Schwere Vorwürfe: Hatte Minister Backhaus gar kein Interesse an "Timmys" Rettung?

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Insel Poel/Anholt - Kaum ein Thema hat Deutschland in den vergangenen Wochen so sehr bewegt wie Buckelwal "Timmy". Obwohl der Ozeanriese nach seiner Freilassung in der Nordsee tot vor der dänischen Insel Anholt strandete, sorgt er weiterhin für Schlagzeilen. Nun schreibt das Drama das nächste Kapitel.

Der österreichische Unternehmer Thomas Stelzl (60) ist unter anderem Erfinder von "iWarn", der laut Beschreibung "modernsten Warnleuchte der Welt".
Der österreichische Unternehmer Thomas Stelzl (60) ist unter anderem Erfinder von "iWarn", der laut Beschreibung "modernsten Warnleuchte der Welt".  © TST/2026

Gegenüber TAG24 erhebt der österreichische Unternehmer Thomas Stelzl (60), langjähriger Freund und Firmenpartner von Formel-1-Legende Niki Lauda (†70), schwere Vorwürfe. Seine Anschuldigungen richten sich in erster Linie gegen Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (67, SPD), aber auch gegen die private Rettungsinitiative.

In einem mehrstündigen Gespräch berichtete der 60-Jährige davon, Anfang April ein schriftliches Konzept (liegt TAG24 vor) zur Rettung von "Timmy" beim Ministerium eingereicht zu haben. Zu dem damaligen Zeitpunkt lag der Wal vor der Insel Poel, seitens der Behörde waren keine Rettungsmaßnahmen mehr geplant.

Das Konzept, das laut Stelzl unter anderem mit Veterinären, technischen Experten sowie Geologen abgestimmt gewesen sei, sah vor, mithilfe spezieller Sandsäcke, sogenannter "Big Bags", eine Art "Heil- und Erholungsbecken" anzulegen - um so den größten Gefahren für "Timmy" entgegenzuwirken und Zeit zu gewinnen.

Das Konzept sah vor, Buckelwal "Timmy" in einem "Heil- und Erholungsbecken" gesunden zu lassen.
Das Konzept sah vor, Buckelwal "Timmy" in einem "Heil- und Erholungsbecken" gesunden zu lassen.  © TST/2026

Der Plan sei es gewesen, die "Big Bags" rund um das Tier zu platzieren. Im Inneren des Beckens hätte der Wasserstand anschließend künstlich auf mindestens drei Meter erhöht werden können, um den Wal zum "floaten" zu bringen und so die durch das Eigengewicht massiv beeinträchtigten Organe zu entlasten.

Gleichzeitig wäre die Salzkonzentration des Wassers schrittweise künstlich erhöht worden, um die Heilung der stark in Mitleidenschaft gezogenen Haut des Tieres zu ermöglichen. So hätte der Wal laut Stelzl in Ruhe genesen und weitere Schritte hätten ohne Eile geplant werden können.

Unternehmer: Backhaus hat "jeden Tag gehofft, dass Timmy abkratzt"

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) sieht sich schweren Anschuldigungen ausgesetzt.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) sieht sich schweren Anschuldigungen ausgesetzt.  © Philip Dulian/dpa

Minister Backhaus hätte nach Angaben des Unternehmers im sprichwörtlichen Sinne "nur auf den Knopf drücken müssen", dann wären die Maßnahmen angelaufen. Die Kosten hätten sich demnach zudem in Grenzen gehalten, da alle Ressourcen bei Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) vorhanden gewesen wären.

Doch es passierte: nichts. Zwar habe er vom Ministerium die Bestätigung bekommen, dass das Konzept eingegangen sei, mehr aber nicht. Auch eine weitere Kontaktaufnahme Mitte April blieb unbeantwortet. Stattdessen habe sich Backhaus in einem Medien-Statement vor Ort in Poel über vermeintlich KI-generierte Konzepte lustig gemacht, so der Vorwurf von Stelzl.

Auch abgesehen davon komme das Verhalten des Ministers in seinen Augen einem "Handlungsversagen" und "Skandal" gleich. Der Österreicher, selbst seit Jahrzehnten Mitglied in verschiedenen Rettungsorganisationen, verdeutlichte: "Man hat organisatorisch nichts getan, um dem Wal zu helfen, aber der Abtransport des Kadavers war schon frühzeitig geklärt."

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Mit Blick auf das medizinische Gutachten, das dem Wal geringe Überlebenschancen in Aussicht stellte und auf das sich Backhaus berufen hatte, argumentierte Stelzl, dass das keineswegs bedeuten müsse, dass man das Tier "mutterseelenallein und elendig verrecken" lasse.

Zudem habe es Experten gegeben, die sich sehr wohl noch für eine Rettung ausgesprochen hätten - für den Minister "eine Verpflichtung, es zu probieren". Doch Backhaus habe "jeden Tag gehofft, dass Timmy endlich abkratzt", wie es der Unternehmer ausdrückte.

Blockierte Minister Backhaus die Maßnahmen der Initiative aktiv?

Tierärztin Kirsten Tönnies (58, l.) übte nach der Rettung von "Timmy" massive Kritik an Backhaus. Dieser schloss sich Stelzl an.
Tierärztin Kirsten Tönnies (58, l.) übte nach der Rettung von "Timmy" massive Kritik an Backhaus. Dieser schloss sich Stelzl an.  © Philip Dulian/dpa

Dann trat schließlich die private Initiative auf den Plan - und der Minister habe laut Stelzls Einschätzung "immer wieder versucht, die Maßnahmen zu blockieren". Der Unternehmer verwies dabei auch auf Tierärztin Kirsten Tönnies (58), die nach der Rettung ihrerseits massive Kritik an Backhaus und der Behörde geübt hatte.

Doch warum hätte der Politiker die Arbeit des Retter-Teams aktiv behindern sollen? "Wenn die private Rettung erfolgreich gewesen wäre, hätte er sich erklären müssen, warum er den Wal zuvor einfach hätte sterben lassen", argumentierte der Österreicher.

Irgendwann habe Backhaus seine Strategie dann jedoch geändert - nachdem ihm aus der PR-Abteilung des Ministeriums geraten worden sei, sich mit Blick auf die im Herbst anstehende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern als "Wal-Retter" und "Wal-Flüsterer" zu inszenieren, so Stelzls Anschuldigung.

TAG24 konfrontierte das Umweltministerium mit den konkreten Vorwürfen und bat im Rahmen eines Fragenkatalogs um eine Stellungnahme. Die Behörde ließ die Anfrage unbeantwortet.

Was Unternehmer Stelzl darüber hinaus der privaten Rettungsinitiative vorwirft, lest ihr zeitnah exklusiv bei TAG24.

Titelfoto: Fotomontage: TST/2026, Philip Dulian/dpa

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