Dresden - Die TU Dresden forscht im Auftrag einer israelischen Waffenfirma an Antriebstechnik für bewaffnete Drohnen, die im Gaza-Krieg zum Einsatz kommen. Die für ethische Fragen zuständige Kommission Verantwortung in der Wissenschaft (KVW) hatte vorab Bedenken geäußert. Das Rektorat setzte sich darüber hinweg und soll die Kommission aufgelöst haben.
Das geht aus Dokumenten hervor, die TAG24 vorliegen. Demnach wüsste Rüstungskonzern Elbit Systems gern, warum die Triebwerke ihrer Hermes 900-Angriffsdrohne ab einer bestimmten Flughöhe schwächeln. Die TU sollte beauftragt werden. Beide Parteien stellten entsprechende Anträge im vergangenen Jahr.
In einer KVW-Sitzung wurde das heiß diskutiert. So sei klar, dass die "bewaffnete Drohne" im Gazastreifen zum Einsatz käme. Der Internationale Strafgerichtshof zählt mehrere offene Haftbefehle wegen des Krieges dort, auch Israels Premier Benjamin Netanjahu (76) werden Kriegsverbrechen vorgeworfen.
Das Rektorat hat sich über die im Februar formulierten KVW-Bedenken hinweggesetzt und den gerade mal 30.000 Euro schweren Auftrag angenommen.
In einer nächsten KVW-Sitzung distanzierten sich Mitglieder sogar von der TU, ein Unbekannter stach die Pläne durch, die Uni erstattete Anzeige. Die Kommission sei temporär aufgelöst worden, weil die Vertraulichkeit gefehlt hätte, hieß es aus KVW-Kreisen.
Eine Verschwiegenheitserklärung mit der israelischen Waffenfirma
"Die TU Dresden misst der grundgesetzlich geschützten Wissenschaftsfreiheit eine hohe Bedeutung bei", schreibt die Uni auf TAG24-Nachfragen. Es gebe keine Zivilklausel, die Militärforschung ausschließe.
Das Vorgehen sei auch mit dem Ausfuhr-Amt abgestimmt. Ansonsten können sie sich "weder zu vertraulichen Inhalten der Beratungen noch zu einzelnen vertraglichen Details konkreter Forschungsprojekte äußern". Die KVW aber bestehe und berate weiter, "notwendigerweise vertraulich".
Wie aus den Dokumenten weiter hervorgeht, muss die Untersuchung bereits stattgefunden haben. Der Lehrstuhl für Verbrennungsmotoren und Antriebssysteme plante in der ersten Mai-Woche, an zwei Tagen den Ottomotor in einem Höhenprüfstand zu testen. Auch dazu wollte sich die TU nicht äußern.
Ihr Kanzler Jan Gerken (59) unterschrieb ohnehin bereits im Oktober 2025 eine Verschwiegenheitserklärung mit der drittgrößten israelischen Waffenfirma. Zu diesem Zeitpunkt waren nach Berechnungen des Max-Planck-Instituts wenigstens 100.000 Menschen im Gazastreifen getötet worden.