Ukraine-Krieg: Neue Medwedew-Drohung: "radioaktive Asche" über Warschau

Ukraine - Bei einem russischen Angriff auf einen Baumarkt in Charkiw sterben mindestens elf Menschen. Selenskyj sieht darin eine Manifestation des russischen Wahnsinns

Nach einem Raketenangriff auf Charkiw tragen ukrainische Militärangehörige einen Toten weg.
Nach einem Raketenangriff auf Charkiw tragen ukrainische Militärangehörige einen Toten weg.  © SERGEY BOBOK / AFP

Bei einem russischen Angriff auf einen gut besuchten Baumarkt in der ostukrainischen Großstadt Charkiw sind 14 Menschen ums Leben gekommen.

Russland bombardierte die Ukraine nach Kiewer Militärangaben auch in der Nacht auf Sonntag mit Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen. Dabei kamen auch Hyperschallraketen vom Typ Kinschal zum Einsatz.

Selenskyj erneuerte den Ruf nach mehr Flugabwehrsystemen für sein Land. "Hätte die Ukraine genügend Flugabwehrsysteme und moderne Kampfflugzeuge, wären russische Angriffe wie dieser unmöglich."

Ukraine-Geheimdienst vereitelt Attentat auf Selenskyj: Zwei Männer festgenommen
Ukraine Ukraine-Geheimdienst vereitelt Attentat auf Selenskyj: Zwei Männer festgenommen

Bei einem ukrainischen Raketenangriff auf die südrussische Region Belgorod wurden am Samstag nach offiziellen Angaben drei Menschen getötet worden.

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25. Mai, 19.11 Uhr: Neue Medwedew-Drohung: "radioaktive Asche" über Warschau

Russlands früherer Präsident Dmitri Medwedew hat Polen nach Äußerungen von Außenminister Radoslaw Sikorski mit "radioaktiver Asche" gedroht.

"Die Amerikaner haben den Russen gesagt, wenn ihr eine Atombombe zündet, selbst wenn sie niemanden tötet, werden wir alle eure Ziele in der Ukraine mit konventionellen Waffen treffen, wir werden sie alle vernichten", sagte Sikorski.

Der polnische Präsident Andrzej Duda habe um die Stationierung taktischer Atomwaffen aus den USA in Polen gebeten, behauptete Medwedew. "Warschau wird nicht ausgelassen und bekommt mit Sicherheit seinen Teil radioaktiver Asche ab. Ist es das, was ihr wollt?", ergänzte Medwedew.

Putins ergebener Mitarbeiter und Ex-Präsident, Dmitri Medwedew (58), droht einmal mehr mit Atombomben.
Putins ergebener Mitarbeiter und Ex-Präsident, Dmitri Medwedew (58), droht einmal mehr mit Atombomben.  © Yekaterina SHTUKINA / Sputnik / AFP

25. Mai, 16.28 Uhr: Nach Raketen-Angriff auf Baumarkt: Zahl der Toten auf 14 gestiegen

Die Zahl der Todesopfer der russischen Angriffe auf ein Eisenwarengeschäft in der ostukrainischen Stadt Charkiw ist am Sonntag auf 14 gestiegen.

Das teilte der Gouverneur der Region, Oleg Synegubow, mit. Rettungskräfte würden demnach noch immer den völlig zerstörten Baumarkt nach weiteren Leichen durchsuchen.

Als die Russen-Rakete einschlug, war der Baumarkt gut besucht. Hier tragen Einsatzkräfte einen Toten weg.
Als die Russen-Rakete einschlug, war der Baumarkt gut besucht. Hier tragen Einsatzkräfte einen Toten weg.  © SERGEY BOBOK / AFP

26. Mai, 13.48 Uhr: Russen wollen weiteres Dorf in der Region Charkiw eingenommen haben

Das russische Verteidigungsministerium teilte am Sonntag mit, dass seine Streitkräfte ein Dorf in der nordöstlichen Region Charkiw "befreit" haben.

Berestove liegt an der östlichen Frontlinie in der Nähe der Region Lugansk, die fast vollständig unter russischer Kontrolle steht.

