Tote, eingestürzte Häuser und viele Vermisste nach schweren Überschwemmungen

Mainz/Schuld - Nach starken Regenfällen und Überschwemmungen herrscht vielerorts in Rheinland-Pfalz Land unter.

Ein Feuerwehrauto fährt bei Gelsdorf über eine überflutete Landstraße: Nach starken Regenfällen und Überschwemmungen herrscht an vielen Orten in Rheinland-Pfalz Land unter.
Ein Feuerwehrauto fährt bei Gelsdorf über eine überflutete Landstraße: Nach starken Regenfällen und Überschwemmungen herrscht an vielen Orten in Rheinland-Pfalz Land unter.  © Thomas Frey/dpa

Nach Überflutungen und Dauerregen sind laut Polizei im Eifel-Ort Schuld bei Adenau in der Nacht zum Donnerstag sechs Häuser eingestürzt.

Nach Angaben eines Polizeisprechers vom Morgen werden dort derzeit mehr als 30 Menschen vermisst.

Eine Vielzahl an Häusern sei instabil, es bestehe Einsturzgefahr. Die Lage in Schuld sei unübersichtlich, so der Sprecher. Wie viele Menschen genau vermisst würden, sei noch unklar. Der Katastrophenfall sei ausgerufen worden.

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Der gesamte Landkreis Ahrweiler sei von der Unwetterlage betroffen, sagte der Sprecher. Mehrere Orte wurden demnach wegen des Hochwassers von der Außenwelt abgeschnitten. Ungefähr 50 Menschen befänden sich dort auf Hausdächern und müssten gerettet werden.

Auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist die Situation wegen Hochwassers nach Angaben eines Kreis-Sprechers extrem gefährlich. In Messerich in der Eifel wurden nach Angaben des Kreises zwei Helfer des Technischen Hilfswerks von den Fluten eingeschlossen, es besteht Lebensgefahr, wie der SWR berichtete.

Am Abend hatten die Behörden im Landkreis Ahrweiler extremen Starkregen gemeldet. Die Feuerwehr Koblenz half zusammen mit dem Technischen Hilfswerk Lahnstein und der Feuerwehr Mainz aus, um 800 Sandsäcke pro Stunde zu füllen. Diese wurden mit sechs Lkw in den Landkreis Ahrweiler gebracht.

Es sei mit Sturzfluten und Überflutungen zu rechnen, hieß es. Auf dem Campingplatz "Stahlhütte" in Dorsel (Kreis Ahrweiler) und weiteren Anlagen entlang der Ahr mussten Personen von den Dächern ihrer Campingwagen gerettet werden.

Überflutungen in Rheinland-Pfalz: Der Ort Erdorf im Eifelkreis Bitburg-Prüm steht in Teilen unter Wasser.
Überflutungen in Rheinland-Pfalz: Der Ort Erdorf im Eifelkreis Bitburg-Prüm steht in Teilen unter Wasser.  © Harald Tittel/dpa

Feuerwehren im Dauereinsatz wegen Überflutungen

Die Feuerwehren in Rheinland-Pfalz rückten zu zahlreichen Einsätzen aus.
Die Feuerwehren in Rheinland-Pfalz rückten zu zahlreichen Einsätzen aus.  © Thomas Frey/dpa

Die Kreisverwaltung in Daun rief den Katastrophenfall aus. Unter anderem bleiben die Schulen im Landkreis Vulkaneifel an diesem Donnerstag geschlossen. Unterdessen steigt das Hochwasser an Rhein, Ahr und Mosel.

"Die Lage ist sehr ernst, wir haben viele überschwemmte Straßen und Ortschaften, die nicht mehr erreichbar sind", sagte die Landrätin des Kreises Vulkaneifel, Julia Gieseking (SPD), am Mittwochabend. "Ich appelliere an die Bevölkerung, dass alle zu Hause bleiben und sich schützen vor den Wassermassen."

Aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm berichtete ein Fotograf der Deutschen Presse-Agentur von zahlreichen gesperrten Straßen.

