Kleopatra-Ausstellung feiert Premiere: "Wollen ihr Image als Sexsymbol korrigieren"

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Hamburg - Die immersive Ausstellung ist das nächste Kapitel der Reihe von "Alegria Exhibition", die Wissen auf neue Weise erlebbar machen will. Nach "Vikings" feiert am Freitag "Kleopatra" in Hamburg ihre Deutschlandpremiere – und stellt dabei eine zentrale Frage: Wer war sie wirklich?

Münzen aus der Zeit der Herrschaft Kleopatras liefern möglicherweise die einzigen realistischen Darstellungen ihrer Gesichtszüge.
Münzen aus der Zeit der Herrschaft Kleopatras liefern möglicherweise die einzigen realistischen Darstellungen ihrer Gesichtszüge.  © Tag24/Madita Eggers

Für José Miguel Parra (58) ist die Antwort klar: "Für mich ist sie eine sehr erfolgreiche Politikerin. Das ist der Kern von allem, was sie in ihrem Leben getan hat", betonte der Ägyptologe am Donnerstag im TAG24-Gespräch. Die Ausstellung will deshalb auch mit dem Klisschee des bloßen Sexsymbols aufräumen.

Bis heute sei überraschend wenig über die letzte Königin (69 bis 30 v. Chr.) des alten Ägyptens bekannt ist. "Die größte Herausforderung war, dass wir den Menschen vermitteln müssen, wie wenig wir eigentlich über sie wissen", so Parra.

Denn: Vieles, was man über die wohl berühmteste Herrscherin der sogenannten Ptolemäer-Dynastie zu wissen glaubt, stammt eher aus Hollywood oder William Shakespeares "Antonius und Cleopatra" als aus der Geschichte. So etwa der Mythos, Kleopatra sei ungewöhnlich schön gewesen.

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"Wir wissen nicht genau, wie sie aussah. Es gibt keine gesicherten Statuen, nur Münzen mit ihrem Profil und ein Relief im ägyptischen Tempel von Dendera", so der Ägyptologe weiter. Die Darstellungen in der Ausstellung seien daher freie Interpretationen.

"Alles, was man hier lesen oder hören kann, basiert auf Fakten. Aber bei den visuellen Darstellungen müssen wir interpretieren, um etwas Anschauliches und Interessantes zu schaffen, besonders für Menschen, die nicht regelmäßig ins Museum gehen oder viele Bücher lesen", so Parra.

Nach der erfolgreichen Premiere in Madrid 2025 feiert "Kleopatra - Die immersive Ausstellung" am 17. April Deutschlandpremiere in Hamburg. Die neue Inszenierung widmet sich Kleopatras Vermächtnis und beleuchtet die vielen Facetten der berühmten Herrscherin.
Nach der erfolgreichen Premiere in Madrid 2025 feiert "Kleopatra - Die immersive Ausstellung" am 17. April Deutschlandpremiere in Hamburg. Die neue Inszenierung widmet sich Kleopatras Vermächtnis und beleuchtet die vielen Facetten der berühmten Herrscherin.  © MAD/Alegria Exhibition

Warum fasziniert Kleopatra bis heute die Menschheit?

Was nutzte Kleopatra eigentlich als Make-up und was bedeutete ihre Flechtfrisur? Antworten auf diese Fragen liefern drei bewegte Darstellungen der Herrscherin.
Was nutzte Kleopatra eigentlich als Make-up und was bedeutete ihre Flechtfrisur? Antworten auf diese Fragen liefern drei bewegte Darstellungen der Herrscherin.  © Tag24/Madita Eggers

Bei einer immersiven Ausstellung geht es laut Parra darum, Information und Vorstellungskraft zu verbinden. "Man erinnert sich vielleicht an spektakuläre Bilder, aber gleichzeitig erfährt man, dass vieles unsicher ist - etwa die Frage, wie sie gestorben ist, möglicherweise durch ein Gift wie das einer Viper, vielleicht aber auch nicht."

Der Fakt, dass Kleopatra dennoch bis heute Menschen auf der ganzen Welt fasziniert, sei ihrer stetigen Präsenz in der Geschichte geschuldet: "Zunächst im ptolemäischen Kontext, dann in Verbindung mit Rom. Danach schrieben die klassischen Autoren wie Plutarch und Shakespeare über sie. Und im 20. Jahrhundert wurde sie im Film dargestellt, etwa von Claudette Colbert und Elizabeth Taylor", weiß der Historiker.

