Ein Jahr nach Zug-Entgleisung mit drei Toten: Bei den Einsatzkräften sitzt der Schock noch immer

Von Aleksandra Bakmaz

Riedlingen - Vor genau einem Jahr ist ein Regionalexpress nach einem Hangrutsch in einer Ortschaft von Riedlingen im Landkreis Biberach entgleist und gegen einen Baum geprallt. Drei Menschen sterben, mehr als 30 werden verletzt, manche von ihnen schwer.

Feuerwehrmann Stefan Kuc (l.) und Einsatzleiter Thomas Steinhardt haben den dramatischen Einsatz noch bildlich vor sich.  © Bernd Weißbrod/dpa

Nun fahren wieder Regionalzüge über die Strecke, von der Katastrophe ist auf den ersten Blick kaum noch etwas zu sehen. Für den damaligen Einsatzleiter Thomas Steinhardt und Stadtbrandmeister Stefan Kuc von der Feuerwehr Riedlingen genügt jedoch ein Blick auf die Gleise und die Erinnerungen sind wieder da.

"Das kommt sofort", sagt Steinhardt an der Unfallstelle. Schon der Anblick eines gelb-weißen Regionalzugs reiche aus.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehrabteilung Zell-Bechingen seien als erste Retter vor Ort gewesen, berichtet Kuc. "Sie sind von null auf hundert in eine Situation gekommen, die außergewöhnlich und natürlich auch chaotisch war." Sie seien zunächst auf sich allein gestellt gewesen, gerade auch bei der Betreuung und Versorgung der Verletzten.

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Gerufen worden seien sie zu einem gewöhnlichen Unwetter-Einsatz mit herausgespültem Kanaldeckel und umgestürztem Baum. Hinter dem Baum habe sich ihnen ein Bild geboten, das viele bis heute nicht loslasse.

Mehrere Notrufe seien an dem Sommerabend eingegangen, sagt Kuc. Erst als sie auf der Brücke über den Gleisen ankamen, hätten auch er und Steinhardt gesehen, was da passiert sei.

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Für die Einsatzkräfte war es ein stundenlanger Kampf auf unwegsamem Gelände.  © Thomas Warnack/dpa

Leichen aus Waggon geschleudert

Der zweite Schock für die Einsatzkräfte kommt schnell. Die Leichen des Lokführers und eines Auszubildenden der Bahn wurden aus den Waggons geschleudert. Auf sie stoßen die beiden so ziemlich zu Beginn des Einsatzes. Auch die Leiche einer 70 Jahre alten Frau im vorderen Waggon wird schnell entdeckt. Sie alle haben an diesem 27. Juli ihr Leben verloren.

Am Montag wird der Opfer in einem Gottesdienst an der Unglücksstelle gedacht. 

In dem Moment sei klar gewesen, was zu tun sei, sagt Kuc. "Wir mussten die Leute so schnell wie möglich aus dem Zug kriegen und nach oben bringen." Zur Unfallstelle herunterzukommen, das sei ein Kampf gewesen. "Die Böschung war bewachsen mit kleinen Bäumen und Sträuchern", berichtet Steinhardt. 

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Steinhardt: "Hilfe kommt, hab' ich gesagt"

Dramatische Szenen im Sommer 2025: Zahlreiche Menschen wurden im Zug eingeklemmt und mussten geborgen werden.  © Bernd Weißbrod/dpa

"Es war relativ steil da herunterzukommen. Thomas hat die Waggons erkundet", berichtet Kuc. Am Zug trifft Steinhardt direkt auf den ersten Schwerverletzten. "Zum offenen Fenster hat ein Mann herausgeschaut, blutüberströmt", berichtet der Feuerwehrmann. Er habe ihm gesagt, dass drei oder vier weitere Fahrgäste eingeklemmt seien. Auch eine schwangere Frau. "Hilfe kommt, hab' ich gesagt."

Am Anfang sei gar nicht klar gewesen, wie viele Menschen im Zug gewesen seien und ob es nicht noch mehr Tote gebe.

"Wir wussten auch nicht, ob noch jemand unter dem Zug liegt", sagt Steinhardt. Innerhalb von eineinhalb Stunden habe es zumindest eine erste Gewissheit gegeben.

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Während der Rettung der Verletzten drückt ihm ein erschöpfter Rettungsdienstler plötzlich ein kleines Mädchen in den Arm, das nach den Eltern und Geschwistern suchte, berichtet Kuc. Sie habe sich gleich festgeklammert. "Das werde ich auch nie vergessen", so der 50-Jährige. Später habe er sich nach ihr erkundigt, ihre Familie habe zum Glück überlebt.

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