26. Mai, 7.15 Uhr: Selenskyj bittet erneut um Flugabwehrsysteme

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneuerte den Ruf nach mehr Flugabwehrsystemen für sein Land.

"Hätte die Ukraine genügend Flugabwehrsysteme und moderne Kampfflugzeuge, wären russische Angriffe wie dieser unmöglich." An die Unterstützer der Ukraine richtete er auf der Plattform X den Appell: "Wir brauchen eine bedeutende Verstärkung der Flugabwehr und ausreichende Möglichkeiten, die russischen Terroristen zu vernichten."

25. Mai, 18.05 Uhr: Selenskyj hält Angriff auf Baumarkt für "Manifestation des russischen Wahnsinns"

Der Angriff des russischen Militärs auf einen Baumarkt in der ostukrainischen Großstadt Charkiw ist nach Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj "eine weitere Manifestation des russischen Wahnsinns".

"Nur Wahnsinnige wie Putin sind in der Lage, Menschen auf so abscheuliche Weise zu töten und zu terrorisieren", sagte der ukrainische Präsident in seiner täglichen Videoansprache.

Nach Angaben des regionalen Zivilschutzes wurden bei dem Angriff mindestens zwei Menschen getötet und weitere 33 verletzt. Die Löschtrupps der Feuerwehr kämpften sich unterdessen weiter in das zerstörte Gebäude vor. Zum Zeitpunkt des Angriffs hatten sich Selenskyj zufolge rund 200 Menschen in dem Baumarkt "Epizentr" aufgehalten

25. Mai, 16.40 Uhr: Putin: Müssen Feinden einen Schritt voraus sein

Russland muss nach den Worten von Kremlchef Wladimir Putin seinen Gegnern "immer einen Schritt voraus sein".

"Dann ist der Sieg unser", sagte Putin am Samstag bei einem Treffen mit Vertretern seiner Rüstungsindustrie.

"Ihre Spezialisten und Sie selbst sind immer in Kontakt mit unseren Leuten, die an der vordersten Kampflinie arbeiten, kämpfen, sich nicht schonen und die Interessen Russlands verteidigen."

Wladimir Putin will seinen Gegnern "einen Schritt voraus sein".
Wladimir Putin will seinen Gegnern "einen Schritt voraus sein".  © YURI KOCHETKOV / POOL / AFP

25. Mai, 15.21 Uhr: Ukrainischer Rückzug vor Charkiw - Ermittlungen gegen Offiziere

Mehreren ukrainischen Kommandeuren droht ein Strafverfahren wegen des militärischen Versagens zu Beginn der neuen russischen Offensive bei Charkiw.

Das Staatliche Ermittlungsbüro der Ukraine habe Ermittlungen eingeleitet, berichteten ukrainische Medien am Samstag. Den Offizieren werde vorgeworfen, die Verteidigung an der Grenze zu Russland nicht ordnungsgemäß organisiert zu haben.

Nach dem Angriff am 10. Mai habe die ukrainische Armee ihre vorderen Stellungen und mehrere Dörfer räumen müssen. Es habe hohe Verluste an Soldaten und Material gegeben.

Die jüngste russische Offensive im Gebiet Charkow hat die Ukraine kalt erwischt. Nun sollen offenbar Köpfe rollen.
Die jüngste russische Offensive im Gebiet Charkow hat die Ukraine kalt erwischt. Nun sollen offenbar Köpfe rollen.  © Russisches Verteidigungsministerium

25. Mai, 14 Uhr: Moskau meldet Einnahme von weiterem ukrainischen Dorf

Angaben des russischen Verteidigungsministeriums zufolge soll die eigene Armee das Dorf Archanhelske in der ostukrainischen Region Donezk eingenommen haben.

Auch in der Region Charkiw im Nordosten der Ukraine seien die russischen Streitkräfte auf dem Vormarsch und hätten zwei Gegenangriffe der ukrainischen Streitkräfte abgewehrt, zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax das Ministerium.

25. Mai, 12.50 Uhr: Russisches Atomraketen-Frühwarnsystem offenbar bei Angriff beschädigt

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff soll ein Radar des russischen Frühwarnsystems gegen anfliegende Atomraketen beschädigt worden sein.