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In Prüm war die Feuerwehr im Dauereinsatz, wie ein Gemeindesprecher sagte. Die Pegelstände der Bäche seien stark angestiegen, zahlreiche Keller voll gelaufen. Die Feuerwehr verteilte an die 5000 Sandsäcke in der Verbandsgemeinde. Im Kreis Bernkastel-Wittlich wurde vor "langanhaltenden und kreisweiten Stromausfällen" gewarnt.

Weiter westlich rief der Kreis Trier-Saarburg am Mittwochabend die zweithöchste Alarmstufe aus. In dieser vierten von fünf Alarmstufen übernimmt die Kreisverwaltung die Koordination der Einsätze in den sieben Verbandsgemeinden.

Von Überschwemmungen waren vor allem die Verbandsgemeinden Trier-Land, Schweich und Konz betroffen. "Das Wetter kommt runter von der Eifel in Richtung Trier", sagte eine Sprecherin der Kreisverwaltung.

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Update, 15. Juli, 8.08 Uhr: Vier Tote bei Unwettern im Landkreis Ahrweiler

Im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz sind vier Menschen nach schweren Überflutungen ums Leben gekommen. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei in Koblenz am Donnerstagmorgen.

Die genauen Umstände seien noch unklar. Die Opfer wurden demnach an mehreren Orten gefunden.

Update, 15. Juli, 9.15 Uhr: Hotline zur Hochwasserkatastrophe für Angehörige von Vermissten

Die Polizei hat zur Hochwasserkatastrophe in der rheinland-pfälzischen Eifel eine Hotline für Angehörige sowie ein Internetportal für Videos und Bilder eingerichtet.

Unter der Nummer 08006565651 könnten sich Menschen melden, die Angehörige vermissen, schrieb das Polizeipräsidium Koblenz am Donnerstag auf Twitter.

Unter dem Hinweisportal https://rlp.hinweisportal.de könnten Videosequenzen und Fotos hochgeladen werden, "die Hinweise auf vermisste Personen und Tote geben können".

Update, 15. Juli, 10.25 Uhr: Rund 2000 Menschen in Rheinland-Pfalz durch Hochwasser eingeschlossen

Wegen des Hochwassers sind alle Zufahrtswege zur Gemeinde Kordel im rheinland-pfälzischen Landkreis Trier-Saarburg abgeschnitten.

Der Ort mit rund 2000 Einwohnern sei momentan nicht erreichbar, sagte ein Kreissprecher am Donnerstag.

Die Kyll ist in Erdorf in Rheinland-Pfalz über die Ufer getreten und hat Teile des Dorfes geflutet.
Die Kyll ist in Erdorf in Rheinland-Pfalz über die Ufer getreten und hat Teile des Dorfes geflutet.  © Harald Tittel/dpa

Update, 15. Juli, 10.33 Uhr: Zahlreiche Haushalte in der Eifel ohne Strom

Die Unwetter und Überschwemmungen in der Eifel haben zu einem großflächigen Stromausfall geführt. Wie eine Sprecherin des Netzbetreibers Westnetz sagte, seien in Rheinland-Pfalz besonders die Kreise Ahrweiler, Vulkaneifel, Mayen-Koblenz, Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg betroffen.

Dort ständen zahlreiche Ortsnetzstationen unter Wasser und hätten abgeschaltet werden müssen, wie Westnetz in Saffig mitteilte. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich seien vereinzelte Ortschaften ohne Strom.

Mehr als 100 Kolleginnen und Kollegen der Westnetz in Rheinland-Pfalz seien im Dauereinsatz, um an den Orten, wo es möglich ist, die Stromversorgung wieder in Gang zu bringen, sagte die Sprecherin.

Update, 15. Juli, 11 Uhr: Mehrere Menschen aus eingeschlossenen Häusern gerettet

Im Eifel-Kreis Bitburg-Prüm sind wegen der Hochwasserlage mehrere Menschen in ihren Häusern von den Wassermassen eingeschlossen worden, unter anderem in Waxweiler. Das sagte der Kreissprecher am Donnerstag in Bitburg.

