Witwe von "Titan"-Verstorbenen bricht ihr Schweigen: Eigentlich hätte sie selbst in dem Tauchboot sitzen sollen
Hamburg - Rund drei Jahre ist es her, als das U-Boot "Titan" im Nordatlantik implodierte. Alle fünf Insassen starben sofort - darunter auch Multimillionär Shahzada Dawood (†48,) und sein Sohn Suleman (†19). Die Hinterbliebene: Mutter und Ehefrau Christine Dawood (51), die sich nun erstmals im deutschen Fernsehen zu der Tragödie äußert.
Wie die Familie überhaupt auf das Angebot gestoßen ist, mit einem Tauchboot zum Wrack der "Titanic" zu fahren? Eine Werbung auf Instagram erzählt die 51-Jährige am Freitagabend in der Talksendung "DAS! Rote Sofa". Demnach war es Dawood selbst, die die Reise in die Tiefe entdeckt hatte.
Daraufhin erzählte sie zunächst ihrem Mann von dem möglichen Abenteuer. "Mein Mann war Feuer und Flamme - und Suleman auch", erinnert sie sich. Doch statt ihres Sohnes sei zunächst der Plan gewesen, dass lediglich die beiden Erwachsenen gemeinsam in das Tauchboot steigen!
Der Grund: Obwohl Suleman großer Titanic-Fan war, war er zu dem Zeitpunkt, als die 51-Jährige auf das Reiseangebot gestoßen ist, noch minderjährig. "Er durfte also noch nicht. Doch durch Covid hat sich das alles verspätet." So feierte Sulemann schließlich seinen 18. Geburtstag und verklickerte seiner Mutter, dass er doch selbst so gerne das Wrack der Titanic sehen wolle.
"Dann habe ich mir gedacht, es wäre auch schön für Vater und Sohn das zusammen zu erleben. Sie haben viel gemeinsam gemacht." Der Rest ist Geschichte. Am 18. Juni 2023 startete die "Titan" schließlich unter anderem mit Vater und Sohn an Bord in die Tiefe. Es war der Tag, an dem die 51-Jährige die beiden das letzte Mal lebend sah.
"Titan"-Unglück: Witwe hatte auch nach den abgelaufenen 96 Stunden noch Hoffnung
Gestartet hatte das Tauchboot von einem anderen Schiff aus auf dem Nordatlantik vor der Küste von Neufundlands. Auf diesem Schiff befand sich auch Dawood gemeinsam mit ihrer Tochter, bevor die Kapsel von dort aus ins Wasser gelassen wurde. Als nach einiger Zeit jedoch plötzlich der Kontakt zum sich bereits im Wasser befindlichen Boot abriss, wurde ihr nach eigenen Angaben zunächst erklärt, dass diese Situation ganz normal sei.
Rund sieben Stunden sollte der Tauchgang eigentlich dauern. Doch je mehr Zeit verstrich, desto unruhiger wurde auch Dawood. Dann wurde bekannt: Für 96 Stunden reiche der Sauerstoff an Bord des Tauchboot aus. Als auch diese Zeit verstrichen war stand fest: Die Insassen haben den Tauchgang nicht überlebt.
Wie die 51-Jährige den Moment wahrnahm, als die 96 Stunden voller Hoffnung endgültig vorbei waren? "Ich glaube, mein Körper wusste es dann schon, dass ich sie nicht mehr lebend oben sehen werde. Aber ich habe es mir nicht erlaubt, das zu glauben. Die Hoffnung war wirklich immer noch da - bis die Küstenwache final bestätigt hat, dass sie implodiert ist", erinnert sich die 51-Jährige mit zittriger Stimme an den wohl schlimmsten Moment ihres Lebens.
Zu diesem Zeitpunkt befand sie sich gemeinsam mit ihrer Tochter noch immer auf besagtem Schiff auf dem Nordatlantik. So habe es noch weitere zwei Tage gedauert, bis sie wieder zurück an Land waren. In der Zeit der Trauer hatte die 51-Jährige nach eigenen Angaben jedoch viel Unterstützung von Freunden, Familie und Trauer-Experten.
Um mit ihrem Schicksal umzugehen, schreib Dawood nun sogar ein Buch mit dem Titel "Ninety-Six Hours". In Zukunft möchte sie auch anderen Betroffenen helfen, einen Weg zu finden, mit Trauma und Trauer umzugehen, erklärt sie abschließend.
Wer die Folge von "DAS! Rote Sofa" verpasst hat, kann diese in der ARD-Mediathek streamen.
Titelfoto: Bildmontage: Uncredited/AP/dpa, OceanGate Expeditions/AP/dpa

