrin Hinrichsen (29) sie liebevoll beschreibt. Dabei könne sie durchaus verschmust sein.

"Man muss sie halt lesen können und wissen, wie weit man bei ihr gehen kann", sagt Lena im Gespräch mit TAG24. Außerdem brauche Thalia Platz: "Das ist keine Katze, die in einer kleinen Wohnung glücklich wird."

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Genau das mache die Vermittlung oft schwierig. Viele Interessenten würden die Steckbriefe nicht gründlich lesen und "nur nach Bildern entscheiden". Und wer genau hinschaue, lasse sich von Diagnosen schnell "abschrecken". Auch Thalia kam "sehr mager" ins Tierheim: "Wir haben festgestellt, dass sie mit dem Herzen und der Schilddrüse Probleme hat." Zudem vertrage sie ihr Futter nicht immer.

Bei solchen "spezielleren Katzen mit einer Krankheitsgeschichte" dauere es länger, "um die richtigen Menschen zu finden". Denn viele wollten vor allem "pflegeleichte Tiere". Gerade bei Erstbesitzern wollen die Mitarbeitenden des Tierschutzes vermeiden, "dass diese dann am Ende überfordert sind". Ältere Katzen sollten möglichst ihr Für-immer-Zuhause finden, da ein erneuter Umzug enormen Stress bedeuten kann.

Dabei wirbt Lena ausdrücklich dafür, auch Senioren eine Chance zu geben: "Wer sich das zutraut, dem kann ich das nur sehr empfehlen." Gerade diese Tiere seien unglaublich dankbar und wollten häufig einfach nur geliebt werden.

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Lena-Cathrin Hinrichsen (29) arbeitet seit dreieinhalb Jahren im Tierheim Süderstraße und leitet seit einem halben Jahr das Katzenhaus. Sie liebt es, wenn scheue und/oder kranke Katzen auftauen und vermittelt werden können, "unglaublich frustrierend" sei oft der schlechte Zustand der Tiere bei deren Ankunft.  © Tag24/Madita Eggers

Das ist Thalia:

Liselotte freut sich, "wenn sie einfach nur da sein darf"

Liselotte liebt es, mit Schuhen zu schmusen.  © Tag24/Madita Eggers

Auch Liselotte - von den Pflegerinnen liebevoll "Lotte" genannt - wartet schon seit zehn Monaten auf ihr Für-immer-Zuhause. Geschätzt wird sie auf Jahrgang 2017.

Charakterlich sei sie "ein ähnliches Problem" wie Thalia. "Sie ist auch eine alte Dame, die gerne mal sagt, wo der Hammer hängt", so Lena. Kleine Kinder sollten deshalb nicht im Haushalt leben.

Hinzu kommen gesundheitliche Probleme mit der Schilddrüse. Die richtige Medikation zu finden, sei schwierig gewesen. Inzwischen gebe es aber eine Behandlung, "die ganz gut funktioniert für sie".

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Durch die Schilddrüsenerkrankung sei sie sehr schlank: "Sie sollte eigentlich zunehmen." Doch Lotte sei "nicht nur im Charakter sehr speziell, sondern auch beim Futter absolut typisch Katze". Mal fresse sie etwas problemlos und "am dritten Tag sagt sie: 'Das rühre ich nicht an.' Das macht eine Vermittlung natürlich auch nicht einfacher."

Dennoch betont Lena: Trotz aller Herausforderungen zeige sich immer wieder, warum sich die Arbeit lohnt. Selbst Lieselotte, die als eigenwillig gilt, könne "auch echt schmusig sein". Und am Ende freue sie sich vor allem über eines: "wenn sie einfach nur da sein darf".

Nicht jede Katze ist ein Schmuse-Tier

Miezekatze wurde erst ausgesetzt, nach einer Vermittlung wieder zurückgegeben und sucht jetzt endlich ihr Für-immer-Zuhause.  © Tag24/Madita Eggers

Neben Liselotte und Thalia gehört auch die circa 14-jährige Miezekatze zu Lenas Lieblingen - "auch wenn wir natürlich keine Favoriten haben", so die Katzenhausleiterin lachend.

Miezekatze lebt seit Februar vorigen Jahres im Tierheim und ist damit aktuell die Dienstälteste im Haus. "Ich glaube, sie wird oft übersehen - und bei ihr spielen auch gesundheitliche Beschwerden eine Rolle", erklärt Lena.

Die schwarz-weiße Katze hat Arthrose im Rücken und bekommt Spezialfutter, frisst es aber nicht immer zuverlässig. Zudem hat sie eine Vorgeschichte: Sie war schon einmal vermittelt, kam dann aber zurück, "weil sie ihre ehemalige Halterin gebissen hat".

Viele Menschen seien in solchen Situationen überfordert, im Tierheim-Alltag sei Miezekatze jedoch nie negativ aufgefallen.

Wichtig sei, die Katze nicht zu bedrängen. "Wenn man sie in Ruhe lässt, ist sie entspannt und froh, einfach sein zu dürfen", so Lena. Grundsätzlich hätten viele Menschen zu hohe Erwartungen an Katzen: "Viele wollen ein Schmusetier, dabei haben längst nicht alle Katzen den Charakter dafür."

Für Miezekatze wird wie auch für Lotte und Thalia ein Zuhause gesucht, "wo sie in Ruhe leben können". Ideal wären Menschen im Homeoffice oder im Ruhestand, die Zeit und auch Verständnis für Schmerzmedikation und Spezialfutter mitbringen.

Unter hamburger-tierschutzverein.de finden Interessierte die detaillierten Steckbriefe aller drei Katzen sowie die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme.

Teil 2 unseres Tierheimbesuchs erscheint am Freitag, unter anderem mit Schildkröte Matthias, der bereits seit 2021 im Tierheim lebt.

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