Silvester-Tragödie in der Schweiz: "Flashover" sorgte für schlimme Verbrennungen bei Opfern

Von Christiane Oelrich, Holger Mehlig

Crans-Montana - Nach der Brandtragödie in der Silvesternacht mit rund 40 Toten in einer Bar im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana sind viele Fragen offen.

Im Inneren der Bar brach ein Feuer aus. Noch sind viele Fragen unklar.  © Police Cantonale Valaisanne/Police Cantonale Valaisanne/AP/dpa

Politiker, Staatsanwältin und Polizei brachten ihre Erschütterung zum Ausdruck - viele Ermittlungsergebnisse präsentierten sie in den ersten 24 Stunden nach dem Unglück nicht.

Die meisten der rund 115 Verletzten erlitten schwere Brandwunden, einige schwebten in der Nacht noch in Lebensgefahr.

Die Regierung des Kantons Wallis sprach in einer Mitteilung von einem "Flashover" in der Bar, ohne eine Quelle für diese Information zu nennen. Mit dem Ausdruck wird der sekundenschnelle Übergang eines kleinen Feuers zu einem Großbrand bezeichnet.

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Das passiert durch riesige Hitze, die brennbares Material so zersetzt, dass es bestimmte Gase bildet und dann auch ohne Flammenkontakt sekundenschnell in Brand gerät. Ohne Schutzkleidung sei das kaum zu überleben, sagte die Brandschutzsachverständige Sandra Barz im ARD-"Brennpunkt".

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Opfer haben teilweise schlimme Brandverletzungen

Trauernde versammelten sich, um Blumen niederzulegen und Kerzen anzuzünden, um der Opfer des Brandes zu gedenken.  © Alessandro Della Valle/KEYSTONE/dpa

Zahlreiche der mehr als 110 Verletzten wiesen lebensbedrohliche Verbrennungen auf. In der Universitätsklinik Lausanne wurden allein etwa 13 erwachsene und 8 minderjährige Brandverletzte aufgenommen, "deren Körperoberfläche zu mehr als 60 Prozent verbrannt ist", wie der Chefarzt des Spitals Morges, Wassim Raffoul, dem Sender RTS sagte.

Die meisten dürften Teenager oder Anfang 20-Jährige gewesen sein, heißt es vonseiten der Polizei, womöglich Minderjährige. Die Bar "Le Constellation" war nach Angaben von Anwohnern bei ihnen besonders angesagt.

Der Flughafen von Genf bereitete sich auf die Ankunft der Familien ausländischer Opfer vor, wie der Kanton Genf berichtete. Er liegt am nächsten am Unglücksort, aber auf dem Landweg immer noch 180 Kilometer entfernt.

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Unter den Toten und Verletzten sind nach italienischen Angaben Italiener, andere Staaten hielten sich bedeckt. Ob Deutsche darunter waren, ist ungewiss. Das Außenministerium in Berlin steht nach eigenen Angaben mit den Behörden in Verbindung.

Der französische Präsident Emmanuel Macron teilte auf der Plattform X mit, Frankreich nehme Verletzte in seinen Krankenhäusern auf und stehe für jede Hilfe zur Verfügung. Daneben haben auch Schweden und Nordmazedonien ihre Hilfe angeboten.

Bislang wurde niemand festgenommen

Über die Identität der Todesopfer und Verletzten ist bislang nichts bekannt.  © Alessandro Della Valle/KEYSTONE/dpa

"Unsere Hauptthese ist, dass der gesamte Raum Feuer gefangen hat, und das zu einer Explosion geführt hat", sagte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud. Fast alles andere bleibt offen. Priorität sei, die Todesopfer zu identifizieren, um sie ihren Angehörigen zu übergeben, sagte sie.

Wie viele Menschen in der Bar waren, für wie viele Besucher sie zugelassen war, ob die Notausgänge funktionierten oder die Treppe, die nach Angaben von Besuchern zu eng war, um sich schnell vor den Flammen zu retten, regelkonform war - Pilloud machte dazu auch knapp 18 Stunden nach der Tragödie noch keine Angaben.

Ob Kerzen oder ein Feuerwerkskörper den Brand auslösten, wie etwa Gäste mutmaßten - man wisse es noch nicht.

Sie wolle Handys auswerten, die am Unglücksort sichergestellt wurden. Ob die Barbesitzer verhört werden, blieb ebenfalls offen. Es sei auf jeden Fall niemand festgenommen worden, sagte Pilloud.

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Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin (r.) und Mathias Reynard, Staatsrat und Präsident des Staatsrats des Kantons Wallis besuchten am Donnerstag den Unglücksort.  © Alessandro Della Valle/KEYSTONE/dpa

Der 18-jährige Alexis Lagger sah nach eigenen Angaben in der Nacht beim Vorbeigehen Rauch aus der Bar kommen und verständigte die Polizei. Sekunden später seien Flammen aus dem Lokal geschlagen. "Die Menschen versuchten, die Fenster mit Stühlen und Tischen einzuschlagen", berichtete er dem Westschweizer Fernsehen.

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