Hunde-Boom wegen Corona, doch Experten sehen ein großes Problem

Trier/Worms/Hennef - In der Corona-Pandemie schaffen sich mehr Menschen als sonst einen Hund an. Ob Labrador, Golden Retriever oder Französische Bulldogge: "Die Nachfrage ist extrem. Quer durch alle Rassen", sagt der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH), Herbert Klemann, in Worms.

In Zeiten der Corona-Pandemie schaffen sich immer mehr Menschen einen Hund an (Symbolfoto).
In Zeiten der Corona-Pandemie schaffen sich immer mehr Menschen einen Hund an (Symbolfoto).  © picture alliance/Christian Charisius/dpa

Die Züchter würden mit Anrufen regelrecht "bombardiert" und könnten gar nicht so viel züchten, wie nachgefragt werde. Das sei schon in 2020 so gewesen: "Und der Bedarf ist immer noch da. Dass der Lockdown verlängert wurde, treibt das Ganze noch mal an", sagt er.

Denn in der Corona-Pandemie sind Familien mehr als sonst zu Hause: Derzeit sind Kindergärten und Schulen im Lockdown, viele Berufstätige im Homeoffice oder in Kurzarbeit. "Oft ist da der Wunsch, einen Hund zu kaufen, eine unüberlegte Entscheidung. Vielleicht denkt der ein oder andere, der Hund ist ein gutes Spielzeug fürs Kind", sagt Klemann, der selbst jahrelang American Cocker Spaniel gezüchtet hat.

Bundesweit spricht der VDH von rund 20 Prozent mehr Hunden, die 2020 im Vergleich zu Nicht-Corona-Jahren gekauft wurden. "Das ist ein dramatisches Wachstum, ein großer Schritt innerhalb kürzester Zeit", sagt Verbandssprecher Udo Kopernik im nordrhein-westfälischen Hennef (Sieg).

In den vergangenen 15 Jahren habe die Zahl der in Deutschland gehaltenen Hunde nach Schätzungen von 6,5 auf 10 Millionen zugelegt. Der Run auf Hundewelpen sei derzeit sehr groß: "Den Züchtern wird die Hütte eingerannt." Im Grunde genommen gebe es keine Welpenvermittlung mehr: "Die Würfe sind schon vermittelt, wenn die Hündinnen trächtig sind", berichtet er.

VDH: Entscheidung für einen Hund während des Lockdowns oft eine "unüberlegte Entscheidung"

Insbesondere der illegale Online-Handel mit Hundewelpen boome aktuell immens (Symbolfoto).
Insbesondere der illegale Online-Handel mit Hundewelpen boome aktuell immens (Symbolfoto).  © 123rf/Mikkel

Auch er sieht den Trend teilweise kritisch. "Wenn Eltern dem Kinderwunsch nachgeben und selber aber eigentlich gar keinen Hund wollen, kann das nur schiefgehen."

Vor einem Kauf müsse man sich genau überlegen, ob die eigenen Lebensumstände für die Haltung eines Hundes geeignet seien - und zwar auch in der Zeit nach Corona, sagt Kopernik. Dann sei es wichtig zu prüfen, welche der rund 350 Rassen zu einem passe - und schließlich wo man den Vierbeiner kauft.

Viele würden Hunde über das Internet erwerben. Mike Ruckelshaus, Leiter Tierschutz Inland bei der Tierschutzorganisation Tasso im hessischen Sulzbach, warnt: "Gerade der illegale Online-Welpenhandel boomt." Die "meist aus Osteuropa stammenden Wühltischwelpen" seien oft krank, viel zu früh von der Mutter getrennt.

Tasso, das ein kostenloses Haustierregister betreibt, hat 2020 einen Anstieg bei den Neuregistrierungen von Hunden verzeichnet. Das Plus lag gesamt bei knapp acht Prozent, wobei einzelne Monate bei einem Zuwachs von 25 und 20 Prozent lagen (Juni und November), wie eine Sprecherin mitteilte.

Nach Angaben von Kopernik soll es Ende Januar eine Online-Konferenz mit Tierschutzorganisationen und dem Bundeslandwirtschaftsministerium geben, bei der über eine bessere Kontrolle jenes Online-Handels gesprochen werde.

Illegaler Online-Handel mit Welpen boomt

Viele der meist aus Osteuropa stammenden Welpen seien den Müttern zu früh entrissen und in den meisten Fällen krank (Symbolfoto).
Viele der meist aus Osteuropa stammenden Welpen seien den Müttern zu früh entrissen und in den meisten Fällen krank (Symbolfoto).  © Christiane Oelrich/dpa/dpa-tmn

"Das ist ein erster zarter Ansatz", sagt er. Man habe, auch mit dem TÜV Saarland, einen Katalog erstellt, welche Kriterien ein Online-Portal als Prüfmechanismen einbauen müsse.

Klemann befürchtet, dass nach der Pandemie viele Hunde im Tierheim landen könnten. "Wenn die Leute wieder normal zur Arbeit gehen und die Kinder den Hund nicht mehr betreuen können, dann wird das ein Problem."

Die gestiegene Nachfrage habe die Preise in die Höhe gedrückt, berichtet Klemann: 20 bis 30 Prozent mehr als sonst koste ein Rassehund jetzt. Generell würden die Züchter daraufhin gewiesen, genau zu prüfen, wem sie ihren Welpen abgegeben. In Rheinland-Pfalz gebe es rund 1000 Züchter in Rassezuchtvereinen.

Laut Kopernik gibt es aber auch Menschen, die schon seit längerem ernsthaft einen Wunsch nach einem Hund hatten - und ihn sich nun endlich erfüllen konnten. "Sie haben die Zeit in Homeoffice genutzt, um die Welpen grundzuerziehen und stubenrein zu bekommen." Einen vier, fünf Monate alten Hund könne man später auch möglicherweise mit an einen Arbeitsplatz außer Haus mitnehmen, sagt der Experte.

Einige rheinland-pfälzische Kommunen vermelden ebenfalls ein Plus bei den Hunden in ihren Städten: In Mainz waren Ende 2020 mit gut 5700 Hunden über 200 Hunde mehr zur Hundesteuer angemeldet als ein Jahr zuvor, wie die Stadt mitteilte.

Am häufigsten fanden sich darunter Mischlinge, Labrador Retriever, Chihuahua und Französische Bulldogge.

Titelfoto: 123rf/Mikkel

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