Einfach in einer Kiste ausgesetzt: "Matti" wartet seit fünf Jahren auf ein neues Zuhause

Hamburg - Rund 800 Tiere leben derzeit im Tierheim des "Hamburger Tierschutzvereins von 1841" an der Süderstraße. Und während glücklicherweise viele davon binnen Wochen wieder vermittelt werden können, sind andere schon Monate, teilweise sogar Jahre dort.

Mattis Alter wurde 2021 auf rund zehn Jahre geschätzt. Landschildkröten können jedoch 30 bis 40 Jahre alt werden.
Mattis Alter wurde 2021 auf rund zehn Jahre geschätzt. Landschildkröten können jedoch 30 bis 40 Jahre alt werden.  © Tag24/Madita Eggers

So wie Matthias, die Maurische Landschildkröte, die bereits seit 2021 im Kleintierhaus lebt. Aufgrund einer chronischen Erkrankung war es bisher schwierig, ein neues Zuhause zu finden.

Matthias wurde damals in einem Park in Hamburg gefunden. Unbekannte hatten ihn in einer Kiste ausgesetzt.

"Er war völlig unterkühlt. Er hatte Schnupfen und ein Ödem auf der rechten Körperseite", so Kleintierhausleiterin Claudia Wendt (33) im TAG24-Gespräch.

Gleich zwei gebrochene Herzen: Wer hilft Bobby in den Alltag zurück?
Tiere Gleich zwei gebrochene Herzen: Wer hilft Bobby in den Alltag zurück?

Bei den Eingangsuntersuchungen wurde zudem festgestellt, dass Matti Mykoplasmen hat. "Das sind Bakterien ohne Zellwand, weshalb viele herkömmliche Antibiotika nicht gut wirken", erklärt Claudia.

Für Menschen ist die Erkrankung ungefährlich, für andere Schildkröten jedoch hochansteckend. Deshalb kommt für Matti nur die Gesellschaft ebenfalls infizierter Artgenossen infrage. Aktuell lebt er in Einzelhaltung.

Die Krankheit bleibt lebenslang im Körper. Sie führt zu chronischem Schnupfen, der in Schüben auftritt. "Aktuell geht es Matti ganz gut, er bekommt Nasentropfen", so Claudia. Verschlechtert sich sein Zustand, drohen stärkere Entzündungen bis hin zu einer Lungenentzündung.

"Es wird zwar mit Antibiotika behandelt, aber dafür braucht es spezielles Fachwissen – das kann nicht jede Tierarztpraxis leisten. Das erschwert auch die Vermittlung." Auch die für Landschildkröten übliche Winterstarre ist für Matti tabu, sie könnte einen massiven Krankheitsschub auslösen.

Trotz allem sei Matti ein echtes Charaktertier oder, wie Claudia es liebevoll nennt: eine "kleine Diva". Betritt jemand den Raum, klopft er mit dem Panzer gegen die Scheibe – nach dem Motto: "Füttert mich, sofort!" Möhrchen, frische Pflanzen und im Sommer etwas Wassermelone gehören zu seinen Favoriten.

Was ihn noch besonderer macht: Matti liebt Menschenkontakt. Für eine Schildkröte eher ungewöhnlich, genießt er es, am Panzer gestreichelt zu werden: "Er steht gern im Mittelpunkt und hilft sogar beim Saubermachen", so Claudia schmunzelnd.

Künftige Halter müssen im Sommer viel Platz für einen großzügigen Auslauf bieten können, einen erfahrenen Reptilien-Tierarzt haben und darauf vorbereitet sein, anfallende Behandlungskosten zu übernehmen.

Seit drei Jahren arbeitet Claudia Wendt (33) im Tierheim, zuvor war sie im Zoobereich tätig. Der Wechsel sei für sie eine bewusste Entscheidung gewesen: Im Tierschutz könne sie Tieren, die ausgesetzt oder schlecht gehalten wurden, mehr zurückgeben und aktiv dazu beitragen, ein passendes Zuhause für sie zu finden.
Seit drei Jahren arbeitet Claudia Wendt (33) im Tierheim, zuvor war sie im Zoobereich tätig. Der Wechsel sei für sie eine bewusste Entscheidung gewesen: Im Tierschutz könne sie Tieren, die ausgesetzt oder schlecht gehalten wurden, mehr zurückgeben und aktiv dazu beitragen, ein passendes Zuhause für sie zu finden.  © Tag24/Madita Eggers
Auch mehrere Wasserschildkröten, darunter diese Höckerschildkröte, warten im Tierheim auf ein artgerechtes Zuhause.
Auch mehrere Wasserschildkröten, darunter diese Höckerschildkröte, warten im Tierheim auf ein artgerechtes Zuhause.  © Tag24/Madita Eggers

Würgeschlange "Chantal" lebt schon seit über zehn Jahren im Tierheim

Am liebsten liegt Chantal in ihrem Wasserbecken – ihrem "Spa-Bereich". Dort kann sie auch mal eine Woche am Stück entspannen.
Am liebsten liegt Chantal in ihrem Wasserbecken – ihrem "Spa-Bereich". Dort kann sie auch mal eine Woche am Stück entspannen.  © Tag24/Madita Eggers

Ein Zimmer weiter im Kleintierhaus lebt Chantal. Die stattliche Boa ist seit 2015 im Tierheim und ähnlich wie Matti kein einfacher Vermittlungsfall. Auch sie leidet an einer Erkrankung und darf deshalb keinen Kontakt zu anderen Boas haben.

Ihre Krankheit zeigt sich in neurologischen Symptomen: "Gelegentlich wackelt sie mit dem Kopf, besonders in Schwächephasen kann sich das verstärken", erklärt die Kleintierhausleiterin.

Ansonsten ist die knapp drei Meter lange Schlange mit ihren rund zwölf Kilo meist entspannt. "Aber man merkt natürlich, wenn ihr etwas nicht passt – sie mag es zum Beispiel nicht, gewogen zu werden. Aber welche Frau mag das schon?", so Claudia lachend.

Tierische Helfer im Einsatz: Biber sollen Landschaft umkrempeln
Tiere Tierische Helfer im Einsatz: Biber sollen Landschaft umkrempeln

Ein weiterer Knackpunkt in der Vermittlung ist die Fütterung: Chantal frisst ausschließlich Kaninchen. "Die anderen Schlangen bei uns kriegen Mäuse und Ratten. Das kann man vielleicht eher noch vertreten, weil da nicht diese Streichelbeziehung zwischen Mensch und Tier besteht." Bei Kaninchen sei die Hemmschwelle für Interessenten deutlich höher.

Hinzu kommen die laufenden Kosten: Terrarium, Heizung, UV-Licht, Strom und mögliche Tierarztbesuche summieren sich schnell. Chantal braucht außerdem viel Platz – ein eigenes, schlangengerecht eingerichtetes Zimmer mit hoher Luftfeuchtigkeit für die Häutung, stabilen Klettermöglichkeiten und eine konstante Wärmequelle.

Trotz aller Herausforderungen ist Chantal für Claudia etwas ganz Besonderes: "Sie ist mein absoluter Liebling hier!" Auch die Boa ist Menschen gegenüber nicht abgeneigt: "Sie mag Körperwärme und ist dann besonders ruhig und entspannt."

Unter hamburger-tierschutzverein.de finden Interessierte die detaillierten Steckbriefe aller drei Katzen sowie die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme.

Teil 3 unseres Tierheimbesuchs erscheint am Samstag. Darin stellen wir Euch die Hündin Mei vor.

Titelfoto: Tag24/Madita Eggers

Mehr zum Thema Tiere: