Crans-Montana (Schweiz) - Die Silvesterparty in der Bar "Le Constellation" im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana endete in einer Katastrophe. Ein Feuer brach aus, Flammen bahnten sich schlagartig ihren Weg durch das Lokal. Rund 40 Gäste kamen ums Leben, mehr als 115 wurden verletzt. Jetzt muss ermittelt werden, warum sich der Brand so rasend schnell ausbreiten konnte. Ein Ansatzpunkt: ein sogenannter "Flashover".
"Eine Wunderkerze wurde zu nahe an die Decke gehalten. Diese fing sofort Feuer. Innerhalb weniger Sekunden stand die gesamte Decke in Flammen", schilderten Emma und Albane gegenüber BFMTV den Moment, als sich alles änderte.
Die Französinnen wollten wie so viele andere junge Leute in der Bar den Jahreswechsel feiern. Nur einen Meter von ihnen entfernt loderten plötzlich Flammen. Alle hätten geschrien, versuchten, zu entkommen. Emma und Albane schafften es. Sie hatten Glück.
Binnen Augenblicken soll es im "Le Constellation" eine Art Flächenbrand gegeben haben. Das Online-Magazin INGENIEUR.de erklärt das Phänomen hinter dem möglichen Flashover.
Demnach sei eine Sache Fakt: Je mehr brennbares Material sich in einem geschlossenen Raum befindet, desto größer ist die Gefahr einer "unkontrollierbaren Branddynamik". Möbel, Textilien, Kleidung - die Schweizer Bar war voll davon.
Freigesetzte Gase könnten für eine Durchzündung in der Bar gesorgt haben
Nachdem die Decke Feuer gefangen hatte, sammelte sich dort heiße Brandluft und bildete eine Rauch- und Gaszone. Erreicht diese Temperaturen im Bereich von etwa 500 bis 600 Grad, kann es kritisch werden. Nämlich dann, wenn die Hitze auf den Rest des Raums abstrahlt und es so heiß wird, dass Möbel und Co. beginnen, sich chemisch zu zersetzen und Gase freisetzen.
Vermischen sich freigesetzte Gase von Boden und Decke, kann es ab einer bestimmten Temperatur "Rumms machen" - es kommt zu einer plötzlichen Durchzündung.
"Innerhalb weniger Sekunden steigen die Temperaturen auf Werte, die ein Überleben ohne Schutz unmöglich machen. Gleichzeitig sinkt der Sauerstoffgehalt rapide", wird im Fachmagazin erklärt.
Im "Le Constellation" sollen bauliche Gegebenheiten die Lage nicht begünstigt haben. Emma und Albane prangerten zu schmale Ausgänge an. Türen seien angesichts der vielen Menschen zu klein gewesen. "Jemand schlug eine Scheibe ein, damit wir hinauskonnten", schilderten die Französinnen.
Stammgast spricht von verstecktem Notausgang im "Le Constellation"
BILD berichtet, dass es laut Überlebenden nur einen Weg, der zugleich Ein- und Ausgang war, aus der brennenden Bar gegeben habe. Ein Stammgast will außerdem von einem Notausgang gewusst haben, der sich in einem abseits gelegenen Raucherzimmer befunden haben soll. Ob anderen Gästen das bekannt war?
"Alle im Ort wussten, das läuft irgendwann schief", so der Stammgast.