Ein Teil von Kleopatras Faszination liegt auch in ihren überlieferten Bündnissen mit den mächtigsten Männern ihrer Zeit: Julius Caesar und Marcus Antonius.

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Gleichzeitig distanziert sich José Miguel Parra klar von dem Bild der verführerischen Strippenzieherin: "Wir versuchen, ihr Image als bloßes Sexsymbol zu korrigieren. Das war sie nicht! Sie war hochintelligent. Sie sprach viele Sprachen und wurde mit den besten Lehrern ausgebildet. Genau das beeindruckte auch Julius Caesar", stellt er gegenüber TAG24 klar.

Gerade die Beziehung mit dem römischen Feldherren werde oft romantisiert, dabei "war er ein erfahrener Politiker, General und Liebhaber - und sie eine sehr junge Frau".

Im frei begehbaren Metaversum reisen Besucherinnen und Besucher mit Virtual-Reality-Brillen zu den wichtigsten Schauplätzen der Ptolemäer-Dynastie - jener Herrscherfamilie, deren letzte Regentin Kleopatra war, bevor Ägypten Teil des Römischen Reiches wurde.
Im frei begehbaren Metaversum reisen Besucherinnen und Besucher mit Virtual-Reality-Brillen zu den wichtigsten Schauplätzen der Ptolemäer-Dynastie - jener Herrscherfamilie, deren letzte Regentin Kleopatra war, bevor Ägypten Teil des Römischen Reiches wurde.  © TAG24

Parra will Kleopatra als reale historische Figur zeigen: "Die ist genauso faszinierend!"

Für Parra sind vor allem die Originalartefakte das Highlight der Ausstellung: "Die Rekonstruktionen sind sehr schön, aber als Historiker fasziniert mich besonders dieser Bereich." Dort wird die Entwicklung der Schrift gezeigt - "von Hieroglyphen über Hieratisch bis hin zum Demotischen".
Für Parra sind vor allem die Originalartefakte das Highlight der Ausstellung: "Die Rekonstruktionen sind sehr schön, aber als Historiker fasziniert mich besonders dieser Bereich." Dort wird die Entwicklung der Schrift gezeigt - "von Hieroglyphen über Hieratisch bis hin zum Demotischen".  © Tag24/Madita Eggers

Parra will Kleopatra als reale historische Figur zeigen - fernab von Hollywood-Klischees.

"Die echte Kleopatra ist genauso faszinierend und wir können noch viel über sie lernen. [...] Sie war eine Frau in einer von Männern dominierten Welt, die um ihr Land kämpfte - für sich und ihren Sohn."

Das immersive Konzept versteht er dabei als Ergänzung zum klassischen Museumsbesuch: "Dort hat man Artefakte und vielleicht kleine digitale Rekonstruktionen, hier ist es umgekehrt - große visuelle Rekonstruktionen und kleinere Originalobjekte", erklärt der Wissenschaftler.

Auf mehr als 2000 Quadratmetern erwartet die Besucherinnen und Besucher eine immersive Zeitreise durch das alte Ägypten.

Mit Virtual-Reality-Brillen werfen sie unter anderem einen Blick in Kleopatras Gemächer und erleben das Erdbeben, das die frühere Weltmetropole Alexandria ins Meer stürzen ließ.

Das Highlight: eine 360-Grad-Show

Die Sonne geht auf: Im 360-Grad-Showroom erwachen Kleopatra und ihre Herrschaftsstadt Alexandria eindrucksvoll zum Leben.
Die Sonne geht auf: Im 360-Grad-Showroom erwachen Kleopatra und ihre Herrschaftsstadt Alexandria eindrucksvoll zum Leben.  © Tag24/Madita Eggers

Ein besonderes Highlight ist die 360-Grad-Show, in der Kleopatra selbst ihr Leben in rund 30 Minuten erzählt. Vorwissen ist dabei nicht nötig: Wissenstafeln und interaktive Elemente entlang der einzelnen Ausstellungsräume helfen dabei, tief in die Geschichte einzutauchen.

Nach der erfolgreichen Premiere in Madrid 2025 feiert "Kleopatra" am 17. April Deutschlandpremiere in Hamburg. Bis Juli wird die immersive Ausstellung in der Hansestadt gastieren. Tickets gibt es unter kleopatra-immersiv.com.

Titelfoto: MAD/Alegria Exhibition

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