Menschen mussten gerettet werden – Meldungen über Tote, Verletzte oder Vermisste gebe es jedoch bislang nicht. Der Kreissprecher berichtete auch von mindestens einem eingestürzten Haus.

Nach den heftigen Regenfällen kommt es in mehreren Gemeinden des Kreises Bitburg-Prüm zu Einschränkungen in der Trinkwasserversorgung. Grund seien Stromausfälle, teilte der Katastrophenschutz des Kreises über Facebook mit.

Die Versorgung sei voraussichtlich "auf Tage eingeschränkt". Die Bewohner wurden aufgerufen, mit dem vorhandenen Wasser sparsam umzugehen und auf Reinigungsarbeiten zu verzichten.

Update, 15. Juli, 11.40 Uhr: Schaulustige behindern laut Polizei Rettungseinsatz im Eifel-Ort Schuld

Nach der Hochwasserkatastrophe im Eifel-Ort Schuld im Norden von Rheinland-Pfalz haben Schaulustige nach Angaben der Polizei den Rettungseinsatz behindert.

"Bitte haltet die Rettungswege frei!!!!!", schrieb das Polizeipräsidium Koblenz am Donnerstag auf Twitter. Die Beamten riefen auch dazu auf, Straßensperren zu beachten und in Sicherheit zu bleiben.

In überfluteten Gebieten seien die Gefahren unkalkulierbar.

Die mit einer Drohne gefertigte Aufnahme zeigt die Verwüstungen die das Hochwasser der Ahr in dem Eifel-Ort Schuld angerichtet hat.
Die mit einer Drohne gefertigte Aufnahme zeigt die Verwüstungen die das Hochwasser der Ahr in dem Eifel-Ort Schuld angerichtet hat.  © Christoph Reichwein/TNN/dpa

Update, 15. Juli, 12.22 Uhr: Zahl der Todesopfer in Rheinland-Pfalz auf fünf gestiegen

Die Zahl der Todesopfer nach den schweren Unwettern im nördlichen Rheinland-Pfalz ist nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz (SPD) auf fünf gestiegen.

Alle seien nach bisherigen Erkenntnissen im Kreis Ahrweiler in den Fluten ums Leben gekommen. Der Minister fügte hinzu, dass noch 50 bis 70 Menschen in der Katastrophenregion vermisst würden.

Unklar sei zurzeit, ob es sich dabei um Menschen handle, die vielleicht in Urlaub seien, oder ob sie im Unwetter bei Bekannten untergekommen oder in einer schwierigen Situation seien.

Update, 15. Juli, 12.32 Uhr: Bisher 50 Bundeswehrsoldaten in Katastrophenregion im Einsatz

An dem Einsatz gegen die Fluten im nördlichen Rheinland-Pfalz nehmen auch 50 Soldaten der Bundeswehr teil. Sie seien am Mittwochabend alarmiert worden, sagte der stellvertretende Kommandeur des Kreisverbindungskommandos, Torsten Liebscher, am Donnerstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Der Einsatz werde unterstützt mit "besonderem Gerät, das dorthin kommt, wo zivile Fahrzeuge nicht hinkommen". Zurzeit laufe die Abstimmung mit den zivilen Behörden, wie die weitere Unterstützung aussehen solle.

Update, 15. Juli, 14.55 Uhr: Im Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler erhöht sich die Zahl der Toten auf 18

Im Zusammenhang mit der schweren Hochwasserkatastrophe hat sich die Zahl der Toten im Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler auf mindestens 18 erhöht.

Das teilte die Polizei Koblenz am Donnerstag mit. Somit stieg die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit dem schweren Unwetter auf insgesamt 33. In Nordrhein-Westfalen waren nach ersten Erkenntnissen 15 Menschen ums Leben gekommen.

"Unser tiefes Mitgefühl gilt allen Betroffenen", teilte die Polizei am Nachmittag bei Twitter mit.

Titelfoto: Christoph Reichwein/TNN/dpa

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