Das schrieb das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) in einem aktuellen Lagebericht zum Krieg gegen die Ukraine. Die Angaben wurden weder von russischen noch von ukrainischen Behörden bestätigt. Der Angriff soll sich bereits in der Nacht zu Donnerstag ereignet haben. Dabei sei die Anlage nahe der Stadt Armawir im Süden Russlands getroffen worden.

Der ehemalige russische Botschafter bei der NATO, Dmitri Rogosin, sprach auf X ebenfalls von Schäden an dem Frühwarnsystem, das ein "Schlüsselelement der militärischen Steuerung der strategischen Nuklearstreitkräfte" sei.

25. Mai, 9.25 Uhr: Russland hat seit Kriegsbeginn offenbar über 500.000 Soldaten verloren

Die russische Armee soll laut Angaben des ukrainischen Generalstabs seit Kriegsausbruch insgesamt 500.080 Soldaten verloren haben.

Allein in den letzten 24 Stunden seien 1140 Verluste hinzugekommen. Unabhängig bestätigen lassen sich die Zahlen nicht. Zudem seien im Verlauf des Krieges bereits 7650 russische Panzer zerstört worden, genauso wie 12.929 Artilleriesysteme und 1082 Mehrfach-Raketenwerfer.

Russland verlor den Angeben zufolge bislang auch 356 Flugzeuge, 12.929 Artillerie-Geschütze und ein U-Boot.

Präsident Wladimir Putin (71) äußerte sich nicht zu Verlusten innerhalb seiner Armee.
Präsident Wladimir Putin (71) äußerte sich nicht zu Verlusten innerhalb seiner Armee.  © Yuri Kochetkov/Pool/AFP

25. Mai, 7.20 Uhr: Hofreiter für Waffeneinsatz der Ukraine auf russischem Territorium

Der Grünen-Außenpolitiker Anton Hofreiter (54) will der Ukraine erlauben, mit westlichen Waffen auch russisches Territorium anzugreifen.

"Es geht hier um den Schutz der ukrainischen Bevölkerung. Daher sollten wir die Ukraine nicht daran hindern, mit den gelieferten Waffen russische Kampfjets auch im russischen Luftraum abzuwehren", sagte Hofreiter den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Das Völkerrecht erlaubt es einem angegriffenen Staat, militärische Ziele im Land des Aggressors zu attackieren."

Russland passe die eigene Kriegsführung ständig an und nutze ukrainische Schwächen konsequent aus, betonte Hofreiter. Die russische Armee beschieße Tag und Nacht vom eigenen Staatsgebiet aus die ukrainische Millionenstadt Charkiw, auch mit Gleitbomben, die nur 40 Sekunden bis zum Einschlag bräuchten, erläuterte er.

Hofreiter forderte zudem einen 500 Milliarden Euro schweren europäischen Verteidigungsfonds. Die Mittel sollten auch dazu genutzt werden, die europäische Infrastruktur zu härten, sagte er. (Archivbild)
Hofreiter forderte zudem einen 500 Milliarden Euro schweren europäischen Verteidigungsfonds. Die Mittel sollten auch dazu genutzt werden, die europäische Infrastruktur zu härten, sagte er. (Archivbild)  © Odd ANDERSEN/AFP

25. Mai, 7.15 Uhr: Chinas Hilfe für Russland entscheidend im Ukraine-Krieg, so NATO-Chef

Chinas Unterstützung für Moskau ist für den russischen Angriffskrieg nach Ansicht von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg (65) "entscheidend".

"China sagt, es wolle gute Beziehungen mit dem Westen unterhalten. Zur gleichen Zeit heizt Peking aber den Krieg in Europa an. Man kann nicht beides haben", sagte Stoltenberg der "Welt am Sonntag".

Es gebe eine eindeutige Zunahme der Verkäufe von Maschinenteilen, Mikroelektronik und anderen Technologien, die Moskau nutzt, um Raketen, Panzer und Flugzeuge für den Einsatz gegen die Ukraine zu produzieren. "Chinas Unterstützung ist für den russischen Angriffskrieg entscheidend", sagte Stoltenberg.

Titelfoto: Yekaterina SHTUKINA / Sputnik / AFP

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