Könnte ein kleiner Stich in den Finger bald Alzheimer feststellen?

USA - Ein kleiner Stich in den Finger und vielleicht wissen wir schon bald, wie es um uns bestellt ist. Eine internationale Alzheimer-Studie testet derzeit den sogenannten "Fingerstichtest" - Mediziner und Betroffene erhoffen sich Großes.

Weltweit leiden rund 30 bis 33 Millionen Menschen an Alzheimer. (Symbolfoto)  © Christophe Gateau/dpa

In Großbritannien, den USA und Kanada nehmen aktuell rund 1000 Menschen (Alter: über 60 Jahre) an einem Forschungsprojekt teil, bei dem ein einfacher Fingerstich-Bluttest Hinweise auf Alzheimer liefern soll.

Ziel des Ganzen ist es, bestimmte Eiweiße im Blut zu erkennen, die mit der Entstehung der Krankheit in Verbindung stehen - Fachleute sprechen von den sogenannten "Biomarkern" (Frühwarnzeichen).

Einer der Teilnehmer ist der Londoner Hausarzt Dr. Michael Sandberg. Für ihn ist die Studie mehr als reine Wissenschaft, berichtet BBC. Seine Mutter litt an Alzheimer. "Ich habe ihren langsamen Abbau miterlebt. Das vergisst man nie", erklärte er.

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Die Studie wird von der medizinischen Forschungsorganisation "LifeArc" gemeinsam mit der "Global Alzheimer's Platform Foundation" geleitet.

"Wir untersuchen drei Proteine im Blut, die eng mit Alzheimer verknüpft sind. Ihre Menge und Zusammensetzung könnten zeigen, ob jemand ein erhöhtes Risiko hat", erklärte Dr. Giovanna Lalli von LifeArc.

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Bereit 1906 begannen Forscher, an der Alzheimer-Krankheit zu forschen. (Symbolfoto)  © 123RF/dragoscondrea

Alzheimer-Behandlungen sind nicht nur teuer: "Eine frühzeitige und verlässliche Diagnose dauert derzeit viel zu lange"

Die ersten Symptome von Alzheimer äußern sich meist in Form von Gedächtnisverlust, Orientierungsstörungen und Sprachproblemen. (Symbolfoto)  © 123rf/annastasiia7

Bisher ist der Weg zur Diagnose oft lang und belastend - doch nicht nur das. Die Vor-Behandlungen wie beispielsweise Gehirnscans und Rückenmarkspunktionen sind oft sehr teuer.

Genau an diesem Problem könnte der neue Test ansetzen. Ein einfacher Blutstropfen, möglicherweise sogar zu Hause entnommen und per Post ins Labor geschickt, würde die Hürden für Patienten deutlich senken.

"Eine frühzeitige und verlässliche Diagnose dauert derzeit viel zu lange", kritisiert Fiona Carragher von der Alzheimer's Society gegenüber BBC.

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Der Fingerstich-Test steckt noch in der Prüfphase. Erst wenn alle Daten ausgewertet sind, wird sich zeigen, wie zuverlässig er tatsächlich ist.

Sollte der Test jedoch halten, was er verspricht, könnte er die Alzheimer-Diagnostik grundlegend verändern.

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