Verbot der XL Bullys: Nachhaltige Ursachen-Bekämpfung von Hundeangriffen sieht anders aus

Dresden - Es ist, als hätte Großbritanniens Premierminister Rishi Sunak (43) die Vierbeiner zum Abschuss freigegeben: Das Verbot der Hunderasse XL Bully ist beschlossene Sache. Zu viele Hundeangriffe häuften sich, zwangen die britische Regierung zum Handeln. Doch ihr Beschluss gleicht einer Übersprungsreaktion als Antwort auf wütende und verängstigte Bürger.

Das XL-Bully-Verbot wird nicht von allen Briten widerstandslos angenommen.
Das XL-Bully-Verbot wird nicht von allen Briten widerstandslos angenommen.  © Jeff Moore/PA Wire/dpa

In Großbritannien als eigene Rasse anerkannt, ist es die XL-Züchtung des American Bully von der Fédération Cynologique Internationale (FCI), der größten internationalen Organisation rund um Hundezüchtung, nicht.

Groß und imposant sollte der Hund sein. Entsprechend viel Kraft haben die Tiere auch. Dass sie vermehrt in die Hände von Menschen fallen, die Kampfhunde als Statussymbol sehen und/oder sich nicht entsprechend um sie kümmern, ist allerdings nicht die Schuld der Vierbeiner.

Ja, die britische Regierung musste handeln. Allerdings ist der XL Bully nicht die Ursache des Problems. Die liegt bei uns Menschen - speziell denen, die sich keine Gedanken machen, welche Konsequenzen die Anschaffung bzw. Züchtung eines solchen Tieres haben kann.

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Eine schnelle Lösung sollte her, um aufgescheuchte, wütende und ängstliche Briten zu beruhigen. Wie gut, dass die Verbannung der Rasse auch viel kostengünstiger ist, als die Wurzel der Hundeangriffe zu suchen und das Problem dort zu bekämpfen, wo es entsteht.

Britische Regierung ermutigt XL-Bully-Halter mit Geld zum Einschläfern ihrer Haustiere

Es gibt viele Maßnahmen, welche die Situation in Großbritannien langfristig und nachhaltig hätten entspannen können - stattdessen werden Hundehalter mit Geld dazu ermutigt, ihre XL Bullys einschläfern zu lassen. (Symbolfoto)
Es gibt viele Maßnahmen, welche die Situation in Großbritannien langfristig und nachhaltig hätten entspannen können - stattdessen werden Hundehalter mit Geld dazu ermutigt, ihre XL Bullys einschläfern zu lassen. (Symbolfoto)  © 123rf/albertoclemares

Hunde loswerden ist viel einfacher, als Menschen Verantwortung beizubringen. Wieso auch Millionen in Schulungsprogramme für Hunde und Halter investieren, Tierschutzmitarbeiter ausbilden, um sicherzustellen, dass Haltungsbedingungen eingehalten werden oder Auffangstationen mit Rehabilitationsmöglichkeit schaffen und Aufklärungsarbeit leisten, wenn ein einfaches Verbot die Massen schon ruhigstellt? (Nur um ein paar Maßnahmen zu nennen, die wirklich human sind und einen positiven Langzeiteffekt haben.)

Lange wird das XL-Bully-Verbot Großbritannien keine Erleichterung verschaffen. Zwanzig Jahre vielleicht - bis die nächste exotische Züchtung da ist und der Kreislauf sich wiederholt.

Bis die nächste Hunderasse gegen eine Kompensation von 200 Pfund (rund 230 Euro) eingeschläfert wird - ein makaberes Lockmittel der britischen Regierung, um Menschen dazu zu bringen, ihre gesunden Haustiere in den Tod zu schicken.

Nicht nur vom Standpunkt eines Tierliebhabers, den Dana-Jane Kruse als TAG24-Redakteurin ebenfalls vertritt, ist das Verbot der XL Bullys fragwürdig.
Nicht nur vom Standpunkt eines Tierliebhabers, den Dana-Jane Kruse als TAG24-Redakteurin ebenfalls vertritt, ist das Verbot der XL Bullys fragwürdig.  © Eric Münch

Die Politik setzt nicht dort an, wo wirklich etwas verbessert werden kann. Stattdessen wird die finanziell günstigste Lösung gesucht, die kaum Verantwortung von Hundehaltern fordert und schnell umzusetzen ist. Deshalb werden auch kerngesunde Hunde sterben, die noch nie in ihrem Leben zugebissen haben.

Titelfoto: Jeff Moore/PA Wire/dpa, 123RF/albertoclemares

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