Gerettet, doch noch immer kein Zuhause: Wer verliebt sich in Hündin Mei?

Hamburg - Seit September 2025 lebt die Shar-Pei-Hündin Mei im Tierheim des "Hamburger Tierschutzvereins von 1841" an der Süderstraße, nachdem sie mit einem weiteren Hund aus einer verwahrlosten Wohnung gerettet wurde. "Beide waren komplett unterernährt und in einem schlechten Allgemeinzustand", erzählt Tierpflegerin Maraike Steller im TAG24-Interview. Seitdem wartet die Hündin auf ein neues Zuhause, doch eine Vermittlung gestaltet sich schwierig.

Mei wird auf circa sieben Jahre geschätzt.
Mei wird auf circa sieben Jahre geschätzt.  © Tag24/Madita Eggers

Dabei zeige Mei, deren Name auf Deutsch "die Schönheit" bedeutet, für einen Shar-Pei ein ungewöhnlich offenes und freundliches Wesen.

Die Rasse wurde ursprünglich als chinesischer Kampfhund gezüchtet und ist normalerweise Menschen und auch Artgenossen eher misstrauisch gegenüber.

Mei bildet da eine Ausnahme: "Wenn sie jemanden kennt, freut sie sich total über Menschen und will mit ihnen spielen und kuscheln", erzählt Maraike, ihre aktuelle Bezugsperson. Auch mit anderen Hunden und Katzen versteht sich die Hündin nach Sympathie.

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Ihre gesundheitlichen Probleme machen die Vermittlung jedoch schwierig. Drei Interessenten hätten bereits abgesagt, weil die Kosten für Medikamente und Spezialfutter für sie zu hoch waren.

Mei leidet unter den Folgen der Qualzucht: Ihre Ohren sind stark verkrüppelt, Augenfalten schränken ihre Sicht ein und ihre kurze Nase erschwert das Atmen. Außerdem hat sie das sogenannte "Shar-Pei-Fieber", eine chronische Autoimmunkrankheit, die in Schüben hohes Fieber und eingeschränkte Mobilität verursacht.

Trotz allem sei Mei ein Hund "zum Verlieben", der das Leben in vollen Zügen genießen kann, wenn es ihr gut geht. "In den positiven Phasen hat sie richtig Abenteuerlust. Sie will raus, die Welt erkunden, mit ihrem Menschen etwas erleben", so Maraike. Wer sich auf sie einlässt, gewinnt eine treue, liebevolle und außergewöhnliche Begleiterin, "die auch nicht den ganzen Tag bemitleidet werden will".

Tierpflegerin wünscht sich "mehr Menschenverstand"

Maraike Steller arbeitet seit zweieinhalb Jahren im Tierheim: "Ich finde es toll, mit meinen Hunden zu arbeiten und zu sehen, wie sie sich entwickeln. Gerade bei den Hunden, die länger hier sind, kann man sehen, was aus ihnen werden kann."
Maraike Steller arbeitet seit zweieinhalb Jahren im Tierheim: "Ich finde es toll, mit meinen Hunden zu arbeiten und zu sehen, wie sie sich entwickeln. Gerade bei den Hunden, die länger hier sind, kann man sehen, was aus ihnen werden kann."  © Tag24/Madita Eggers

Maraike wünscht sich für Mei Menschen, bei denen sie einfach so sein kann, wie sie ist. "Nicht nur als Kuscheltier, sondern als eigenständiges Individuum, das man respektiert." Denn eine Sache mache Mei dann doch zu einem typischen Shar-Pei: ihre Persönlichkeit.

"Viele Menschen erwarten Hunde, die sie von morgens bis abends anhimmeln. Mei sagt hingegen: 'Ich mache mein Ding, schön, dass du in der Nähe bist.'"

Laut der ausgebildeten Hundetrainerin erschweren solche Erwartungshaltungen die Vermittlung von Hunden allgemein. "Ich würde gerne [sehen], dass die Leute wieder mehr gesundes Bauchgefühl und ein bisschen mehr Menschenverstand haben und alles nicht so hochgehypt wird", so die Tierpflegerin.

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"Oftmals kommen die Leute hierher mit Vorstellungen, die keiner erfüllen kann. Sie denken, der Hund muss perfekt sein. Dass man an der Beziehung arbeiten und sich zusammenraufen muss, sehen die meisten gar nicht mehr."

Viele Interessierte ließen sich von süßen Bildern leiten, ohne sich ernsthaft mit den Bedürfnissen und Eigenschaften der Hunde auseinanderzusetzen: "Das ist eigentlich sehr traurig!" Denn die meisten Tierheimhunde haben schwierige Vorgeschichten, sind verängstigt, nicht erzogen oder vernachlässigt worden.

Umso schöner sei es, die Entwicklung genau dieser Hunde zu beobachten und zu sehen, wie sie schließlich ein neues Zuhause finden und dort noch einmal von vorne anfangen können. Mehr Infos zu Mei unter hamburger-tierschutzverein.de.

Titelfoto: Tag24/Madita Eggers

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