Perth (Australien) - Kommt es zuletzt doch auf die Größe an? Wissenschaftler der University of Western Australia haben sich der Thematik nun angenommen und anhand eines Experiments erstaunliche Ergebnisse zutage gefördert. Demnach spielten sowohl weibliche als auch männliche Vorlieben eine zentrale Rolle.
"Unter Primaten stellt der menschliche Penis eine evolutionäre Ausnahme dar", schreiben die Wissenschaftler um Verhaltensbiologin Upama Aich einleitend. "Im Vergleich zur Körpergröße ist der menschliche Penis dicker und in der Regel länger als der anderer Primaten."
Aus Sicht der Evolutionstheorie muss es unseren frühen männlichen und unbekleideten Vorfahren daher einen Vorteil verschafft haben, besser bestückt zu sein.
Zwei Mechanismen kämen laut der australischen Forschergruppe während der Evolution bei der Ausprägung bestimmter Merkmale zum Tragen: Einerseits können Weibchen bei der Partnerwahl bestimmte Dinge bevorzugen. "Zweitens kann die Konkurrenz zwischen Männchen Merkmale begünstigen, die die Erfolgswahrscheinlichkeit in einem physischen Kampf erhöhen."
Um herauszufinden, welcher Mechanismus bei Menschen wirkt, luden die Forscher 600 Männer und 200 Frauen zum Experiment ein. Zuvor hatten sie 343 lebensgroße Männerfiguren mit dem Computer generiert. Den Probanden wurden dann jeweils 56 Abbildungen gezeigt, die sich in Körpergröße, Körperform und Penisgröße unterschieden.
Eindeutige Trends bei Frauen und bei Männern
Frauen sollten die Männerfiguren nach sexueller Attraktivität bewerten. Männer sollten hingegen angeben, wie eifersüchtig sie wären, spräche der abgebildete Mann mit ihrer Freundin, und ob sie sich von ihm in einem möglichen Kampf bedroht fühlen würden.
Wenig erstaunlich sind dabei die Ergebnisse der befragten Frauen: "Sie bewerteten einen eher V-förmigen Körper, größere Körpergröße und einen größeren Penis als sexuell attraktiver", bilanzieren die Forscher. Kleingewachsenen Artgenossen brachte demnach auch ein größeres Genital in puncto Attraktivität kaum mehr Vorteile.
"Männer bewerteten einen eher V-förmigen Körperbau, größere Körpergröße und einen größeren Penis als Indikatoren für eine höhere Kampffähigkeit", heißt es. "Wir schließen daraus, dass Männer seltener eine aggressive Auseinandersetzung mit einem Rivalen mit einem großen Penis beginnen."
Die Ergebnisse beider Gruppen deuteten somit darauf hin, dass die Vorlieben von Frauen bei der Partnerwahl und der Wettbewerb zwischen Männern während der Evolution gemeinsam zu einer größeren Penisgröße und einer hochgewachsenen, kräftigen Statur geführt haben.
Testosteron und Selbstvertrauen
Eine Erklärung dafür, warum ein größerer Penis ein verlässlicher Indikator für Kampffähigkeit sein könnte, ist laut den Wissenschaftlern, dass Testosteron die Penisentwicklung in der Pubertät beeinflusst.
Ein höherer Testosteronwert gehe bei Erwachsenen zudem mit einer größeren Muskelmasse, höherer Aggressivität und damit einer besseren "Wettbewerbsfähigkeit" einher.
Eine zweite, sich nicht gegenseitig ausschließende Erklärung ist, dass die Länge des schlaffen Penis als Indikator für den physiologischen Zustand eines Mannes fungiert. Die Länge des schlaffen Penis kann sich als Reaktion auf Stress oder Angst verkürzen, da Adrenalin den Blutfluss von den Genitalien weglenkt.
Diese natürliche Reaktion diene der Reduzierung von Verletzungen im Kampf selbst oder während der Flucht. Ein längerer, schlaffer Penis sei unter Primaten folglich seit jeher ein Zeichen von Selbstvertrauen gegenüber einem Gegner, so die Forscher.